Das Grazer Weingut Falter Ego hat sich in wenigen Jahren einen Namen gemacht.
Text: Stefan Zavernik
Der Ausblick über Graz ist beneidenswert. Wer den Wintergarten von Gabriele Blaschitz betritt, kommt aus dem Staunen nur schwer heraus. Die Aussicht über Graz ist allerdings nicht der einzige Grund, warum sich die Hausherrin glücklich schätzen kann. Ebenso herausragend ist der Boden, auf dem ihr Weingut steht. „Mein Mann und ich waren schon immer leidenschaftliche Weintrinker“, so Gabriele Blaschitz. „Dass wir einmal selbst Wein anbauen würden, war aber ein glücklicher Zufall.“

Foto: Nikola Milatovic
Kleingrinzing am Kehlberg
Graz blickt auf eine lange, heute nahezu vergessene Weinbautradition zurück. Bereits vor mehr als 900 Jahren wurde der Weinbau erstmals urkundlich erwähnt, Rebflächen gab es in allen Randgemeinden. Insgesamt rund 190 Hektar waren mit Wein bepflanzt, knapp vierzig davon allein am Grazer Kehlberg. Kriege, günstiger Importwein und die voranschreitende Industrialisierung ließen die Weinberge jedoch zunehmend aus dem Stadtbild verschwinden. Nur die besten Lagen überdauerten die Jahrhunderte, meist im Besitz des Adels oder der Kirche. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt der Kehlberg als „Kleingrinzing von Graz“ – ein Ausflugsziel mit Buschenschänken, Aussicht und eigenem Wein. Später verschwand auch hier der Weinbau.

Foto: Andrea Renner
Als Gabriele Blaschitz gemeinsam mit ihrem Mann zu Beginn der 2000er-Jahre auf den Grazer Kehlberg zog, bot sich den beiden Weinliebhabern eine einmalige Chance. Ihnen wurde ein in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenes Grundstück mit historischen Hängen angeboten. „Als sich uns die Möglichkeit geboten hat, selbst Wein anzubauen, haben wir zugegriffen. Es war von Anfang an ein Herzensprojekt, wir wollten die alte Weinbautradition in Graz wiederbeleben.“ Mit Hannes Sabathi holte Gabriele Blaschitz einen renommierten Winzer aus der Südsteiermark an Bord. Die historischen Weingärten wurden neu ausgepflanzt – und damit ein Stück Geschichte wieder aufgegriffen.
Die Lage Kehlberg, eine Welt für sich
„Als ich das erste Mal die Hänge gesehen habe, war ich von der Idee sofort begeistert“, erklärt Hannes Sabathi. „Ein Grazer Stadtwein hat der Steiermark gefehlt. Zu Beginn hat mich vor allem die historische Dimension dieses Projekts fasziniert. Der Grazer Stadtwein war keine neue Idee, wir haben sie vielmehr wiederentdeckt. Als ich mich in weiterer Folge mit dem Boden beschäftigt habe, wurde mir aber schnell bewusst, dass wir hier darüber hinaus einen Wein machen können, wie es ihn in der Steiermark kein zweites Mal gibt.“ Denn der Kehlberg ist geologisch eine Ausnahme. Während weite Teile der Steiermark von marinen Ablagerungen geprägt sind, tritt hier Dolomitgestein zutage – hart, kantig, mineralisch. „Das ist eine Welt für sich“, beschreibt Sabathi die Lage. Diese Eigenheit prägt auch den Stil der Weine. Sie wirken wie geschliffen, sind geradlinig und weniger breit als viele südsteirische Vertreter. Angebaut werden Sauvignon Blanc, Gelber Muskateller und Grauburgunder. Schon der erste Jahrgang (2017), der 2018 präsentiert wurde, überzeugte bei Verkostungen und erhielt hohe Bewertungen.

Die Arbeit im Weingarten folgt klaren Prinzipien. Vieles geschieht in Handarbeit, der Umgang mit der Natur ist stets wertschätzend, grobe Eingriffe in das natürliche Gleichgewicht werden bewusst vermieden. Auf Herbizide und Insektizide wird verzichtet. „Wir merken das an der Diversität, die wir im Weingarten haben“, so Blaschitz. Tatsächlich wurde eine ungewöhnlich hohe Artenvielfalt dokumentiert, bis hin zu seltenen Insektenarten. „Falter Ego“, der Name des Weinguts, verweist darauf: Der Osterluzeifalter, ein geschützter Schmetterling, ist hier heimisch. Lange Zeit war er verschwunden, in den letzten Jahren ist er zurückgekehrt – ein Indiz für das ökologische Gleichgewicht in den Weingärten und eine Bestätigung für die Philosophie des Weingutes. Zugleich steht „Falter Ego“ für die Zusammenarbeit mit Hannes Sabathi, der sich als Winzer neben der Südsteiermark nun auch in Graz entfaltet.

Erlebnis Falter Ego
Falter Ego ist das einzige DAC-Weingut in der Steiermark, dessen Weingärten ausschließlich im Stadtgebiet von Graz liegen. Vor allem aber ist es ein Kulturort mit besonderer Lage. „Immer wieder haben wir von Kunden den Wunsch gehört, mehr über das Weingut und den Kehlberg erfahren zu wollen. So haben wir uns dazu entschlossen, ein eigenes Format dafür zu entwickeln“, so Blaschitz. Zwischen Mai und Oktober gibt es geführte Weinwanderungen vom Schloss St. Martin aus in die Hänge hinein, entlang jener Flächen, auf denen der Grazer Weinbau über Jahrhunderte präsent war. Die Wege sind steil, die Abstände zwischen den Reben eng, der Blick weitet sich mit jedem Höhenmeter. Begleitet werden die Touren von den GrazGuides, die die Geschichte der Stadt mit jener des Weinbaus verschränken. Es sind keine klassischen Verkostungsrouten, sondern Spaziergänge durch eine wiederentdeckte Kulturlandschaft. Am Ende steht die Rückkehr zum Schloss – und eine kommentierte Verkostung mit Gabriele Blaschitz. Ein kleiner Ab-Hof-Shop am Weingut ermöglicht es, die Weine unkompliziert mitzunehmen – ein Stück Grazer Weinkultur für zu Hause.

Foto: Werner Krug
Weingut Falter Ego
Ab-Hof-Shop
Am Weinhang 18, 8054 Graz
www.falterego.at













