Start Reise & Genuss Mallorca: Auf den Spuren der hässlichsten Orange der Welt

Mallorca: Auf den Spuren der hässlichsten Orange der Welt

Blick auf das Tramuntana-Gebirge und den Port de Sóller von der Terrasse des Jumeirah Hotel & Spa.

An der malerischen Nordwestküste Mallorcas, zwischen Tramuntana-Gebirge und Mittelmeer, soll es die hässlichste, aber auch schmackhafteste Saftorange der Welt geben.

Text: Wolfgang Pauker

Mallorca, la Isla de la Calma (die Insel der Stille), wie die Mallorquiner ihr Eiland nennen, ist die größte Insel der Balearen und vollgepackt mit pittoresken Dörfern, üppiger Natur und nicht zuletzt einem wahren Überangebot an Kultur und Kulinarik. An der Nordwestküste, wo die Insel am schönsten ist, soll die sagenhaft wohlschmeckende und zugleich hässlichste Saftorange der Welt wachsen. Eine Spurensuche.

Palma – das kleine Barcelona

In der Hauptstadt Palma, deren historisches Zentrum mit einer architektonischen Mischung aus katalanischen und arabischen Einflüssen stark an Barcelona erinnert, findet man zwar vor dem Rathaus einen mehrere hundert Jahre alten Olivenbaum, aber von den besagten Orangen keine Spur. Also stillt man den (Wissens-)durst, wenn man schon mal da ist, mit Kultur. Immerhin wirkte und starb hier niemand Geringerer als Joan Miró.

Joan Miros Atelier.

In seinem ehemaligen Atelier blickt man nicht nur tief in Mirós Kunst-Universum, sondern erfährt auch, dass seine Mutter aus Sóller stammt, einer Stadt im Nordwesten, die als Juwel des katalanischen Modernisme gilt, einer kulturellen Strömung, die parallel zum Jugendstil verlief. Erreichen kann man die Stadt heute wie vor hundert Jahren mit der Bahn Ferrocarril de Sóller, früher auch als „Orangen­express“ bezeichnet. Wir kommen der Sache also näher …

Die imposante Kathedrale der Hauptstadt Palma.
Foto: Gaspar Monraig / ATB

Sóller – im Tal des Goldes

In einer guten Stunde fährt man mit den nostalgischen hölzernen Waggons in die hinter den Bergen der Serra de Tramuntana gelegene Stadt, die bis zum Bau der Eisenbahnstrecke 1912 nur mit dem Schiff über den nahegelegen Hafen Port de Sóller erreichbar war. Von dort stachen auch die „Orangensegler“ in See und nahmen Kurs auf Südfrankreich, wo durch den regen Handel das Olivenöl und die Orangen „vergoldet“ wurden. In Sóller angekommen, trifft man am Bahnhof auch wieder auf Joan Miró, denn die Vorhalle beinhaltet sowohl eine große Auswahl seiner Grafiken als auch seltene, von seinem engen Freund Pablo Picasso angefertigte Keramik­arbeiten – beide Ausstellungen sind kostenlos zu besichtigen.

Waren eng befreundet: Joan Miró und Pablo Picasso (v. r.).

Spaziert man durch das Städtchen, vorbei an der Kirche Sant Bartomeu, die von Antoni Gaudís Schüler Joan Rubió i Bellver entworfen wurde, fallen einem Zitrusbäume und viele kleine Läden auf, in denen der köstliche Vitaminspender frisch gepresst angeboten wird. Hier kommt sie also her, „die Königin der Saftorangen“.

Die Tram in Soller.
Foto: Pedro Coll / ATB

La Canoneta – hässlich und so gut

Sie ist nicht gerade schön, und sehr groß sind die Früchte auch nicht. Dennoch wird man ihren Saft, einmal getrunken, nicht mehr vergessen. Man sagt, schon Louis XIV. hat an seinem Hof nur diese Sorte aus Mallorca akzeptiert. La Canoneta wurde um 1800 als Konkurrenz zu den Navel-Orangen, die im Inneren Mallorcas angebaut werden, von den Sóllericas gezüchtet und bis heute wächst sie ausschließlich im fruchtbaren Tal von Sóller, geschützt von den umliegenden Felsmassiven in einem wasserreichen Garten Eden. Einblicke in die vielen Gärten gewährt eine zweite Nostalgie-Bahn, die den Port de Sóller durch eine fünf Kilometer lange elektrische Straßenbahn anbindet. Mit ihr geht es durch das fruchtbare Hochtal, ringsum Berggipfel, es duftet in den offenen Tram-Wagen nach Zitrus und frischem Grün. Nach einer etwa 30-minütigen Fahrt rattert man auf der Strandpromenade entlang, und die luftige Fahrt endet am kleinen Hafen neben Yachten und Fischerbooten im Hafen von Sóller.

Port de Soller

Das Fischerdorf zu Füßen

Über der Bucht thront eines der besten Luxushotels der Insel: das Jumeirah Port Sóller, welches sich voll und ganz den Canoneta-Orangen verschrieben hat. Vom frischgepressten Glas beim Check-in über eine Holzschale mit den Früchten auf jedem Zimmer bis zur Orangenmarmelade aus der hoteleigenen Produktion. Im über 2.200 Quadratmeter großen Spa werden Gäste mit Orangenblüten-Öl verwöhnt und auf Wunsch können sogar die lokal bewirtschafteten Plantagen und Produktionsstätten besucht werden.

Jumeirah Port Soller Hotel & Spa
Calle Bélgica, Port de Sóller, www.jumeirah.com

Erbaut auf einer Klippe über dem Port de Sóller, scheint die Hotelanlage mit dem Berg zu verschmelzen und kann mit Ausblicken aufwarten wie kein zweites Hotel auf Mallorca: das Tramuntana Gebirge (ein Weltkulturerbe) im Rücken, das lebhafte Fischerdorf zu Füßen – und nach vorne nichts als Blau, so weit das Auge reicht. Bewundernswert ist auch die zeitgenössische Kunstsammlung des Hotels, die bei zehn Künstlern der Balearen in Auftrag gegeben wurde und über 400 Werke – von Malerei, Fotografie bis Skulptur – umfasst.

Über der Bucht thront das Jumeirah

 

Tipps für Lunch & Dinner

 

Lume & Co – Ein Paradies für Meat Lovers

Camí dels Reis 64, Palma, www.lumerestaurante.com

Vor einem Jahr eröffnet, bietet das Restaurant mit einem Mix aus dem rustikalen Ambiente mallorquinischer Natursteinwände und einem skandinavisch angehauchten Interieur die optimale Kulisse für Fleischgenuss allerhöchster Qualität. Von Black Angus über Galicisches Blondvieh bis Wagyu – alle Sorten sind zu 100 % nachhaltig, ohne Antibiotika, Hormone oder Zusatzstoffe aufgezogen und werden, perfekt vom Argentinier Gonzalo Chávez gebraten, serviert. Aber auch Nicht-Fleischesser kommen bei Fisch, typisch mallorquinischem Pulpo oder Ceviche voll auf ihre Kosten.

 

Cap Roig – Meer, so weit das Auge reicht

Calle Belgica, Jumeirah Port Soller
www.jumeirah.com

Hier verschwimmt das Blau des Ozeans am Horizont mit der Farbe des Himmels: Viel schöner als auf der großen Terrasse dieses legeren Restaurants mit Blick über Port Sóller kann der Sundowner kaum genossen werden. Benannt nach dem örtlichen Drachenfisch, der für seine auffällig rote Farbe und den intensiven Geschmack bekannt ist, serviert man hier fangfrische Köstlichkeiten und bietet eine große Wein­auswahl mit Schwerpunkt auf den heimischen Trauben Mallorcas. Wer entspanntes Fine Dining in romantischem Ambiente sucht, ist hier genau richtig.

 

El Olivo – Filmreifes Ambiente mit Blick auf Deià

Carrer son Canals, Deià, www.belmond.com

Inmitten der malerischen Bergregion und mit Blick auf das Künstlerdorf Deià ist das El Olivo ein Rückzugsort wie aus einer Filmkulisse, dessen preisgekrönte Küche zu den besten Adressen Mallorcas zählt. Und nimmt man erst einmal auf der Terrasse unter der mit Jasmin bewachsenen Pergola Platz, weiß man auch, warum. Drinnen hängen Bilder von Miró und einheimischen Künstlern und Küchenchef Guillermo Méndez zaubert das Beste der mediterranen und mallorquinischen Küche auf die kunstvoll gestalteten Teller. Ein Traum: die in Salz gekochten Garnelen aus Sóller.

Foto: Tyson Sadlo

 

Fera – Geschmack für alle Sinne im Herzen von Palma

Carrer son Canals, Deià, www.belmond.com

Versteckt in einer kleinen Gasse in einem spektakulär restaurierten Altstadtpalast liegt das Fera, an dessen Herd der Österreicher Simon Petutschnig steht und einen Mix aus mediterraner und asiatischer Küche kredenzt. Zu seinen Klassikern gehören Austern mit Lachs-Kaviar, Ingwer und Apfel oder das Angus-Rind mit Nori-Algen, Trüffel und Olive. Die Weinauswahl ist außergewöhnlich und bietet über 60 handverlesene Tropfen. Das Lokal glänzt mit einer Kunstsammlung mit Skulpturen, Fotografien, Gemälden und speziell auf die Räumlichkeiten abgestimmten Installationen.