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Rom: Erste Reihe fußfrei

Über der Spanischen Treppe thront das Hassler. Foto: Tommy Picone

Roms legendärstes Hotel, das Hassler, gleicht einem elitären Logenplatz. Das süße Leben sitzt darin stets neben einem. Seit 125 Jahren.

Text: Stefan Zavernik

Rom mit dem Auto zu durchkreuzen ist ein Erlebnis, speziell wenn man im historischen Zentrum unterwegs ist. Ständig bleibt es dabei eine Herausforderung, nicht einfach gedankenverloren auf die Bremse zu steigen und mit offenem Mund aus dem Fenster zu starren. Das mächtige Kolosseum, das Forum Romanum oder die Piazza Venezia – unzählige Sehenswürdigkeiten tauchen vor der Windschutzscheibe ohne Vorwarnung auf und reißen die Aufmerksamkeit des Lenkers an sich. Hinzu kommt der südländische Fahrstil in der italienischen Hauptstadt, der ebenfalls schwer zu ignorieren bleibt, möchte man seinen Wagen unbeschadet ans Ziel bringen. Doch bei allen spektakulären Blickwinkeln, die einem Autofahrer auf dem Weg ins Innerste der Stadt als Geschenk zuteilwerden, sind die letzten Meter am Weg zum Hassler doch eine ganze eigene Geschichte. Die Anfahrt über die Via Sistina hinauf auf die Piazza Trinità dei Monti hat etwas von einer Inszenierung. Während der Wagen langsam die Pflasterstraße den Hügel hinauf erklimmt, schiebt sich langsam der monumentale Obelisco Sallustiano ins Blickfeld, der 14 Meter hohe Obelisk vor der Kirche Santa Trinità dei Monti. Am oberen Ende der Spanischen Treppe wirkt es, als würde Rom einem zu Füßen liegen – in Wahrheit ist man selbst der Aura der ewigen Stadt erlegen. Die Ikone der römischen Luxushotellerie fügt sich in dieses Szenario so pompös ein, wie man es von der ersten Adresse der ewigen Stadt erwarten kann. Erscheint die Außenfassade des Hotels nahezu unscheinbar, fast zurückhaltend, belohnt sein Innenleben ansatzlos mit dem Zeug zur Hollywoodkulisse.

Die ewige Stadt liegt einem zu Füßen.
Foto: Tonino Mosconi

Die Innenarchitektur des Grandhotels ist weitgehend wie ein antiker, italienischer Palast angelegt, in dem Marmor, Samt, luxuriöse Spiegel und opulente Kristallluster den Ton angeben. Auch die Kunst hat ihren Platz. Einen ersten Vorgeschmack bekommen Gäste gleich beim Betreten der Lobby, sobald ihr Blick auf die Originalkopie der Bronzeskulptur der Kapitolinischen Wölfin mit den Brüdern Romulus und Remus fällt. Ein Kunstwerk mit Symbolcharakter. Wie eine Wölfin kämpft auch das Servicepersonal des Hassler für das Wohl seiner Gäste. Gerade einmal über 85 Zimmer und 14 Suiten verfügt das Haus, dennoch leistet man sich einen Personalaufwand von gut 170 Mitarbeitern, um die gewünschte Servicequalität von Direktor und Eigentümer Roberto Wirth umsetzen zu können. Wirth führt das Hassler bereits in der 5. Generation, Kompromisse geht er niemals ein. Egal wie individuell der Wunsch eines Kunden erscheinen mag, ein „Nicht möglich“ bleibt bis auf wenige Ausnahmen ausgeschlossen. Dieses Service hat sich auf der Welt herumgesprochen und so erzählt das Gästebuch des Hauses Bände. In den über 125 Jahren seit seiner Eröffnung im Jahre 1893 hat dort letzten Endes jeder genächtigt, der auf dieser Welt Rang und Namen hat. Künstlerikonen wie Pablo Picasso, Charlie Chaplin, Frank Sinatra oder Marlene Dietrich. Könige und Staatsoberhäupter wie Prinz Rainier mit Grace Kelly, deren Flitterwochen sie auch ins Hassler verschlug. Der Kennedy-Clan, US-Präsidenten wie Dwight Eisenhower oder Ro­nald Reagan, Prinzessin Diana oder Prince Charles. Und selbstverständlich das halbe Hollywood der heutigen Zeit und eine Vielzahl an Stars aus dem internationalen Showgeschäft. Unter den Superstars besonders begehrt, die Penthouse-Suite mit 160 m² großer Terrasse, auf der bis zu 70 Personen ungestört einem eleganten Dinner oder einer ausgelassenen Party nachgehen können.

www.hotelhasslerroma.com Foto: Tommy Picone

Im Reich der Stille

Schon am frühen Vormittag befindet sich die Piazza di Spagna im Hochbetrieb, die Spanische Treppe erliegt dem Belagerungszustand. Die 138 Stufen aus Kalk und Marmor zählen zu den ganz großen Highlights unter den Top-Sehenswürdigkeiten von Rom. Liebespärchen, Selfie-Profis und Sightseeing-Junkies nutzen auch noch die letzte freie Stufe, um auf ihre Kosten zu kommen. Im schattigen Innenhof des Hassler bekommt man vom nur wenige Meter entfernten Touristenspektakel nichts mit, die Zeit scheint still zu stehen. Am Teller der tiefenentspannten Hotelgäste finden sich Delikatessen wie gegrillter Salat, frisch gebratene Salsicce und perfekt pochierte Eier zu einem delikaten Ensemble vereint. Das einzige, was eventuell zu hören wäre, ist die klassische Musik aus dem purpurnen Salon, in dem das ausladende Frühstücksbuffet täglich im Stile eines barocken Stilllebens angerichtet wird. Den Gästen einen Ort der Ruhe im hektischen Rom zu garantieren, ist Roberto Wirth ein zentrales Anliegen.

Das Penthouse des Hassler.
Foto: Oliwer 63

Ebenso herausstechend ist die Leistung des Personals, das jedem Gast das Gefühl gibt, die letzten 125 Jahre seit dem Bestehen des Hotels nur auf ihn gewartet zu haben. Dementsprechend schwer fällt es, diese Oase der Ruhe und Zuvorkommenheit am späten Vormittag letzten Endes doch noch zu verlassen. Rom liegt immerhin vor der Haustür und möchte ausgekostet werden. Speziell wenn es um kulinarische Abenteuer geht, sind die Dienste des Concierges dabei gar nicht wertvoll genug einzuschätzen. Zum Beispiel auf der Suche nach einem Tisch, um die perfekten Spaghetti Carbonara auf den Teller zu kriegen. Serviert werden diese in einem Feinkostgeschäft namens Roscioli, das zugleich auch als Bäckerei die Institution Roms sein soll. Deren Carbonara werden oftmals als die vollkommensten in ganz Italien angeführt. Dort unterzukommen, kann ohne Kontakte oder monatelanger Vorausplanung für Kurz­entschlossene zu einer Unmöglichkeit ausufern. Ebenso bei Top-Restaurants wie dem „Il Pagliaccio“ von Zwei-Sterne-Koch-Genie Anthony Genovese. Oder dem „Pierluigi“, das wegen seiner perfekten Fischküche und seinem genialen Gastgarten zum mondänen High-Society-Treff in der Nähe des Campo de Fiori geworden ist.

Eigentümer und Direktor Roberto E. Wirth
Foto: Studio Orizzonte

Rom vor der Haustür

Das extrem bemühte Service, die pompös-luxuriöse Innenarchitektur, der Glamourfaktor oder die kulinarischen Glanzleistungen: Es gibt eine ganze Reihe an Gründen, die das Hassler zum berühmtesten Hotel von Rom haben werden lassen. Seine Lage spielt dennoch die Hauptrolle. Die Aussicht von den Zimmern und Suiten in den oberen Stockwerken präsentiert Rom als jene große Schönheit, für die die Welt der Stadt seit Jahrtausenden zu Füßen liegt. Der Petersdom, das Pantheon und zahlreiche weitere historische Sehenswürdigkeiten liegen im Blickfeld. An einem Sonnenuntergang, während dessen sich der Himmel über Italiens Hauptstadt in malerische Rosa-Töne kleidet, fällt es schwer zu glauben, dass es ebenbürtige Orte geben könnte, um sich seinem Aperitivo zu widmen. Die außergewöhnliche Lage des Hasslers und der damit einhergehende faszinierende Ausblick sorgen nicht nur für Hochstimmung beim Dinner im hauseigenen Sternerestaurant „Imago“ oder auf einer der Terrassen, sondern macht es auch zum idealen Ausgangspunkt, um die Stadt zu erkunden – egal zu welchem Zweck. Der Großteil aller historischen Must-sees ist schnell zu erreichen. Besonders unkompliziert mit den hauseigenen Fahrrädern, die an Hotelgäste kostenlos verliehen werden. Mit der Via Condotti und der Via Veneto liegt das Eldorado für Shopping-Begeisterte nur einen Steinwurf entfernt. Und mit der Villa Borghese haben Hotelgäste auch einen der schönsten Parks von Rom vor der Haustüre. Dieser funktioniert nicht nur ideal als Ruheoase oder als geniale Joggingmöglichkeit, sondern bietet mit der Galleria Borghese auch Zugang zu einer der berühmtesten und wertvollsten privaten Kunstsammlungen der Welt.

Ihren Grundstein legte die Sammeltätigkeit des Kardinals Scipione Borghese, der auch als Bauherr des Gebäudes, des sogenannten Casino nobile, seine Verewigung gefunden hat. Neben der Skulpturensammlung des Kardinals zählen auch Gemälde von Bronzino, Caravaggio, Leonardo da Vinci, Raffael, Guido Reni, Rubens, Antonio Tempesta, Tizian und Veronese zur Sammlung. Die megalomane Anhäufung von berühmten Kunstwerken blieb bis ins 19. Jahrhundert bis auf wenige Verluste ziemlich vollständig erhalten und erhielt zusätzlich wertvolle Zugänge. Zu gravierenden Verlusten kam es erst im Zuge der Eheschließung zwischen Camillo Borghese und Pauline Bonaparte, der Schwester Napoleons. Auf Druck Napoleons musste der Herzog eine Reihe von Kunstwerken verkaufen, von denen einige heute zu den Glanzstücken des Louvre gehören. Doch auch trotz Napoleons Gespür für hochwertige Kunst strotzt die Galleria Borghese bis heute von sehenswerten Exponaten, die man sich als Kunstinteressierter nicht entgehen lassen sollte. Speziell wenn man gleich um die Ecke wohnt.

 

Rom bei Tisch: Kulinarische Notizen

Das süße Leben in Rom hat viele Gesichter. Besonders freundlich blickt es den Menschen bei gutem Essen mit Freunden ins Gesicht.

Il Pagliaccio – Moderne italienische Küche wird zur Kunstform

Anthony Genovese

Wer eintreten möchte, steht vor verschlossener Tür und hat zu klingeln: Einlass nur mit Reservierung. Nicht aus Hochmut des Chefs, sondern aus Gründen der Kapazität. Gerade einmal 11 Tische für maximal 28 Gäste fasst das kleine Lokal in der Altstadt Roms. In der Regel einigen sich Gäste nur auf die Anzahl der Gänge, der Rest geschieht dann nach den Vorstellungen des Küchenchefs Anthony Genovese. Der gebürtige Franzose kochte in Frankreich und Italien und war dazwischen auf der ganze Welt unterwegs. Thailand, ­Japan, Indien. Handwerklich ein Meister seines Faches, greift er in einen prall gefüllten Rucksack voller Erfahrungen und erschafft seine eigene Welt an Aromen, Geschmäckern und Texturen. Extrem aufwendig zubereitete Gerichte, handwerklich perfekt umgesetzt, unglaublich kreativ, aber nicht ansatzweise effekthaschend. Wie etwa „Seasons in the Garden“, ein optisches Meisterwerk von einem Tomatensalat, das den Gast mit seinen Aromen und Texturen kurzerhand in Trance versetzt. Jedes noch so kleine Blättchen an Kräutern, jeder Tropfen Marinade und jedes noch so unscheinbare Element am Teller ist ein geschmackliches Universum für sich. Hanf-Tagliolini mit Anchovis-Eis und Tintenfisch. Lamm mit schwarzem Knoblauch, Saté-Sauce und grünen Pfeffer. Hummer mit 24 Stunden fermentierter Meeresalge und Lavendel. Genovese, ausgezeichnet mit zwei Michelin-Sternen, zeigt auf solidem 3-Sterne­Niveau, wie kosmopolitisch moderne italienische Küche werden kann. Das Service schließt sich der Klasse des Küchenchefs nahtlos an. Ein Pflichtbesuch für kulinarisch aufgeschlossene Rom-Fans.

www.ristoranteilpagliaccio.com

 

Pierluigi – Ein lauer Sommerabend in Rom

Das Pierluigi an der Piazza Ricci unter der Leitung von Lorenzo Lissi zählt zu den stylishsten Adressen für ein gemütliches Abendessen unter freiem Himmel. Seine Fischküche hat es zur kulinarischen wie gesellschaftlichen Institution werden lassen. Halb Hollywood war und ist hier zu Gast, Supermodels, Internetmilliardäre und natürlich lebenslustige Römer.

Restaurant Pierluigi in Rom. www.pierluigi.it

Täglich wird die beste Qualität an Fisch und Meeresfrüchten, je nach Saison und Angebot, frisch eingekauft. Die große Eisvitrine beim Eingang des Lokals wurde zu einem Aushängeschild des Hauses. Langusten, Scampi, Muscheln und Prachtstücke von Fischen liegen darauf wie Schmuckstücke in einem Schaukasten bei Bulgari. Wenn es um Antipasti geht, ist roher Fisch groß angesagt, serviert als Tartare oder Carpaccio. Bei den Pastagerichten sind es die Linguini mit Hummer oder das Risotto mit Meeresfrüchten. Und als Hauptgericht spielt der Fisch im Ganzen die Hauptrolle. Gegrillt, in der Salzkruste oder mit Weißwein, Tomaten und Oliven geschmort.

 

Le Barrique by Oliver Glowig – Ein Ausflug ins Frascati

www.oliverglowig.com Foto: Davide Ricciardiello

Als Weinliebhaber spricht viel für einen Abstecher ins Frascati, in die legendäre Weinregion von Rom. Auch in kulinarischer Hinsicht: Seit einem knappen Jahr betreibt das Weingut Poggio de Volpi mit dem Le Barrique ein Spitzenrestaurant unter der Leitung des Zwei-Sterne-Kochs Oliver Glowig. Dieser setzt an seiner neuen Wirkungsstätte, ein zu einem luxuriösen Restaurant umgebauten Weinkeller, auch auf alte Klassiker. Darunter die phänomenalen Zopfnudeln mit frischen See­igeln. Als Inspirationsquelle diente eines der traditionellsten Pastagerichte Roms: Cacio e Pepe. Ebenfalls auf der Karte neue Gerichte, angepasst an das idyllische Weingebiet. Wie grandioses Lamm, gebacken, mit tiefgründigem Paprikagemüse. Im Zentrums Rom betreibt Glowig darüber hinaus ein unkompliziertes wie schwer-geniales Restaurant am Mercato Centrale. Alleine seine hausgemachten Ravioli, gefüllt mit Käse und Majoran, sind den Abstecher dort hin wert. Outstanding!

Oliver Glowig

 

Bistrot64 – Italienische Küche mit japanischer Perfektion

Was passiert, wenn sich ein japanischer Küchenchef der italienischen Küche verschreibt? Im Falle von Kotaro Noda eine überragend klare Küchenlinie, die an römischer Authentizität nichts vermissen lässt und dafür mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Neben modernen Gerichten setzt Noda auch römische Klassiker auf die Karte. Allesamt raffiniert ausgeführt und auch unter den Maßstäben gut bürgerlicher Küche ansatzlos in die Kategorie „so haben sie zu schmecken“ einzuordnen. Darüber hinaus sind es Gerichte wie filigrane Kartoffelnudeln, geschmort in Butter mit Anchovis, das Risotto im Shabu-Shabu-Stil oder das panierte Kalb mit Haselnussfülle, die als Trademarks der Küche glänzen. Das Restaurant selbst ist im Stile eines eleganten Bistros eingerichtet, ein angenehmer wie passender Ort für eine aussagekräftige Küche, die ganz im japanischen Kochstil auf überzogene Aromen verzichtet und bis ins letzte Detail sensibelst abgestimmt wirkt.

www.bistrot64.it