
Die Jubiläumsausgabe des Dixie- & Swingfestivals geht vom 7. bis 16. August in Weiz, Anger, Ilz und Heilbrunn über die Bühne. Trotz angespannter Finanzen mit einer Top-Besetzung.
„Der Schmäh läuft schon!“ – jedenfalls bei der Präsentation des Line-ups für die 10. Ausgabe, wie Veranstalter Johannes Hödl bekräftigt. Gemeinsam mit Johann König (Leiter des Kunsthaus Weiz), Franz Posch (Moderator von „Mei liabste Weis“ und Kopf der Dixielanders Hall), Eiskönig Charly Temmel und Saubermacher-Gründer Hans Roth präsentierte er die Eckpunkte eines Programms, das trotz strengem Blick auf die Finanzen eine hochkarätige und internationale Besetzung bietet. Swingtanz-Workshops, ein Workshop für traditionellen Jazz und ein Konzert des Veranstalters selbst mit seiner „Very Old Stoariegler Dixielandband“ im Autozentrum Harb machen den Anfang am 7. August. „Ab diesem Zeitpunkt wimmelt es in Weiz und in der Region nur so vor Tanzwütigen und Jazzbegeisterten“, so Johannes Hödl.

Fernsehstar auf Abwegen
Die Headliner kann man allesamt als „ungewöhnlich“ bezeichnen: Allen voran wäre da beispielsweise der Volksmusiker Franz Posch. Er weilte bei Dreharbeiten für seine Fernsehsendung „Mei liabste Weis“ in der Region und machte für die Programmpräsentation des Dixie- und Swingfestivals einen Abstecher nach Weiz. Im Rahmen des Festivals mutiert Posch zum Jazztrompeter und eröffnet am 13. August den Konzertreigen im Kunsthaus Weiz mit seinen „Dixielanders Hall“. Posch erzählte bei der Pressekonferenz launig, wie er über Fatty George und seine volksmusikalischen Aufenthalte in Chicago zum Dixieland kam. Ab da kaufte er Schellacks und Noten, wo immer er welche auftreiben konnte. Bereits im Alter von vier Jahren begann der Vollblutmusiker mit der Harmonika, gründete als Lehramtsstudent die „Dixielanders Hall“, pausierte danach und spielte zwischenzeitlich Jahrzehnte mit seinen „Innbrügglern“. Daneben arbeitete er als TV-Moderator und kehrte erst 2024 nach langer Pause wieder zum Dixieland zurück – weil sein Klarinettist Bernie Fauster anrief und meinte: „Ich halt’s nicht aus ohne Dixieland“.

Foto: Scheuermann
Die große Eddie Luis Show
Eddie Luis wiederum setzt mit dem Leiter der Big Band Weiz, Christoph Pfeiffer, am 14. August eine unverwirklichte Idee exklusiv in die Tat um: Zum Jubiläum des Festivals präsentieren sie „Die große Eddie Luis Show“. Und schließlich laden die Veranstalter am Samstag, 15. August zur „Langen Nacht des Dixieland“ mit zahlreichen Top-Acts ein. So rast der japanische Virtuose Ken Aoki – der Speedy Gonzales des Banjospiels – mit dem Prohibition Orchestra von Nobuo Watanabe über die Bühne des Kunsthauses. Die „Nanna Carling Swing Band“ grätscht im Foyer dazwischen und im Frank-Stronach-Saal macht eine der besten Dixielandbands Europas – die „Hot Jazz Band“ aus Ungarn – die Nacht zum Tag.
Sousaphone im Anmarsch
Im Programm ist auch wieder das beim Publikum beliebte „New Orleans Straßenmusikfest“ – und auch dieses bietet Ungewöhnliches: Der Musikverein Heilbrunn unter der Leitung von Sepp Bratl holt sich für das „John Philip Sousa Marching Project“ Verstärkung bei Sousaphonisten aus ganz Österreich. Unter ihnen etwa H. G. Gutternigg (ehemals Russkaja) und Georg Scheifinger (SOKO Dixie). „John Philip Sousa (1854–1932) war ein berühmter US-amerikanischer Komponist und Dirigent, bekannt als König der Marschmusik“, so Johannes Hödl. Als Leiter der US Marine Band und seiner eigenen Kapelle prägte er die Militär- und Konzertmusik des späten 19. Jahrhunderts maßgeblich. Zu seinen berühmtesten Werken zählen The Stars and Stripes Forever und The Washington Post. Viele seiner Werke werden auch von Jazzmusikern übernommen und gespielt.

Foto: Mehmet Yamanlar
Frauenpower beim Straßenmusikfest
„Beim Straßenmusikfest wird auch eine starke musikalische Frauenphalanx aufgeboten“, so Hödl. Denn bei den „Carling Sisters“ aus Schweden, „Miss Lindy & The Wheels“ und „Ladies First“ geben fast ausschließlich Frauen den Ton an. Darüber hinaus bietet das Programm auch wieder kulinarisch-musikalische Highlights, wie das „Jazzdinner“ am 12. August bei „Der Thaller“ in Anger oder das „Swingende Almfrühstück“ bei der Bratlwirtin in Heilbrunn zum Abschluss am 16. August.
Nach dem Ausblick eine Bilanz
Und wie sieht es nach Problemen im Vorjahr mit dem lieben Geld aus? Veranstalter Johannes Hödl: „Dank der Großsponsoren Knill Gruppe, Energie Steiermark, Saubermacher und Charly Temmel ist das Festival heuer gesichert, erfreulicherweise hat auch das Land Steiermark einen adäquaten Beitrag geleistet, wie auch die Stadt Weiz und regionale Unternehmen.“ Hödl zog im Rahmen der Programmpräsentation auch eine erfolgreiche Bilanz: „39 Konzerte und 9 Straßenmusikfeste mit 151 verschiedenen Acts generierten in den sonst eher ruhigeren Augusttagen seit 2016 ganze 731 Musikerjobs, brachten 36.000 Besucher (Ticketverkauf plus Open Airs ohne Eintritt), ca. 2.900 Nächtigungen und haben 720.000 Euro gekostet.“ Hödl abschließend: „Trotz zwischenzeitigen Belastungsspitzen und schnell verrauchtem gelegentlichem Ärger ist kein Millimeter Freude an diesem Festival verloren gegangen. Dank der vielen Helfer, Förderer und Unterstützer.“

Foto: DSF












