Es ist heiß in der Grazer Innenstadt. Im Büro von Festival-Intendant Werner Johannes Schrempf wird Twinni serviert. Bleiben wir gleich beim Thema und beginnen wir mit der Frage nach dem Klima.
Text: Wolfgang Kühnelt
Das Festival La Strada beschäftigt sich immer auch mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Wie geht ihr mit der spürbaren Erwärmung im Sommer um? Werden zum Beispiel Locations so ausgesucht, dass es genug Schatten gibt?
Ja, das ist ein wichtiges Thema. Und zwar nicht nur wegen der Hitze, sondern auch wegen der Auswirkungen dieser Temperaturen, die ja zu Stürmen und dergleichen führen. Wir bemühen uns bei allen Spielort- und Zeitplanungen, möglichst darauf Rücksicht zu nehmen. Was uns in dem Zusammenhang sehr freut, ist etwa die wertschätzende Zusammenarbeit mit den Minoriten. Wenn einmal ein Regenguss käme, dann ist unser dortiges Abendprogramm mit dem Wechsel in den Minoritensaal gesichert. Besonders beschäftigt uns aber die Überlegung, wie die Klimaveränderungen auch künstlerisch bearbeitet werden können. Etwa mit Projekten wie Signal vom Dachstein, das seit 2021 künstlerische und wissenschaftliche Perspektiven in Beziehung bringt und in der Region auch viele Impulse gesetzt hat. So haben wir vor zwei Jahren die Ausstellung im Eispalast in Zusammenarbeit mit dem Universalmuseum Joanneum neu gestaltet und thematisch erweitert. Derzeit arbeiten wir gemeinsam mit der Innsbrucker Architektin und Kuratorin Doris Hallama an einem Projekt für das Dachstein Museum Austriahütte, das sich künstlerisch mit dem „Er-Innern“ des Gletschers auseinandersetzt.

Foto: Nikola Milatovic
Euch ist wichtig, die Kunst zu den Menschen zu bringen und immer wieder neue Orte zu entdecken. Wo wird La Strada heuer erstmals zu erleben sein?
Wir bespielen dieses Jahr z.B. den Botanischen Garten der Uni Graz. Die Location ist mehr als ein Spielort. Alex Deutinger und Alexander Gottfarb gehen in ihrem feinfühligen Projekt eine subtile Symbiose mit dem Ort ein, da gibt es viel Neues zu erkunden. Neu entdeckt haben wir auch den Park in St. Peter beim Bauernmarkt – aber im Osten der Stadt gibt es ohnehin noch vieles zu entdecken.
Mehr als zwei Drittel des Programms sind nach wie vor kostenlos zu erleben. Wieso ist euch das so wichtig? Ihr könntet ja zumindest den Hut herumgehen lassen.
Wir empfinden es gar nicht als kostenlos. Unser Hut, der herumgereicht wird, ist ziemlich groß, weil die öffentlichen Mittel beschränkt sind und zunehmend beschränkt werden. Unseren Hut reichen wir herum unter Menschen wie Firmenchefs und -chefinnen, die das Bewusstsein haben, dass Kunst und Kultur etwas Wesentliches sind. Dass jemand, der künstlerisch qualitätsvolle Arbeit macht, dann auch noch bei einem Festival seinen Hut aufhalten soll, das ist für mich undenkbar. Wir leben allerdings in einer finanziell sehr angespannten Zeit: die öffentliche Hand muss Einsparungen vornehmen und mit der angekündigten Streichung der Kulturabgabe, die bis dato im Rahmen des ORF-Beitrags eingehoben wurde und die in das Kulturbudget des Landes Steiermark eingeflossen ist, droht die Situation drastisch zu werden. Budgetäre Herausforderungen begleiten uns aber schon seit Langem: Seit Jahren bemühen wir uns, die stagnierenden Fördermittel und die parallel dazu permanent steigenden Kosten durch Kooperationen, EU-Projekte und auch durch Sponsoring auszugleichen. Darüber hinaus gibt es ja seit vergangenem Jahr auch den La-Strada-Mitglieds-
club.

Foto: Samuel Buton
Wenn wir schon dabei sind: Warum zahlt es sich aus, Mitglied zu werden?
Unsere drei Stufen der Mitgliedschaft stehen für unterschiedliche Arten von Beziehungen: „Spezi“, „Gspusi“ und „Fix Zam“. Es ist eine bewusste Möglichkeit, unsere Arbeit zu unterstützen. Wenn man so will, ein Mäzenatentum. Nicht zufällig ergibt das kleinste Paket „Spezi“ genau die Summe, die man bisher in der Steiermark mit der Kulturabgabe bezahlt hat. Falls das Land nächstes Jahr diesen Betrag von 4,70 Euro pro Monat nicht mehr einkassiert, könnte man ihn als „Spezi“ uns zukommen lassen. Mehr zu den Vorteilen im La Strada-Club gibt es auf unserer Webseite. Den Hut aber, den lassen wir am Kopf.
Euer internationales Netzwerk ist ja seit mehr als 25 Jahren sehr aktiv in der Unterstützung von Künstlerinnen und Künstlern. Im Programmheft habe ich Arnold Schwarzenegger entdeckt, was hat er damit zu tun?
Mehr als ein Drittel der Produktionen, die wir bei La Strada zeigen, sind mit heimischen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern koproduziert. Durch den intensiven Austausch können wir diese in ihrer Entwicklung begleiten und unterstützen. Einen besonderen Stellenwert hat dabei unser internationales Netzwerk IN SITU, das wir 2003 gemeinsam mit Pierre Sauvageot gegründet haben. Aktuell ist im Netzwerk das heimische Kollektiv KRA mit ihrer Mission Arnold Schwarzenegger sehr erfolgreich unterwegs. Es ist eine von zehn internationalen Gruppen, die bei der Programmentwicklung, durch Residencies und bei Auftritten auf zahlreichen Festivals in unserem Netzwerk gefördert werden. Es geht bei der Mission um die „Rettung der Welt“. KRA erhebt Arnold Schwarzenegger zum Vorbild.

Foto: Christophe Raynaud de Lage
Und was sollte man sonst gesehen haben bei La Strada 2026?
Den Circus Ronaldo sollte man nicht versäumen und eine Produktion des zeitgenössischen Zirkus, die uns besonders am Herzen liegt, ist SCUSE von Frédérique Cournoyer Lessard im Theater Next Liberty. Frédérique hat bei den Großen gelernt und beschäftigt sich aus ihrer eigenen Biografie heraus mit non-binärer Identität. Ich glaube, wir haben mit dem Theater Next Liberty den richtigen Ort gewählt, mit der passenden Größe und einer gewissen Intimität und Sicherheit. Im öffentlichen Raum öffnet unter anderem die Produktion Wheels & cello der Compagnie Le Patin Libre eine neue Perspektive: Die Gruppe schafft eine einfühlsame Verbindung aus Rollschuhlauf im musikalischen Dialog mit einem Cellisten. Und dann gibt es Graz on the Move von Johannes Bellinkx & Benjamin Vandewalle, eines von mehreren Projekten, bei dem das Publikum aktiv teilhaben kann. Aber das ist nur eine kleine Auswahl aus dem umfangreichen Festivalprogramm.
La Strada 2026
31. Juli – 8. August 2026
Collectif XY & Rachid Ouramdane „Möbius“
Oper Graz: 31.7., 1.8. & 2.8., 19.30 Uhr
Empfohlen ab 8 Jahren
Circus Ronaldo „Da Capo“
Zirkuszelt in Graz Reininghaus: 1.8., 2.8., 3.8., 5.8., 6.8., 7.8., 8.8., 20 Uhr
Empfohlen ab 6 Jahren
Frédérique Cournoyer Lessard (CA) „SCUSE“
Theater Next Liberty
4.8. & 5.8., 19.30 Uhr
Empfohlen ab 12 Jahren
in englischer Sprache
Alex Deutinger & Alexander Gottfarb (AT/SE) „A MOMENT’S NOTICE“
Botanischer Garten: 6.8., 7.8., 8.8.
Timeslots: 17–18.30 Uhr (alle 30 Min.), 21–22.30 Uhr (alle 30 Min.)

Foto: Pierre Barbier
„Signal vom Dachstein. Eine Landschaftsoper.“
Audiovisuelle Installation
Atelier Jungwirth, Opernring 12
1.8. bis 8.8., 11–17 Uhr
Nana Francisca Schottländer (DK/AT)c„Let the mountain come to you“
Multimediale Installation
Atelier Jungwirth, Opernring 12
1.8. bis 8.8., 17.30 Uhr
Mit Anmeldung
Spezielle Projekte zum TEIL:HABEN
Informationen und Anmeldung: www.lastrada.at/teilhaben
Nick Steur (NL/AT) „Care to carry“
Grazer Innenstadt: 4.8. bis 8.8.
Johannes Bellinkx & Benjamin Vandewalle (NL/BE/AT) „Graz on the Move“
Grazer Innenstadt: 31.7. bis 4.8.
www.lastrada.at













