Start Featureshome Großes Jubiläum im Theater der Möglichkeiten

Großes Jubiläum im Theater der Möglichkeiten

Alfred Haidacher blickt trotz gekürzter Förderungen optimistisch in die Zukunft des ältesten Kel-lertheaters Europas Foto: Furgler

Das TiK feiert 75-jähriges Bestehen: Mit der Uraufführung von „Graz liegt am Meer“ beschenkt das Theater im Keller sich selbst und sein Publikum.

Termin der Festpremiere zum 75-Jahr-Jubiläum ist der 16. Oktober. „Das eigentliche Ereignis ist dabei wie immer am TiK das Stück selbst und nicht das Brimborium von Wichtigkeit und Verkaufbarkeit, welcher Art auch immer“, so Alfred Haidacher, Kopf des Theaters im Keller, das 1945 unmittelbar nach dem Krieg von Harald Kopp und Ingobert Wampera als „Grazer Laienspiele“, später „Probenkammer der steirischen Jugend“ gegründet wurde. Das heutige Theater im Keller hat sein Geburtsdatum als kontinuierlich arbeitendes freies Theater – und damit dienstältestes in Europa – mit der Vereinsgründung am 21. September 1951. Um 1975 übernimmt Norbert Hainschek die Leitungsagenden, die er bis 2005 (seit Mitte der 90er-Jahre gemeinsam mit Alfred Haidacher) innehat. Mehr und mehr wird das TiK zu einer Begegnungsstätte für Profis wie Schauspielanfänger und zu einem Ort für Nachwuchsarbeit. „Noch immer ist es ein ,Theater der Möglichkeiten‘, das grundsätzlich allen Interessierten offensteht“, so Haidacher. Ein Theater, das Unbekanntes aus dem Schatten holt und in seinem Labor theatralische Formensprache(n) sucht und untersucht, die den jeweiligen Gegenstand adäquat, erhellend und unterhaltend darstellt. Die freie Szene in Graz würde es in ihrer heutigen Gestalt ohne die Pionierarbeit des TiK wohl so nicht geben.

Alexander Kropsch führt Regie bei der Auftragsarbeit Graz liegt am Meer
Foto: Nicolas Galani

Jubiläum im Zeichen des Sparens

Und doch gibt es nicht nur Grund zu feiern. „Als das Fest zum 75er näher rückte, ahnte noch niemand, dass das Land Steiermark – das uns vor fünf Jahren noch das Steiermärkische Landeswappen verliehen hatte – die Unterstützung um knapp 30 % kürzen würde“, so Haidacher. „Deshalb feiern wir so sparsam wie nur möglich.“ Gespart werden soll aber nicht bei der zukünftigen Arbeit. Weiterhin steht das Haus für steirische Verwurzelung im urbanen Graz, mit Blick über die Grenzen und als offener Begegnungsraum mit kritischem Anspruch. Für Auftragsarbeiten und Übersetzungen, Uraufführungen und Sprechtheater, „das sich den modernen Anforderungen weder verschließen noch ihnen hinterherhecheln möchte“, so Haidacher. Sinnbildlich dafür auch die nächste Auftragsarbeit Graz liegt am Meer, gemeinsam erarbeitet von Günter Eichberger (beinahe Hausautor), Mike Markart (zum 2. Mal am TiK) und Cordula Simon (erstmals beauftragt). Es spielt in einem fiktiven Graz, das – wie Böhmen bei Shakespeare – am Meer liegt. Alexander Kropsch (Theater Quadrat, Theaterhaus und natürlich auch im Leitungsteam des TiK) ist Regisseur. Dass die Schauspielenden zum Jubiläum aus dem Kern des derzeitigen TiK-Ensembles stammen, sollte keine Überraschung sein.

Mit einer ersten Leseprobe starteten Leo Weingerl, Alexander Kropsch, Andreas Dayé und Stephanie Laurich die Vorbereitungen zum Stück Graz liegt am Meer

„Graz liegt am Meer“
Uraufführung: 16. Oktober, 20 Uhr
Theater im Keller
Münzgrabenstraße 35, 8010 Graz
www.tik-graz.at