
Mit dem Projekt „Ökologisches Ausprobieren“ in Graz steckt die Steirische Kulturinitiative ihre Fühler ins Experiment, während in Schladming temporäre Kunst im Zeichen des Gedenkens im Mittelpunkt steht.
Was wäre, wenn wir uns noch mehr anstrengen und darauf Rücksicht nehmen würden, dieses und dieses und dieses Material, welches auf unserem Planeten bald nicht mehr auffindbar sein wird, mit nachhaltigem zu ersetzen? Nur eine von vielen Fragen, mit denen sich das jüngste Projekt Ökologisches Ausprobieren – entwickelt von Nicole Pruckermayr – beschäftigt. „Die Richtung ist klar: Nachhaltige Ressourcen – auch in der Kunstproduktion“, so die Geschäftsführerin der Steirischen Kulturinitiative über das Projekt, das in Kooperation mit dem Shape Lab des Instituts für Architektur und Medien (IAM) an der TU Graz, mit der AHS Reininghaus und dem Verein Stadtteil Graz Reininghaus umgesetzt wird.

Foto: Zachariadis
Hierfür wurden und werden in verschiedenen Versuchsanordnungen experimentelle Formensprachen durch neue und alte ökologische Materialien entwickelt. Eine der Protagonistinnen, die Professorin am IAM Milena Stavrić, arbeitet seit rund 20 Jahren intensiv daran, Architekturproduktion auf verschiedensten Ebenen nachhaltiger werden zu lassen. Mit ihrem Team hat sie sowohl parametrische Holzarchitekturen als auch die Basismaterialien Alginate oder Ton-Myzel-Mischungen in zeitgemäße Formensprachen gebracht. „Und nun ist gemeinsam gearbeitet worden“, so Pruckermayr: „Mit den Künstlerinnen und Künstlern Jan Contala, Dominik Einfalt, Ina Loitzl, Beate Gatschelhofer und Barbara Schmid sowie mit den Jugendlichen der AHS Reininghaus, mit denen sich die Steirische Kulturinitiative unter der tatkräftigen Unterstützung des Instituts IAM den Themen 3D-Prints, Ton und Alginaten genähert hat.“

Ohne Experiment keine Weiterentwicklung
Den Abschluss des Projekts bildet eine neue Ausstellung, in der sich die Ergebnisse eines mehrtägigen Workshops der beteiligten Künstlerinnen und Künstler wiederfinden. Die Keramikkünstlerin Barbara Schmid experimentiert hierfür mit Gelatine und Erde, Beate Gatschelhofer mit Ton und Papier, Ina Loitzl mit Ton und Textil. Dominik Einfalt erweitert Tonskulpturen mit Myzelien und Jan Contala reizt die Maschinen am Institut IAM mit seinen Architekturen aus. Auch die Ergebnisse von Jugendlichen der 3. Klasse der AHS Reininghaus, entwickelt im Rahmen eines von der Initiative „culture connected“ des OeAD geförderten Workshops, werden ausgestellt. Darüber hinaus ist jeder eingeladen, selbst mit dem eigenen Tun Teil der Ausstellung zu werden und bei Workshops mitzumachen. Auch im Rahmen des Stadtteilfests in Reininghaus am 3. Juli ist es möglich, innerhalb der Ausstellung (geöffnet von 13–22 Uhr) im EG des Mirror der ÖSW Wohnbauträger GmbH in Reininghaus tatkräftig mitzuarbeiten.

Foto: Julian Jauk
Die, die da sind in Schladming
Aktuell widmet sich die Steirische Kulturinitiative auch dem Erinnern. Seit Anfang des Jahres entstehen temporäre Kunstprojekte zu in der Steiermark verlegten Stolpersteinen: In Schladming von Christina Lederhaas und in Leoben von Reni Hofmüller. Stolpersteine erinnern im öffentlichen Raum an Menschen, die einmal friedlich hier gelebt haben. Diese Gedenksteine erinnern an Personen, die in diesen Städten von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Das HIMMEL ÜBER DEM KOPF betitelte Projekt von Christina Lederhaas in Schladming beschäftigt sich mit dem evangelischen Pfarrer Jakob Ernst Koch (1897–1966), mit seinem Wirken und der Bedeutung von Zivilcourage in der heutigen Zeit. Am Sonntag, 26. Juli (9.30–10.30 Uhr, 14.30–15.30 sowie 17.30–18.30 Uhr) finden Performances von Lederhaas in Kooperation mit Theaterland Steiermark, dem Verein für Gedenkkultur, dem Verein Gegen das Vergessen und der Stadt Schladming statt. Im anschließenden Rundgang führen Julia Royer, Joel Aebersold und Kala-Lena Schütter zu den Stolpersteinen in Schladming. Sie sind Teil des Gedenkprojekts, welches 2015 von Monika Faes ins Leben gerufen wurde. Es widmet sich der Aufarbeitung von Opfern des Nationalsozialismus in Ramsau und Schladming und führte zur Verlegung mehrerer Stolpersteine. Unter anderem für Pfarrer Jakob Ernst Koch und Prinzessin Maria Karoline von Sachsen-Coburg und Gotha sowie zu weiteren Gedenkinitiativen in Zusammenarbeit mit Nachfahren der Opfer.

Foto: Pruckermayr
Ausstellung „Ökologisches Ausprobieren“
Mit Jan Contala, Dominik Einfalt, Ina Loitzl, Beate Gatschelhofer, Barbara Schmid, Kuratorin: Nicole Pruckermayr
Zu sehen bis 10. Juli 2026, Mi–Fr 16–20 Uhr, Sa 11–15 Uhr
Spezielle Termine:
Fr, 3. Juli, 13–22 Uhr: Wir sind beim Stadtteilfest
15–17 Uhr: Workshop für Groß und Klein (ab 5 Jahren) mit der Kunstvermittlerin Elisabeth Gallaun-Enzinger
19–21 Uhr: Alginat-Workshop mit Milena Stavrić, Institut für Architektur und Medien/TU Graz
Eine Ausstellung der Steirischen Kulturinitiative in Kooperation mit dem Shape Lab (Institut für Architektur und Medien/TU Graz), mit der AHS Reininghaus und in Kooperation mit dem Verein Stadtteil Graz Reininghaus. Dank an ÖSW Wohnbauträger GmbH
Mirror im EG
Reininghauspark 2a (neben Sparkasse), 8020 Graz
Christina Lederhaas – HIMMEL ÜBER DEM KOPF
So, 26. Juli
Performances: 9.30–10.30 Uhr, 14.30–15.30 sowie 17.30–18.30 Uhr
Rundgang zu den Stolpersteinen: 10.30–12 Uhr
Steirische Kulturinitiative in Kooperation mit Theaterland Steiermark und Verein für Gedenkkultur, dem Verein Gegen das Vergessen und der Stadt Schladming. Keine Anmeldung notwendig.
Hauptplatz, 8970 Schladming












