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Der Fisch hieß plötzlich Hugo!

Manuel Rubey Foto: Lena Prehal

Manuel Rubey wäre gerade mit seinem Solo-Kabarett „Goldfisch“ unterwegs. Wäre da nicht ein erneuter Lockdown dazwischengekommen. Wir sprachen mit dem schauspielerischen Multitalent über sein Programm, Selbsttherapie und die Angst vor dem 40er.

Text: Stefan Zavernik

Mitte Jänner präsentierten Sie „Goldfisch“ als Livestreamproduktion im leeren Radiokulturhaus. Mit welchen Gedanken tritt man eigentlich an einen Solo-Kabarett-Abend heran, bei dem kein einziger Lacher aus dem Publikum kommen kann?

Ich habe versucht, mich noch besser vorzubereiten als sonst. Normalerweise lebt ein Abend ja vom „Zwiegespräch“ mit dem Publikum. Diesmal musste ich damit klarkommen, dass ich die Geschichte nur mir selbst erzähle. Und das wohl zum 1.000 Mal. Ich habe versucht, mich selbst hin und wieder zu überraschen und darauf zu hören, ob es etwas gibt, das an diesem speziellen Abend neu in den Text drängt. Der Fisch hieß plötzlich Hugo. Bis dahin hatte er keinen Namen gehabt.

Wie stehen Sie zum Umgang der Politik mit dem Kunst- und Kulturbetrieb in der Corona-Krise?

Die Situation wurde deutlich besser, seit Andrea Mayer Staatssekretärin ist.

Wie erleben Sie die Zeit der Pandemie persönlich?

Ich versuche, nicht in Selbstmitleid zu verfallen und mich auf die Dinge zu konzentrieren, die möglich sind. Viel Zeit mit der Familie verbringen, viel spazieren gehen, viel schreiben. Aber ich vermisse es sehr, meinen Beruf wie gewohnt ausüben zu können.

Bei „Goldfisch“ handelt es sich um Ihr erstes Solo-Kabarett. Wie fühlt es sich an, nun endlich alleine auf der Kabarett-Bühne zu stehen – angeblich wollten Sie ja schon zu ihrem 30er so weit sein?

Es fühlt sich gut an. Also es hat sich gut angefühlt, als dies noch möglich war.

Foto: Wolf Silveri

Sie bezeichneten das Solo-Kabarett in einem Interview als „Königsdisziplin“, als große Herausforderung mit seiner Darbietung den gesamten Abend lang dicht zu bleiben. Was braucht es Ihrer Meinung nach, um in dieser Disziplin bestehen zu können – vom Publikum einmal abgesehen?

Der Text muss noch dichter sein als bei einem Duoprogramm, weil das Improvisieren zwar nicht ganz wegfällt, die Möglichkeiten dazu alleine aber geringer sind. Und ich kann mir keine Durchhänger und Pausen gönnen, die ich sonst sehr gerne (im Duo oder bei Konzerten) mache.

Bevor es auf die Bühne geht, muss das Stück erst einmal geschrieben werden. Wie war die Arbeit am ersten Solo-Programm?

Schreiben ist ein sehr langer, einsamer Prozess. Ich durchlebe in so einer Zeitspanne die gesamte Palette menschlicher Gefühlsregungen.

Wie kam es zur Idee mit dem Goldfisch?

Der Fisch war plötzlich da. Ich hatte schon zwei Drittel des Stückes geschrieben und die Figur, die ich da spiele und die so heißt wie ich, war schon von allem verlassen worden, da wurde mir plötzlich diktiert: nein, die Kinder lassen dir zumindest diesen Fisch da.

Auch Falco hat den Goldfisch künstlerisch aufgegriffen und ihn in seinem Hit „Ganz Wien“ im U4 geigen lassen. Sie selbst hatten mit der Rolle des Falco ihren großen Durchbruch auf der Leinwand. Wie sehr beschäftigt Sie diese Rolle heute noch?

Anscheinend unbewusst. Wie oben beschrieben, kam der Fisch erst ganz spät, was wiederum zu dem Gag führte: Ich glaube, dass Falco ohne mich nicht diese Karriere gemacht hätte.

Ihr „Goldfisch“ handelt von einem Bobo-Vater in der Krise, der mit Ihnen selbst einige Gemeinsamkeiten hat. Wie Sie ist er Schauspieler, Vater zweier Töchter und gerade 40 geworden. Geht es hier auch um ein wenig Selbsttherapie?

In unserem Beruf, und das ist ein großes Privileg, dürfen wir uns auch immer ein bisschen mittherapieren. Ja!

Für unsere jüngeren Leser: Was kommt auf einen zu, wenn man 40 wird?

Ich hatte vor dem 40er erstmals wirklich Angst. 40 ist aus der Perspektive meiner Töchter ziemlich alt und auf jeden Fall erwachsen. Das fühlt sich aber nicht so an. Es geht mir mit 40 aber besser als mit 30. Die Gelassenheit und die Selbstironie haben zugenommen.

Foto: Wolf Silveri

Ein omnipräsentes Thema in „Goldfisch“ ist eine moderne Volkskrankheit, die Prokrastination. Betrachtet man Ihre ganzen Projekte der letzten Jahre, ist es kaum zu glauben, dass Sie selbst daran leiden sollen. Wobei „leiden“ vermutlich nicht ganz treffend ist, in „Goldfisch“ wirkt es beinahe so, als wäre diese Antriebslosigkeit zu gleich auch ein Stück wertvolle Lebensqualität. Wie gut tut es, sich der Prokrastination hinzugeben? Und was braucht es, um wirklich gut darin zu werden?

Es ist ein schmaler Grat. So lange es sich wie Müßiggang anfühlt und man vielleicht sogar selbstvergessen nichts tut, kann es schön sein. Wenn es zu einem qualvollen Aufschieben aller Dinge, die eigentlich anstehen führt, ist es furchtbar.

Sie machen Filme, spielen Theater, Kabarett oder in Rockbands und schreiben Bücher. Gibt es als Künstler weitere Ausdrucksmöglichkeiten, die Sie reizen?

Ich liebe Podcasts. Aber ich werde keinen starten. Es ist schon genug. Aber ich komme gerne, wenn ich in einen solchen eingeladen werde. Wenn man nämlich gute Fragen gestellt bekommt, so wie z. B. in diesem Interview, lernt man am meisten über sich.

Exklusive Lesung mit Manuel Rubey im Literaturhotel Die Wasnerin

10.4.2021

Manuel Rubey – Goldfisch

12.5.2021, 19 Uhr, Orpheum Graz

Tickets bei oeticket