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Rom: Am Schauplatz der Ewigkeit

Bald wird reisen wieder unbeschwert möglich sein und die düstere Zeit der Pandemie hinter uns liegen. Dann wird auch Rom, die „città eterna“, erneut Ausgangspunkt sein, um im Angesicht von Kunst und Architektur durch die Epochen zu flanieren.

Text: Wolfgang Pauker

Der „ewigen Stadt“, Geburtsstätte unserer westlichen Zivilisation und Denkart, wurden vom Dichter Vergil einst weder räumliche noch zeitliche Grenzen prophezeit. Doch das gigantische Reich zerbrach, geblieben hingegen ist ein schier unerschöpfliches Reservoir für Kunst und Architektur aus allen Epochen. Ein riesiges Open-Air-Museum, in dem unbezahlbare Kulturschätze an jeder Ecke warten, eine berauschende Mischung aus uralten Ruinen, Galerien und traumhaften Piazzas. Ein Ort für eine Zeitreise von der Antike in die Gegenwart, dessen Geschichte gerade durch ein außergewöhnliches Jahr, geprägt von der ­Covid-19-Pandemie, weitergeschrieben wurde.

Colosseum

Doch so wie die Wagenrennen von waghalsigen Wettstreitern im Circus Maximus einst gewonnen wurden, scheint auch das Rennen um eine Impfung auf der Zielgeraden zu sein. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis man wieder unbeschwert durch das Postkarten-Idyll spaziert, in dem das geschäftige Treiben in den Gassen und Bars, wo vormittags „Caffè“ und nachmittags „Aperitivo“ eingenommen wird, zurück in die Gegenwart holt. Um in das pure römische Leben des 21. Jahrhunderts einzutauchen, bedarf es nur weniger Schritte aus dem historischen Zentrum über den Fluss Tiber in den Stadtteil Trastevere.

Trastevere

Dem Charme dieses Viertels kann man schwer widerstehen: Die engen Gassen sind kopfsteingepflastert, wild bewuchert, die oft windschiefen Wände allesamt besprayt und zwischen den Fenstern wird die Wäsche zum Trocknen aufgespannt. Einst ein Arbeiterbezirk, entwickelte es sich in den letzten Jahren zu einem trendigen „Quartiere“ voll Patina und hipper Römer, die sich auf den Plätzen oder in unzähligen Lokalen versammeln und die Nacht zum Tag machen.

Von der Antike in die Gegenwart

Zeitsprünge lassen sich auch im Angesicht der Kunst machen, die in über 170 Museen und Galerien präsentiert wird, womit Rom im Spitzenfeld internationaler Metropolen spielt. So finden sich etwa in der wunderbaren Galleria Borghese, einer der wertvollsten privaten Kunstsammlungen der Welt inmitten einer zentral gelegenen, herrlichen Parkanlage, unter anderem Werke von Caravaggio, da Vinci, Raffael, Rubens und Tizian.

Berninis David in der Galleria Borghese
Foto: Ministero per i beni e le attività culturali e per il turismo

Mit am beeindruckendsten sind aber die Skulpturen von Gian Lorenzo Bernini, einem der bedeutendsten Architekten und Bildhauer des Barock. Was dieser Mann im Stande war, an Details aus weißem Marmor zu meißeln, ist schier unglaublich. Italien fördert seine Künste aber auch im Hier und Heute, wovon ein neues Haus im Viertel Flaminio zeugt: Das MAXXI, Italiens erstes Museum für zeitgenössische Kreativität.

Zeitgenössische Kunst im MAXXI
Foto: Musacchio, Ianniello & Pasqualini

Auf über 29.000 m² werden in futuristischer, von Zaha Hadid konzipierter Architektur mit innovativen und spektakulären Formen die nationalen Künste des 21. Jahrhunderts gemeinsam mit internationalen Wechselausstellungen präsentiert. Das als Kulturcampus gedachte MAXXI beherbergt auch Kunst- und Architekturausstellungen, Design­projekte, Fotografie, Mode und ist Stätte für Film, Theater- und Tanzperformances.

Das MAXXI, entworfen von Zaha Hadid, ist Italiens erstes Museum für die nationalen Künste des 21. Jahrhunderts
Foto: Musacchio&Ianniello

Modernes Design trifft Klassik

Ein gelungenes Beispiel für die Transformation eines historischen Erbes in die Neuzeit ist das frisch verjüngte Hotel De Russie. Gelegen an der Piazza del Popolo ist es der ideale Ort, um die Stadt in alle Himmelsrichtungen zu erkunden. Schon 1917 bezeichnete der französische Dichter Jean Cocteau es als „Paradies auf Erden“ und ein kleines Paradies ist auch sein mediterraner Secret Garden mit Rosensträuchern, Orangenbäumen und alten Pinien.

Der Secret Garden des Hotel De Russie

Der Garten aus längst vergangenen Tagen liegt gut verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit, dabei doch im sprichwörtlichen Herzen der Stadt und ist eines der bestgehüteten Geheimnisse Roms. Gemeinsam mit dem ikonischen Luxushotel, das zur Rocco Forte Gruppe gehört, wurde auch die grüne Oase umfangreich runderneuert, nach den ursprünglichen Entwürfen des Architekten Giuseppe Valadier aus den 1820er Jahren im eklektischen Stil gestaltet und ist damit ein Zeugnis historischer Gartenarchitektur.

Klassik trifft auf Zeitgeist in den frisch renovierten Zimmern des Hotel De Russie

Der Garten bildet auch die Bühne für das Restaurant Jardin de Russie, in dem feine italienische Küche serviert wird, und die Stravinskij Bar, die zu den Hot-Spots für Künstler und Celebrities zählt. Wer sich lieber entspannt, der findet im De Russie Spa die umfassende Einheit von körperlicher, geistiger, emotionaler und spiritueller Gesundheit, die in Zeiten wie diesen wichtiger ist denn je.  

Kunst am Teller: Tipps für Lunch und Dinner

Per Me – Ambiente wie im Liebesfilm

www.giulioterrinoni.it

Chef Giulio Terrinoni ist eine Legende unter Roms Feinschmeckern und sein in einer Seitengasse der historischen Via Giulia gelegenes Restaurant ein Pflichtbesuch. Hauptsächlich Fisch und Meeresfrüchte von Spitzenqualität sind hier auf den Punkt zubereitet und von unverfälschtem Geschmack. Der zweite Michelin-Stern ist wohl nur eine Frage der Zeit. Gerichte voller Finesse in einer Atmosphäre, die ihresgleichen sucht.

Foto: brambillaserrani

Glass Hostaria – Puristisch durch und durch

www.glasshostaria.it
Foto: Pachiarotti

Inmitten des hippen Bezirks Trastevere, ein paar Schritte von der Piazza Trilussa entfernt, liegt Cristina Bowermans Restaurant, dass nicht nur mit Michelin-Stern prämierter Küche punktet, sondern auch mit puristischem Innendesign. Stylish sind auch die Gerichte arrangiert, die internationale Einflüsse mit italienischer Kochkunst kombinieren. Das Menü wird regelrecht zelebriert und kann sich gut und gerne über Stunden ziehen.

Mirabelle – Ein Blick für Götter

www.mirabelle.it
Foto: Vincenzo Tambasco

Die Aussicht über Villa Borghese, Vatikanische Gärten bis Pantheon ist atemberaubend und macht den Aufenthalt im Mirabelle, das sich im Hotel Splendide Royale und damit nur unweit der Galleria Borghese befindet, unvergesslich. Die Küche, ebenfalls mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet, bietet römische Klassiker, das Risotto ist genau so, wie es sein soll, und die Pasta Cacio e Pepe oder mit frischer Trüffel wird am Tisch zubereitet.