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Kunstuniversität Graz: Weihnachtliches Kaleidoskop der Künste

Foto: Johannes Gellner

Trompete und Orgel, Chor und Bewegungstheater, Literatur und Ballett … mit zwei besonderen Konzerterlebnissen im Dom und auf der Studiobühne des MUMUTH nähert sich die Kunstuniversität Graz der Weihnachtszeit.

Es ist eine durchaus verbreitete Vorstellung, dass Musik und Spiritualität ganz nah beieinander liegen, sich gleichsam in ihrem Wesen berühren. Das Göttliche vermittelt sich unserem Herzen demnach im Klang. Das ist nur ein kleiner Umweg, denn Musik möge doch, wie Beethoven zu seiner Missa solemnis schrieb, „von Herzen … wieder zu Herzen gehen.“ Ganz Mann der Sprache, hat Martin ­Luther den göttlichen Logos, der laut Johannes-Evangelium am Beginn aller Dinge steht, als „das Wort“ übersetzt. Tonkünstler wie Johann Sebastian Bach oder der Schütz-Freund Johann Hermann Schein, ein Vorgänger Bachs als Thomaskantor, übersetzten das Wort Gottes wieder in eine Herzenssprache. Sie wurden so zu prominenten Zeugen des oben beschriebenen Mysteriums. Das diesjährige Adventkonzert der Kunstuniversität Graz folgt ihren Spuren und lässt die Schönheit dieser Musiken im Dom zu Graz aufleuchten. Doch das mystische Denken des Mittelalters kennt den Logos auch als Licht, diese Idee liegt nicht zuletzt den monumentalen gotischen Sakralbauten mit ­ihren eindrucksvollen Glasfenstern zugrunde. Der Grazer Dom in seiner heutigen Gestalt ist dafür – obwohl im Wesentlichen gotisch – leider nicht das beste Beispiel. Unter dem Titel Die zwölf Söhne Israels verwandelt das hier in der Vorweihnachtszeit gebotene KUG-Konzert daher die Magie des Lichts in Musik und stiftet auf diesem Umweg eine eindrucksvolle Begegnung mit berühmten Zeugnissen moderner Glaskunst.

Viola Stingl, zu erleben in Claras magische Weihnachten.
Foto: Valmir Lira

Marc Chagall zum Klingen gebracht

Im Zentrum des Abends am 8. Dezember stehen Marc Chagalls Glasfenster, die er für die Synagoge des Hadassah Krankenhauses in Jerusalem kreierte. Diese sind den 12 Söhnen Jakobs gewidmet (der später von Gott den Namen Israel erhielt). Laut Altem Testament begründen sie die zwölf Stämme Israels. „In diesen Fenstern wollte ich das Mysterium und die Spiritualität zum Ausdruck bringen, die ich in Israel zutiefst empfinde“, sagte der Künstler selbst zu seinem Werk, das er über zwei Jahre schuf und der Synagoge schenkte. Der in Krumau geborene Musiker Petr Eben hat 1976 mit Okna podle Marca Chagalla (Fenster nach Marc Chagall) ein viersätziges Werk für Trompete und Orgel komponiert, das sich auf vier der 12 Glaskunstwerke bezieht. Ebens Arbeit steht im Zentrum des KUG-Konzertes, das somit Jüdisches und Christliches ebenso verknüpft wie Neues und Altes – und das mit den Mitteln von Bewegungstheater, Musik und Literatur.

Foto: Johannes Gellner

Jakob und seinen 12 Söhnen, deren heilige Zahl auch im Neuen Testament immer wiederkehrt, bleibt dabei das gesamte Konzertprogramm gewidmet. Zu hören ist neben Bach und Schein auch der 1944 geborene Finne Pekka Kostiainen mit seinem Chorwerk Jaakobin pojat (Nennt die Söhne Jakobs).

Im Zeichen des Zusammenspiels

Interpretiert wird all das durch den Chor des Instituts für Kirchenmusik und Orgel sowie von Studierenden aus den Bereichen Orgel, Trompete und Schauspiel. Letztere gestalten einen Bewegungschor, der mit seiner szenischen Annäherung eine weitere Ebene in der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem biblischen Stoff schafft. Hinzu kommen Textpassagen aus Thomas Manns Roman-Tetralogie Joseph und seine Brüder, deren Vortrag eng mit den anderen Beiträgen verwoben wird. Manns umfangreichstes Romanwerk – das dickste unter seinen durchwegs dicken Büchern – wurde zwischen 1933 und 1943 veröffentlicht und gab dem Nobelpreisträger nach eigenem Bekunden Halt in den schwierigen Jahren des Krieges und der Emigration. Im Dom zu Graz wird so ein künstlerisches Kaleidoskop geschaffen, das dazu einlädt, der uralten biblischen Erzählung von unterschiedlichsten Seiten kommend neu zu begegnen.

Josef M. Doeller
Foto: Johannes Gellner

Weihnachten für die ganze Familie

Ein Kaleidoskop, wenn auch ganz anderer Art, bietet auch das inszenierte Konzert Claras Magische Weihnachten, das bereits am 29. November auf der Studiobühne des MUMUTH Kinder und ihre Erwachsenen adressiert. In Kooperation mit der Tanzschule Reinisch wird hier der Tanz in den Mittelpunkt gestellt, genauer: das klassische Ballett. Die junge Solistin ­Viola Stingl tritt an, Jung und Alt mit einem Weihnachtsprogramm zu verzaubern, das ganz selbstverständlich bei Nussknacker und Mäusekönig startet und dennoch nicht ohne den sterbenden Schwan auskommen muss … Ballettmusiken von Tschaikowsky und anderen werden live von Studierenden der KUG interpretiert, das Konzept zu diesem ganz besonderen Abend stammt von zwei Studentinnen der Alten Musik und Aufführungspraxis: Alena Kiszter und Kim Pavlic.

 

Claras magische Weihnachten

Abo für junges Publikum

Tanzen macht Freude!

Gemeinsam mit dem Mädchen Clara durchtanzen wir die Welt des Barock, lernen das klassische Ballett kennen und erleben den Tanz von heute.

Tanz: Viola Stingl
Konzept: Alena Kiszter und Kim Pavlic
Leitung: Sieglinde Roth

Karten: tickets@kug.ac.at/Konzertkasse

Fr, 29.11.2019, 17 Uhr

MUMUTH, Studiobühne

 

Die zwölf Söhne Israels

Petr Eben: Okna / Johann H. Schein: Da Jakob vollendet hatte / Johann S. Bach/Johann Christoph Bach: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn / Pekka Kostiainen: Jaakobin pojat / Thomas Mann: Textpassagen aus „Joseph und seine Brüder“

Studierende Orgel, Trompete & Schauspiel; Chor des Instituts für Kirchenmusik und Orgel; Dirigent: Josef M. Doeller

Karten: Zentralkartenbüro/Abendkasse

So, 8.12.2019, 20 Uhr

Grazer Dom