Das Greith-Haus widmet Gerald Brettschuh zu seinem 85. Geburtstag eine umfassende Ausstellung. Sie zeigt neue Arbeiten ebenso wie bedeutende Werkgruppen und würdigt einen Künstler, der die steirische Kunstlandschaft über Jahrzehnte geprägt hat.
Wer in diesem Sommer das Greith-Haus betritt, merkt rasch, dass hier keine gewöhnliche Retrospektive zu sehen ist. Die aktuelle Ausstellung nutzt die markante Architektur des Hauses ebenso selbstverständlich wie das natürliche Licht, das durch die großen Glasflächen in die Räume fällt. Großformatige Gemälde wechseln sich mit kleineren Arbeiten ab, Landschaften treffen auf Akte, neue Stillleben auf vertraute Bildwelten. Mal füllen die Werke den Raum, mal erhalten sie bewusst Platz zum Atmen. So entfaltet jede Werkgruppe ihre eigene Wirkung und führt den Besucher Schritt für Schritt durch Gerald Brettschuhs Schaffen.
Unter dem Titel Pastoralen versammelt die Ausstellung markante Werke aus unterschiedlichen Schaffensphasen. Zu sehen ist unter anderem das ikonische Landschaftsgemälde Ein Fest in der Scheune aus dem Jahr 2005 oder neu entstandene Stillleben aus dem Jahr 2026. Besonders kraftvoll sind jene Arbeiten, die Brettschuh seinem langjährigen Freund, dem Schriftsteller Bodo Hell, gewidmet hat, der 2024 am Dachstein verschollen ist. Ein eigener Raum ist dem Film Triptychon und Coda von Michael Pilz gewidmet. Der Filmemacher begleitet darin den Maler beim Arbeiten und Leben, in dessen Haus und in den Landschaften der Südsteiermark. Die Ausstellung blickt damit nicht nur auf ein künstlerisches Lebenswerk zurück, sondern erzählt auch von Freundschaft, Erinnerung und Vergänglichkeit.

Foto: Ulrike Rauch
Verwurzelt in der Südsteiermark
Gerald Brettschuh gehört seit Jahrzehnten zu den eigenständigsten Künstlerpersönlichkeiten Österreichs. Geboren 1941, lebt und arbeitet er seit 1976 wieder in seinem Geburtsort Arnfels. Ursprünglich wollte er Bauer werden, entschied sich schließlich jedoch für die Kunst. Nach seiner Ausbildung an der Grazer Ortweinschule und an der Universität für angewandte Kunst in Wien arbeitete er zunächst als Gebrauchsgrafiker, ehe er sich Mitte der 1970er-Jahre ganz der freien Malerei widmete.
Trends oder Moden haben ihn dabei nie interessiert. „Ich gehe mit dem Begriff Kunst sehr vorsichtig um. Alles, was ich tue, mache ich aus reiner Freude, es gibt mir Kraft“, so Brettschuh im Gespräch. Lieber beschreibt er sich selbst als „Zeichner, Maler, Aufschreiber, Bildhauer und letzten Endes auch Bauer“. Diese Bodenständigkeit spiegelt sich auch in seinem Werk wider. Statt flüchtigen Strömungen zu folgen, entwickelte er über Jahrzehnte konsequent seine eigene Bildsprache weiter – eine Haltung, die seiner Kunst bis heute ihre besondere Authentizität verleiht.

Foto: Ulrike Rauch
Seine Werke erzählen von der Südsteiermark, von Weinbergen, Wiesen und dörflichem Leben, gleichzeitig bevölkern Menschen, Tiere und geheimnisvolle Fabelwesen seine Bilder. Humor und Melancholie, Mythos und Wirklichkeit liegen dabei oft nur wenige Pinselstriche auseinander. Brettschuh malt keine idyllische Heimat, sondern erschafft eine eigene Welt – voller Geschichten, Erinnerungen und überraschender Entdeckungen. Viele seiner Bilder beginnen mit einer alltäglichen Beobachtung und entwickeln sich zu kleinen Erzählungen, die den Betrachter zum genauen Hinsehen einladen. Diese Eigenständigkeit hat ihn bekannt gemacht. Seine Werke sind in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, darüber hinaus hat er als Illustrator die Bücher vieler steirischer Autorinnen und Autoren geprägt.
Ein Fabulierer mit Pinsel
Für Kurator Günther Holler-Schuster liegt die Besonderheit Gerald Brettschuhs vor allem darin, dass er über Jahrzehnte aus seiner unmittelbaren Umgebung einen unverwechselbaren künstlerischen Kosmos geschaffen hat. Gerade die neuen Stillleben zeigen, wie selbst scheinbar unscheinbare Gegenstände zu Trägern von Erinnerungen und Geschichten werden. Holler-Schuster bezeichnet Brettschuh deshalb als einen „immanenten Fabulierer“, der Alltagsgegenstände zu poetischen Erzählungen verdichtet. Seine Bilder handeln nie nur von den Dingen selbst, sondern immer auch von der Zeit, den Menschen und den Erinnerungen, die in ihnen verborgen sind. Darin liege die besondere Kraft seines Werks: Es ist tief in der Südsteiermark verwurzelt und besitzt dennoch eine universelle Gültigkeit.

Dass dem Künstler ausgerechnet im Greith-Haus, unweit seines langjährigen Lebensmittelpunkts, nun eine umfassende Werkschau gewidmet wird, erscheint deshalb nur folgerichtig. Tatsächlich ist es die erste Ausstellung dieser Größenordnung in seiner unmittelbaren Heimatregion – und damit längst überfällig. Sie würdigt nicht nur einen Maler, sondern einen Künstler, der der Südsteiermark über Jahrzehnte eine unverwechselbare bildnerische Sprache verliehen hat. „So wie die Bauern hier in der Südsteiermark die Landschaft nutzen, um ihre Produkte zu ernten, nutze ich die Landschaft als Maler, um Bilder daraus zu machen“, formulierte er es einmal selbst. Treffender lässt sich seine tiefe Verbundenheit mit der Region kaum beschreiben. Das große Heimspiel im Greith-Haus ist deshalb weit mehr als eine Geburtstagsausstellung. Die Schau macht deutlich, wie konsequent Gerald Brettschuh über Jahrzehnte an einer Bildsprache gearbeitet hat, die innerhalb der steirischen Malerei eine Sonderstellung einnimmt.
Pastoralen – Gerald Brettschuh
Zu sehen bis 24. August, Do-So 10-18 Uhr
Greith-Haus
Kopreinigg 90, 8544 St. Ulrich in Greith













