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Kunst von oben. Bis nach unten.

Der Dachboden des Minoritenklosters mit Bildern von Guillaume Bruère Foto: David Immanuel

„Gott hat kein Museum“ im KULTUM – Kulturzentrum bei den Minoriten – geht in seiner ersten Aufstellung ins Finale. Besonders spektakulär war der Dachboden. Ab 12. September folgt die zweite.

Von den insgesamt 20 Themenführungen, die im vergangenen Ausstellungsjahr immer wieder unterschiedliche „Aspekte von Religion in Kunst der Gegenwart“ beleuchtet haben, stehen zwei noch aus: „Fundamentalismus“ am 27. Juni (mit Hannes Priesch und Werner Reiterer) und als Abschlussführung am 11. Juli „Heritage/Erbe“ (mit Zenita Komad). Die in zehn Abteilungen gegliederte Schau von Gott hat kein Museum hat mit Kunstwerken, die großteils in den letzten 25 Jahren schon einmal Ausstellungsgeschichte im KULTUM schrieben, sehr viele angezogen: Schulklassen, Junge und Alte, ideologisch Unbekümmerte und „Rechtgläubige“. In den letzten Wochen wurde auch ein Workshop für Kinder (Hallo, hier ist Gott, konzipiert von Veronika Reiter), eingerichtet. Die gute Nachricht: Die anfänglichen Blasphemie-Vorwürfe einer kleinen Gruppe haben sich verduftet – sie sind nur in der Ausstellung im Künstlerhaus in Wien explosiv hochgegangen. Vermittlungsangebote, auch Themenführungen, gehen auch im Herbst weiter. Planungswillige sind willkommen!

Körperabgüsse der Künstlerin: Reliquien von Claudia Schink
Foto: David Immanuel

Reiz des Dachbodens: Abgestelltes und Sakrales

Am 11. Juli geht das KULTUM für den nächsten Umbau in die Sommerpause. „Umbau“, das heißt Ausstellungsumbau, aber auch einen weiteren Schritt: den legendären Dachboden mit Kunst zu bespielen. Das meiste an ihm bleibt roh, nur ein sägerauer Weißtannenboden wird um ein Stück weiter verlegt. In diesem Teil erhält die Ausstellungsfläche fast einen sakralen Charakter – so, als ob sich „Gott“ in den Dachboden zurückgezogen hätte, nachdem er (mit Werner Reiterers Altarentwurf) im Turmzimmer einen Stock tiefer auf seinem Arbeitsplatz einen Zettel, einen Heiligenschein und ein Nokia-Handy liegen ließ: „I’ll be back for 5 minutes.“ Hier aber ist es vielmehr ein idealer Ort, die Kreuzigungs- und Geburtsbilder des französischen Künstlers Guillaume Bruère zu präsentieren. Doch das großteils Rohe am Dachboden ist ein idealer Ort, auch das Unbequeme zu thematisieren. Das, was üblicherweise in Dachböden abgestellt wird. Ein großes, liegendes, lateinisches Kreuz dreht sich, wenn man diesen betritt – eine offensichtliche Kühlung: Wer Wind sät … (Hos 5,7); eine weitere Arbeit Reiterers eröffnet die Abteilung „Fundamentalismus“. Das so aktuelle Thema – für das die aktuelle amerikanische Präsidentschaft so sehr steht, das einem ebenso schwindlig wird, wie es das sich drehende Kreuz suggeriert – wird im steirischen herbst 26 mit Arbeiten des mittlerweile 96-jährigen bekannten Grazer Architekten Eilfried Huth weitergespielt. Mit einer Serie zum Alten Testament, die 2007 entstanden ist.

Lichtinstallation von Ruth Schnell: CUIUS REGIO – Wes des Land
Foto: David Immanuel

Auf-Klären der Geschichte

Religion ist nicht nur unschuldig, wie es auch Kunst nicht ist. Doch Letztere hat neben ihrem unverzichtbaren Eigenwert auch die Funktion „aufzuklären“. Am ästhetisch sinnfälligsten geschieht das in einer eigentlich ganz kleinen Arbeit der Medienkünstlerin Ruth Schnell: Lichtpunkte auf einem Stab werden im Gebälk so zeitverzögert ausgesandt, dass sie Buchstaben, Wörter ergeben. Sie klären die Besuchenden in 100 unterschiedlichen Worten Geschichte auf – und wie sehr dieser Ort in seiner Entstehungszeit nach 1610 konstitutiver Teil eines religionspolitischen Programms war. „Minoritenneubau“, „Hans Ulrich von Eggenberg“, „Ferdinand II.“, „Gegenreformation“ sind nur vier davon. Und es liegen kostbare Reliquien (aus Glas) in der Nähe – eine Arbeit der Kölner Künstlerin Claudia Schink. Sie rufen eine ganze Epoche auf (das Mittelalter), eine Bekenntnis-, Körper- und Sexualitätsgeschichte einer Religion (mit Jungfrauen und Märtyrern), die ebenfalls nicht nur engelsgleich ist. So komplex wurde hier von Johannes Rauchenberger ein Museum eingerichtet. Andere Abteilungen nennen sich „Letzte Dinge“, „Wunder“, „sacred spaces“, „Wissen & Glauben“, „Körper & Seele“. Sie werden in den nächsten Monaten in einem Lang-Dokumentarfilm von David Rauchenberger eingefangen, der die Geschichte, den Ort, Künstlerinnen und Künstler inszeniert. Im Herbst wird er präsentiert, anschließend folgt ein Buch mit allen Bildern der Sammlung. Erste Stills sind hier erstmals zu sehen.             

Einer der Portraitierten: Guillaume Bruère

Gott hat kein Museum. Aspekte von Religion in Kunst der Gegenwart
Zu sehen bis 11. Juli 2026
Di–Sa 11–17 Uhr, So 14–17 Uhr

Neuaufstellung ab 12. September 2026 (mit „TOHUWABOHU“ von Eilfried Huth und Interventionen von Elisabeth Gschiel)
Kurator: Johannes Rauchenberger

www.kultum.at/gott-hat-kein-museum