Start Featureshome Diese „Red Flags“ sollte man nicht übersehen

Diese „Red Flags“ sollte man nicht übersehen

Foto: Pinelopi Gerasimou

Wrestling am Karmeliterplatz, Tanz in der Kirche und Stimmen von Grazer Hausfassaden: Der steirische herbst ’26 führt an ungewöhnliche Orte und mitten hinein in die Konflikte unserer Gegenwart. Unsere Auswahl aus dem Festivalprogramm.

Eröffnung in Graz
Paradise Lost: Dieser Kampf ist kein Zeichen (2026)
Nach der Eröffnungsrede der Intendantin Ekaterina Degot präsentiert Julian Warner mit seiner Performance ein genreübergreifendes Spektakel aus Wrestling, Konzert und Storytelling. Eine spannende Inszenierung der Kulturkämpfe unserer Zeit, in der sich überraschende Allianzen bilden.
24.9., 17 Uhr
Karmeliterplatz
Frei zugänglich

Anschließend:
Angelic Conversations (2026)
Alex Baczyński-Jenkins erforscht in Angelic Conversations (2026) das politische und utopische Potenzial, das der Figur des Engels innewohnt, und erschafft mit Tanz, Licht und Klang eine beeindruckende Choreografie.
24.9. und 25.9., 20.30 Uhr
Helmut List Halle
20/16 Euro

Performances
Liluli: Allegories of the Western Soul (2026), Lennart Boyd Schürmann
Angesichts einer erneuten Normalisierung von Kriegen bearbeitet Lennart Boyd Schürmann Romain Rollands weitgehend vergessenen Text Liluli als Resonanzraum gegenwärtiger ideologischer Konstellationen.
26.9., 21.30 Uhr; 27.9., 18 Uhr
Dom im Berg, 20/16 Euro

Austria Demenzia (2026), Franz von Strolchen
In Franz von Strolchens düsterer und zugleich humorvoller Zukunftsvision ist die Erinnerung an den Holocaust zur Privatsache geworden, aufrechterhalten von Freiwilligen und Aktivist:innen. Austria Demenzia ist eine fiktive Gedenkfeier zwischen Performance, starken Bildern und Musikaufführung.
25.9., 20.30 Uhr; 26.9., 20 Uhr; 3.10., 19.30 Uhr; 4.10., 18 Uhr
Orpheum, 20/16 Euro

Rhododendron (2026), Stina Fors
Stina Fors präsentiert ein eindringliches Solo für ein verstecktes Kleinod des Grazer Barock: die Welsche Kirche. Die Künstlerin beschäftigt sich mit der ästhetischen Kraft, die in den Skulpturen und Bildern der Kirche liegt.
3.10., 4.10., 17.10. und 18.10., 18 Uhr
Welsche Kirche, 20/16 Euro

StinaFors
Foto: Neven Allgeier

Record: Graz (2026), Francesca Grilli
Francesca Grillis Beschäftigung mit Hikikomori – jungen Menschen in Japan, die sich in die eigenen vier Wände zurückziehen – bilden die Grundlage für die Kompositionen, die junge Grazer:innen in dieser Performance singen, während sie auf Fensterbänken und Brüstungen balancieren.
4.10., 16 Uhr
Studierendenheim WIST Wienerstraße

Four Walls and a Roof (2024), Lina Majdalanie & Rabih Mroué
Diese Inszenierung von Lina Majdalanie und Rabih Mroué beleuchtet Bertolt Brechts Schicksal vor dem Hintergrund ihrer eigenen Emigration, des weltweiten Aufstiegs der Rechten und der zunehmenden Einschränkung der Meinungsfreiheit.
17.10., 20 Uhr
Helmut List Halle, 20/16 Euro

Ausstellungen
Ausstellung am Griesplatz 34
Der Bezirk Gries hat sich in jüngster Zeit zu einem politischen Schlachtfeld entwickelt. Rechte meinen hier einen „Bevölkerungsaustausch“ vorzufinden und nutzen das Straßenbild, um Ängste vor „Unterwanderung“ zu schüren. Inmitten dieser angefeindeten Gemeinschaft entfaltet sich die Ausstellung als Mikrokosmos des häuslichen Lebens in einer politischen Gefahrenzone. Im Inneren der ehemaligen Gaststätte erschaffen die Künstler:innen von Red Flags mit zahlreichen neuen Auftragswerken ein Labyrinth aus fragmentarischen Erzählungen, bevölkert von Tradwives, Sektenmitgliedern, Camgirls und Vampiren. In einer Zeit, in der der öffentliche Raum instrumentalisiert wird, zieht sich die Ausstellung ins Private zurück – nur um zu offenbaren, dass es keinen sicheren Zufluchtsort gibt.
26.9.–15.11., Di–So 11–19 Uhr (Bis 18.10. Fr und Sa bis 22 Uhr)
Griesplatz 34, 8020 Graz
Eintritt frei
Bis 18.10. Sa und So auch mit Zeitfenster, online und vor Ort buchbar, um Wartezeiten zu reduzieren. Für gewisse Räume gelten Altersbeschränkungen.

Griesplatz 34
Foto: Dietmar Reinbacher

Ausstellungseröffnung
Slamming Unplugged (2024), Xenia Koghilaki
Zur Ausstellungseröffnung ­aktiviert Xenia Koghilaki den Außenraum des ehemaligen Schnitzellokals. Als schweißtreibendes Ritual sucht ihre Tanzperformance nach dem Vergnügen in der Rebellion. Die Tänzerin und Choreografin zeigt die Konfrontation, die Energien, aber auch die Kooperation, die in der Subkultur des Moshens stecken – einem Hardcore-Tanzstil, bei dem Körper gegeneinander schieben und aufeinanderprallen.
25.9., 17 Uhr
Griesplatz 34 (Außenbereich), 8020 Graz
Frei zugänglich

Anschließend: Graz Grammar Picó Collective – Picoteros-Set