Mit der fenco show zelebriert das Upcycling-Label STUDIO FENCO im Juli an einem emotional hochaufgeladenen Ort, dem ehemaligen Traditionsmöbelhaus Leiner, nachhaltige Mode, Diskurs und Kunst.
Text: Lydia Bißmann
Kaum ein Begriff ist mit so vielen völlig unterschiedlichen Bedeutungen aufgeladen wie die Mode. Wir tragen sie täglich am Körper, sie hilft uns bei der kulturellen und soziologischen Einordnung von anderen und nicht zuletzt dabei, uns selbst darzustellen. Gleichzeitig verbraucht die Modeindustrie Unmengen von Ressourcen und trägt dazu bei, unmenschliche Arbeitsbedingungen zu manifestieren. Eine Alternative zu Fast Fashion und ihren schrecklichen Auswirkungen möchte das Grazer Label STUDIO FENCO, beheimatet im Kosmos des Kunstlabors Graz uniT, bieten. Direkt auf der Haut und auch im Kopf. Das Upcycling-Label wurde 2023 im Rahmen des EU-Projekts „Upcycling Clothes and Minds“ gegründet. Seitdem beschäftigt es sich mit der Frage, wie Mode einen konkreten Beitrag zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs leisten kann. Das Konzept: Secondhand-Textilien, die oft auf Müllbergen in Ländern des Globalen Südens landen, werden durch individuelles Upcycling in einzigartige Unikate verwandelt und so im Kreislauf behalten. Die Unikate entstehen im Rahmen eines Frauenbeschäftigungsprojekts. Im FENCO&friends – Creative Space in der Reitschulgasse gibt es einen Upcycling-Shop mit handgefertigten Unikaten, eine Textilwerkstatt für kreative Prozesse, einen Workshop- & Veranstaltungsraum für Austausch und eine kleine Galerie für künstlerische Positionen und Ausstellungen.
Gemeinsam mit dem Künstlerkollektiv RAUM 117, das in der ehemaligen Stahl-Eberhard-Halle in der Smart City eine Ateliergemeinschaft unterhält, wird an drei Tagen im Juli mit der fenco show ein Festival auf die Beine gestellt. Als interdisziplinäres Format gedacht, soll die Show an drei aufeinanderfolgenden Tagen im aktuell leer stehenden ehemaligen Möbelhaus Leiner zur Sichtbarmachung von Upcycling-Mode im Spannungsfeld zwischen Design, Performance und gesellschaftlichem Diskurs beitragen. Im Mittelpunkt der „Antimodeschau” stehen Kleidungsstücke von STUDIO FENCO, die im Rahmen einer Performance präsentiert werden. Die choreografierte Inszenierung verbindet die Elemente Ton, Licht, Visuals und Bewegung miteinander, um gestalterische Prozesse und Materialgeschichten erfahrbar zu machen. Zentrales Element wird dabei der Fallschirm sein, der gleichzeitig für Schutz und Gefahr, Leichtigkeit, Beweglichkeit, aber auch Fragilität und Instabilität steht. Julia „Julez“ Wolf ist bildende Künstlerin, Designerin, Siebdruckexpertin und Mitglied bei Raum 117 und auch bei STUDIO FENCO tätig. Ihr und allen weiteren Beteiligten am Projekt ist es wichtig, ein sinnvolles, sinnliches Kunsterlebnis zu bieten, das auf drohende Zeigefinger und Verbote verzichtet und schlicht Lust auf Kunst, neue Perspektiven, Austausch und Umdenken machen soll. Das traurig leer stehende Gebäude, das an die größte Wirtschaftspleite der Zweiten Republik, die Benko-Misere, erinnert, soll durch die fenco show aufgewertet, wiederbelebt und für Nachbarschaft und Gesellschaft geöffnet werden.
fenco show
16., 17. und 18. Juli 2026, Leiner
Annenstraße 63, 8020 Graz
Tickets erhältlich ab Juni @FENCO&friends (Reitschulgasse 10, 8010 Graz) oder online (mehr Infos dazu ab Juni auf dem Instagram-Kanal von STUDIO FENCO und RAUM 117)
FENCO&friends, Reitschulgasse 10, 8010 Graz, Öffnungszeiten: Mo, Mi–Fr 9–18 Uhr, Di 9–15 Uhr













