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„Heldenplatz“ am Schauspielhaus: Aktuell wie nie

Franz-Xaver Mayr Foto: Marcella Ruiz-Cruiz

Regisseur Franz-Xaver Mayr inszeniert Thomas Bernhards ehemaliges Skandalstück „Heldenplatz“.

Der jüdische Professor Josef Schuster, 1938 nach Oxford geflohen und nach dem Krieg zurückgekehrt, hat Selbstmord begangen – indem er sich aus seinem Fenster auf den Heldenplatz gestürzt hat, jenen Platz, auf dem Adolf Hitler einst unter dem Jubel von Tausenden den Anschluss an Nazi-Deutschland verkündete. Der Professor wählte den Freitod, weil er fünfzig Jahre nach seiner Flucht die Situation in Österreich noch viel schlimmer als in der Vergangenheit empfindet. Mit dieser Handlung sorgte Thomas Bernhard 1988 für einen handfesten Theaterskandal und wurde als „Nestbeschmutzer“ und sein Stück als „Österreichbesudelung“ beschimpft. Für Regisseur Franz-Xaver Mayr, der Heldenplatz aktuell am Schauspielhaus Graz inszeniert, ist der Skandal aber nur der Beweis dafür, dass Bernhard mit seiner Darstellung Österreichs im Stück richtig lag. „Er hat damals inhaltlich genau von so einem Österreich und so einer Gesellschaft geschrieben“, erklärt der Regisseur, der sich vorbereitend auch eingehend mit der politischen Stimmung zur Zeit der Uraufführung beschäftigt hat. Und hat sich daran in der Zwischenzeit etwas geändert? „Vielleicht ist der Hass anders aufgeteilt auf verschiedene unterschiedliche Gruppen, aber die Wut, die Aggression, die Bereitschaft, jemanden zu hassen und auszugrenzen, die unerträgliche Sprache der Politik, das ist nach wie vor das Grauen, und es ist kein Ende in Sicht“, betont der Regisseur die Aktualität und Relevanz des Stückes. Auf die Frage, ob Theater denn auch zu weit gehen könne, so wie es Bernhard damals vorgeworfen wurde, findet Franz-Xaver Mayr eine klare Antwort: „Nein! Theater muss seine Arbeit machen und eindeutig sagen und machen, was es dazu braucht.“   

Schauspielhaus Graz
Foto: Lupi Spuma

„Heldenplatz“ von Thomas Bernhard

Premiere: 10. 1. 2020, 19.30 Uhr in HAUS EINS

www.schauspielhaus-graz.com