Im Rahmen des ORF musikprotokolls kommt am 11. Oktober 2026 an der Kunstuni Graz Alexander Chernyshkovs experimentelle Oper „Heute schrieb ich nix“ zur Uraufführung. Für das von Daniil Charms inspirierte Werk hat Chernyshkov den Johann-Joseph-Fux-Opernkompositionspreis des Landes Steiermark erhalten.
Stellen Sie sich eine Konzertsituation vor. Am Programm steht neue Musik von Alexander Chernyshkov. Der Aufbau für das Stück scheint aufwändiger zu sein, er zieht sich hin – bis Sie begreifen, dass es längst begonnen hat. Alexander Chernyshkov, geboren in Russland, aufgewachsen in Italien, seit 18 Jahren in Österreich, macht Musik mit den Mitteln des Theaters. Von der Regieanweisung bis zur Bühnentechnik, vom Auditorium bis zur Hinterbühne findet alles in seine Partitur. Er komponiert gefundene Klänge und Situationen zu kontrastreichen Genre-Kollagen zwischen Synthie-Pop und Bach, mit denen sich das Tönen der Welt in Musiktheater kristallisiert. Heute schrieb ich nix ist Daniil Charms Auftritt in Alexander Chernyshkovs „Errortheater“, seiner „Musiktheaterkompanie für provozierte Missverständnisse“. Gedacht als „Transkription eines Fehlers“, ist Chernyshkovs Kunst eine Zuflucht mitten im Geschehen – und darin eng verwandt mit der Poesie von Daniil Charms. Inspiration ist auch die Biografie des Dichters, der lebenslang schrieb, ohne Hoffnung auf Veröffentlichung. Charms Leben und Schreiben im Schatten des Totalitarismus findet Analogien in der russischen Gegenwart wie im Gefühl der Hilflosigkeit, mit der – so Alexander Chernyshkov – jeder Mensch dem Leben begegnet.
Preisträgerwerk eines besonderen Wettbewerbs
Für Heute schrieb ich nix hat Alexander Chernyshkov den Johann-Joseph-Fux-Opernkompositionspreis des Landes Steiermark erhalten. Dieser wurde 1998 in Anerkennung der Universitätswerdung der ehemaligen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Graz von der Steiermärkischen Landesregierung institutionalisiert. Als Landeskulturpreis ist er nach dem bedeutenden steirischen Barockmusiker Johann Joseph Fux benannt und wird im Dreijahresrhythmus vergeben. Der Wettbewerb wurde nunmehr zum neunten und letzten Mal in dieser Form ausgetragen.

© Nick Mangafas
Die Begründung der Jury im Wortlaut
„Die dramatische Vorlage, das Konzept sowie das Libretto sind vielversprechend und zudem aufgrund der aktuellen politischen Situation in der Ukraine beziehungsweise Russland hochaktuell. Dieses Potenzial hat alle Jurymitglieder sehr überzeugt. Sein bisheriges Schaffen ist unkonventionell, kreativ, experimentell und grenzgängerisch und hat in der Vergangenheit bereits zu spannenden Projekten und Aufführungen geführt. Er gilt als interessanter Theatermacher. … Der Schwerpunkt auf dem improvisatorischen Konzept bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Umsetzung und eröffnet neue Ausdrucksformen im Musiktheater, welche interessant sein werden, mit Studierenden auf die Bühne zu bringen. Im Zentrum der Oper steht das Leben und Wirken des russischen Autors Daniil Charms in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und sein absurdes Stück Jelisaweta Bam. Chernyshkov versucht eine Neuformulierung des politischen (Musik-)Theaters und beruft sich dabei auf einen der Urväter der politischen Satire. Das Thema der kommenden Oper ist die Haltung des russischen Staates gegenüber Künstlerinnen und Künstler und die Unterdrückung von Kreativität als signifikantes Zeichen für den Zerfall der Demokratie. Gleichzeitig hinterfragt der Komponist dabei seine eigene Position und Handlungsmöglichkeiten in einer neuen Weltordnung, in der Russland zu einer terroristischen Diktatur geworden ist und die russische Kultur einen negativen Ruf erworben hat. Der persönliche Bezug des Komponisten zum Thema der Kurzoper verleiht diesem Projekt einen besonders authentischen Aspekt.“
Heute schrieb ich nix
Szenische Komposition: Alexander Chernyshkov – error theater
Konzept: Alexander Chernyshkov & Evarts Melnalksnis
Musikalische Leitung: Alexander Chernyshkov & Gerrit Prießnitz
Inszenierung: Alexander Chernyshkov & Ingo Kerkhof
Bühne und Kostüme: Stephanie Ortner (Studierende Bühnengestaltung)
Ausstattungsassistenz: Finn Schirl
Produktionsleitung: Alexander Irmer
Gesangsstudierende der Studienrichtungen PPCM Vokal und Musiktheater, Studierende PPCM Instrumental
Uraufführung im ORF musikprotokoll:
So, 11.10.2026, 19.30 Uhr
MUMUTH, György-Ligeti-Saal
Termin im abo@MUMUTH der KUG:
(in Kooperation mit dem ORF musikprotokoll): Di, 13.10.; Mi, 14.10; Do, 15.10.2026, jeweils 18 Uhr













