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Konditorei Philipp: Eine Institution feiert Jubiläum

Lilli Philipp und ihr Team in der Konditorei Philipp Foto: Konditorei Philipp

Das Eis der Konditorei ist stadtbekannt, ihre Mehlspeisen gleichen kleinen Kunstwerken. Seit mehr als 100 Jahren treffen sich Grazerinnen und Grazer beim Philipp und genießen das Leben.

Text: Stefan Zavernik

Die beliebteste Konditorei der Stadt ist ein Ort voller Geschichten. Sie erzählen von persönlichen Vorlieben, Freundschaften und der Liebe. Auch persönliche Rekorde wurden hier bereits aufgestellt, etwa als ein Geburtstagskind so viel Eis seiner Lieblingssorte essen durfte, wie es wollte, und mehr als 10 Kugeln schaffte. Philipp-Geschichte geschrieben hat auch der legendäre Rennfahrer Jochen Rindt, als Kind war er oft in der Konditorei und gönnte sich Wind-Stangerl oder Eiscreme-Soda. Sogar Liebesbeziehungen sollen regelmäßig im Philipp ihren Anfang genommen haben, bei einem ersten Date und dem Inbegriff des Eisbechers, der Schillerlocke. „Viele Gäste begleiten wir über Jahrzehnte, es entwickeln sich Freundschaften“, erzählt Elisabeth „Lilli“ Philipp.

100 Jahre Konditorhandwerk

Gegründet wurde die Konditorei am 19. Februar 1926 von Großvater Hugo Philipp – damals noch als kleine Backstube mit Verkauf durchs Fenster, bei dem eine Glocke die Kunden ankündigte. Verkauft wurden hauptsächlich Strudel, Striezel und Krapfen. Was folgte, war eine Geschichte, die von handwerklicher Leidenschaft geprägt war – und dem Mut, auch schwierige Zeiten zu meistern. Nach den Einschnitten des Zweiten Weltkriegs führte die Familie mit Wolfgang und Margaretha Philipp den Betrieb mit viel Einsatz weiter: Früchte wurden eingekocht, Rohstoffe persönlich besorgt, gebacken wurde im holzbefeuerten Ofen. Heute steht mit Konditormeisterin Lilli Philipp die dritte Generation an der Spitze des Hauses. „Der natürliche Geschmack steht für mich immer an erster Stelle“, betont sie. Das zeigt sich besonders beim Eis, das seit Jahrzehnten den Ruf der Konditorei prägt: Fruchteis wird noch immer nach italienischem Vorbild als Sorbet ohne Milch hergestellt. Gleichzeitig wurde das Angebot behutsam erweitert – um glutenfreie Desserts, vegane Pralinen und laktosefreie Eissorten, die den heutigen Bedürfnissen der Gäste entsprechen.

Eine Grazer Institution feiert 100-jähriges Jubiläum

Torten als Kunstwerke

Doch nicht nur der Geschmack macht den Erfolg der Konditorei aus. Torten und Patisserie gleichen oftmals kleinen Kunstwerken, die Affinität zur Kunst war in der Familie Philipp schon immer allgegenwärtig. „Meine Begeisterung für die Kunst hab ich eigentlich mit in die Wiege gelegt bekommen. Mein Vater war leidenschaftlicher Kunstsammler, meine Mutter liebt klassische Musik. Ich hab als Jugendliche lange überlegt, in die Ortweinschule zu gehen, hab mich dann aber für die Konditorlehre entschieden. Heute entstehen eben Torten als Kunstwerke“, erklärt Lilli Philipp ihren Zugang zur Kunst. Lillis Vater Wolfgang Philipp machte es sich zur Tradition, berühmte Künstler zu ihren Ausstellungen in Graz mit eigens für sie angefertigten Torten zu würdigen. So kam es unter anderem zu Torten im Stile von Christian Ludwig Attersee, Hermann Nitsch oder Günter Brus. Lilli Philipp hat die Tradition weiterentwickelt und entwirft heute auf Anfrage Torten für spezielle Anlässe. „Hochzeiten, Geburtstage oder Jubiläen, es gibt viele Anlässe, für die eine schöne Torte Freude bereitet.“  

Konditorei Philipp
Mo–So, 8–18 Uhr
Krenngasse 38, 8010 Graz
konditorei-philipp.at