
Inmitten des Schilcherlandes verhandeln von 11. bis 15. September die Theatertage Stainz – ein neues Festival von Theaterland Steiermark – Geschichten von Herkunft, Erinnerung und Veränderung.
Zwischen den Hügeln des Schilcherlandes liegt eine Landschaft voller Geschichten. Geschichten von Orten, die seit Jahrhunderten Aussichtspunkte und Erinnerungsräume zugleich sind. Plätze, an denen sich Spuren der Vergangenheit mit den Geschichten der Menschen verbinden. Gegenwärtig wird über die Zukunft dieser Landschaft und der Gemeinde im Zeichen des modernen Tourismus verhandelt. Die Theatertage Stainz, ein Festival von Theaterland Steiermark und erstmals im Programm, greifen diese Spannungen auf. „Bei unseren neuen Festivals in den Regionen interessiert mich: Wer sind die Menschen, die hier leben? Was treibt sie an, was beschäftigt sie und wie könnte ein zeitgenössisches Theaterprogramm aussehen, das diese Menschen involviert – emotional, sinnlich, intellektuell“, so Verena Kiegerl, künstlerische Leiterin von Theaterland Steiermark.

Foto: Lipp Zahnschirm
Das Programm der Theatertage Stainz spiegelt diesen Gedanken wider. Künstlerische Arbeiten begegnen historischen Spuren, persönlichen Erinnerungen und kulturellen Erzählungen, die bis heute das Bild der Region prägen. Manche dieser Erzählungen sind literarisch geworden, andere entstehen im Alltag: Bilder von Heimat, von Zugehörigkeit, von Rollen und Erwartungen, die sich über Generationen hinweg verändert haben. Zwischen Ironie, Stolz und Selbstbefragung entstehen neue Perspektiven auf das, was eine Region ausmacht. Die Spielzentren verteilen sich über den ganzen Ort: von der Festivalzentrale direkt am Hauptplatz über das Dachbodentheater und die Hofer-Mühle bis zu einem Buschenschank inmitten der Weinberge. Hier entstehen Theaterabende, Performances, Gespräche und musikalische Formate, die dazu einladen, diese Orte neu zu betrachten – und gemeinsam darüber nachzudenken, welche Geschichten sie erzählen und welche vielleicht erst noch entstehen.

Foto: Sabine Pichler
Stücke zur gegenseitigen Inspiration
Das Programm ist vielfältig. So widmet sich Nestroy-Preisträgerin Nadja Brachvogel, die in ihren Projekten szenische Recherche mit dokumentarischen und partizipativen Arbeitsweisen verbindet, der Frage, wie politische Autorität entsteht und wann Vertrauen zu bröckeln beginnt. Auch Hödlmoser, Reinhard P. Grubers legendärer Ur-Steirer, kehrt zurück nach Stainz. Jimi Lend, Fiston Mwanza Mujila und Andreas Unterweger holten für Die Auferstehung Hödlmosers zwar nicht das Original-Manuskript aus dem Boden des Zirbitzkogels, dafür aber seine Hauptfigur. Die bum bum pieces, ein Kollektiv rund um Simon Windisch und Nora Winkler, zeigen das Stück Engelweingarten. In diesem verweben sie geschichtliches Material zu diesem Ort in Stainz mit dem Lebensgefühl der Region. „Der Engelweingarten ist einer der lokalhistorisch bedeutendsten Orte der Region: eine archäologische Fundstätte, ein wichtiger Erinnerungsort an Erzherzog Johann und eng mit der Geschichte des Schilchers verbunden.

Foto: Andreas Unterweger
Gleichzeitig ist das Areal heute Gegenstand intensiver Diskussionen über seine zukünftige Entwicklung“, so Gero Tögl, Geschäftsführer von Theaterland Steiermark: „Es geht nicht darum, bestehende Konflikte zu verstärken oder Positionen zu beziehen, sondern einen Raum für Begegnung und Dialog zu schaffen.“ In Grow Out – Herauswachsen untersucht „Material für die nächste Schicht“ – ein von Stefan Ebner kompostierter, fluider, radikal-naiver Theater-Prozess – was es bedeutet, ein Junge* oder ein Mann* zu sein und welche Verantwortung wir für unsere eigene Sozialisation tragen. Mit Körper, Musik und performativen Bildern entsteht ein Raum, der neue Perspektiven eröffnet – poetisch, direkt, humorvoll und berührend. In der Produktion Die Speisenträgerinnen richten die Rabtaldirndln den Blick hinter die Schwingtüren der Gastronomie. Sie blicken durch den Boden des Mischungsglases und sehen in der Gastronomie einen treffsicheren Spiegel unserer Gesellschaft.

Foto: Apollonia Theresa Bitzan
Theatertage Stainz
Fr, 11. September
14 Uhr & 17 Uhr: Jimi Lend, Fiston Mwanza Mujila und Andreas Unterweger „Die Auferstehung Hödlmosers“, Festivalzentrale im Lehner-Haus
17 Uhr: Nadja Brachvogel „Autorität in der Politik“, Dachbodentheater Stainz
20 Uhr: bum bum pieces „Engelweingarten“, Buschenschank EPOPS 1807
Max-Gschiel-Straße 31, 8510 Stainz-Kothvogel
Sa, 12. September
11 & 15 Uhr: Nadja Brachvogel „Autorität in der Politik“, Dachbodentheater Stainz
11 & 18 Uhr: Jimi Lend, Fiston Mwanza Mujila und Andreas Unterweger „Die Auferstehung Hödlmosers“, Festivalzentrale im Lehner-Haus
20 Uhr: bum bum pieces „Engelweingarten“, Buschenschank EPOPS 1807
So, 13. September
10 Uhr: Nadja Brachvogel „Autorität in der Politik“, Dachbodentheater Stainz
20 Uhr: bum bum pieces „Engelweingarten“, Buschenschank EPOPS 1807
Mo, 14. September
10 Uhr: Material für die nächste Schicht „Grow Out – Herauswachsen“, Hofer-Mühle
Di, 15. September
20 Uhr: Die Rabtaldirndln „Die Speisenträgerinnen“, Hofer-Mühle












