
Eine Ausstellung im Spiegelgitterhaus Gleisdorf gibt Einblick in das Schaffen von Anneliese Schrenk und Michael Kienzer.
Ausgangspunkt der Ausstellung mit dem Titel Was tun Skulpturen ohne Aufsicht? ist die Plastik, zeitgenössisch interpretiert von zwei der renommiertesten Kunstschaffenden Österreichs: Anneliese Schrenk, geboren 1974 in Weiz, und Michael Kienzer, geboren 1962 in Steyr. Die gezeigten Arbeiten stammen aus der Sammlung Wolf und wurden von Johannes Rauchenberger, dem Leiter des Kulturzentrums bei den Minoriten, kuratiert. Ist es bei Schrenk die Form der Kunstwerke selbst, die zuerst die Aufmerksamkeit der Betrachtenden fordert, so sind Kienzers Objekte Konstruktionen aus alltäglichen Gegenständen, die mit Statik, Schwerkraft und Gleichgewicht zu spielen scheinen. Anneliese Schrenks Arbeiten sind geprägt von großflächigen Materialitäten, die oft zu raumübergreifenden, hängenden oder lehnenden Installationen vereint werden. Dabei verwendet die Künstlerin oft Lederhäute und spielt mit dem diesem Material immanenten Charakter von Brutalität, sodass sich Betrachtende in einer Situation von Erforschen und Befremdung wiederfinden. Michael Kienzers Werk wiederum bewegt sich zwischen Bildhauerei und Installation, der Raum und physikalische Gesetze sind die Grundpfeiler der spannenden Wirkung seiner Arbeiten.

Rätselhafte Spuren von Strukturen
Anneliese Schrenk absolvierte mehrere Studien, u. a. der Bildenden Kunst, Mode und Bekleidungstechnik, Pädagogik, Psychologie und Philosophie. Entsprechend breit, offen und eigenwillig entwickelt sie ihre vielbeachtete Kunst. „Sie zeigt und konfrontiert uns mit Tierhaut, Verarbeitungsrelikten, Fetischobjekten, einer Unzahl an industriellen Fundstücken, Aluminiumgüssen, die technoide, physische und psychische Assoziationen in ausgeklügelten Spannungsverhältnissen auslösen. Schmerz und Prägung werden in ihren Arbeiten ebenso thematisiert und deutlich sichtbar wie die Macht und Gier patriarchalen, kolonialen oder neoliberalen Gewinndenkens“, so Elisabeth Fiedler, langjährige Leiterin des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark und des Österreichischen Skulpturenparks. Aus diesen Ansätzen öffnet und erweitert Schrenk Bild, Skulptur und Raum und entwickelt ihre eigene Formensprache. „Immer öfter fangen meine Gedanken die Vorstellung ein, dass Pflanzen, Dinge, Räume und Tiere die Zartheit der Menschen vermissen“, so Anneliese Schrenk. Der Blick stößt beim Betrachten ihrer Arbeiten immer wieder auf unterschiedliche Objekte, die dem ursprünglichen Kontext entnommen wurden und einen flüchtigen Blick verwehren, vielmehr ihn in sich hineinziehen.

Foto: Rauchenberger
Entscheidend ist der Gegensatz
Michael Kienzer markiert seit über 30 Jahren eine wesentliche Position in der österreichischen Gegenwartskunst. Geprägt vom erweiterten Kunst- und Werkbegriff der 1960er- und 1970er-Jahre, lotet er in seinen Arbeiten, oftmals aus industriellen Materialien, die Möglichkeiten der autonomen Skulptur im Verhältnis zum Raum aus. Zugleich bezieht er performative Aspekte ein. Seine Arbeiten sind ein Momentum aus Anziehung und Distanz, Ordnung und Chaos, Funktion und Dysfunktion. „Fundstücke, Teile unterschiedlicher Metall-, Holz- oder Glasplatten, Rohre, Bausteine und -fragmente, Industrieabfälle, Teppiche, Radiergummis oder Fotos werden von ihm arrangiert und scheinen eine Geschichte zu erzählen, die surreal-dadaistische Verwindungen und Verbindungen in sich trägt. Jedes Material hat seine eigene Qualität, Temperatur, Härte, Lautstärke, Dynamik, die wir körperlich wahrnehmen können. Abstrakte Materialformen assoziiert Kienzer mit modellhaften Häusern, Kirchen, Lastwagen, Flugzeugträgern, Orgelpfeifen und erzeugt ausgeklügelte Schwebezustände, die belastbar verbunden sind, doch nicht von Dauer zu sein scheinen“, so Elisabeth Fiedler. Dabei geht es um jene Kräfte, die zwischen den Materialien wirken. Fiedler: „Wir sehen Momente, die stabil sind, aber fluid wirken, die Möglichkeit jederzeitiger Veränderlichkeit suggerieren und doch klar positioniert sind.“

Foto: Michael Kienzer / Fondazione Mudina
„Was tun Skulpturen ohne Aufsicht?“
Zu sehen bis 30. August 2026
Fr 17–19 Uhr, Sa 10–12 Uhr
Spiegelgitterhaus
Kernstockgasse 28, 8200 Gleisdorf
www.kultum.at/spiegelgitterhaus












