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Das fragile feministische Wir

Elga Maly, The Lady with the cut legs, 1969 Foto: UMJ/N. Lackner

Eine Fortsetzung der Ausstellung „Ladies First!“ nimmt ab 15. Oktober Werke aus der internationalen Sammlung der Neuen Galerie Graz in Augenschein.

Text: Wolfgang Pauker

Von September 2020 bis September 2021 beleuchtete die historische Schau Ladies First! in der Neuen Galerie Graz das Kunstschaffen von Frauen in und aus der Steiermark. Mittels der Präsentation von Arbeiten ausschließlich weiblicher Provenienz aus dem Zeitraum 1850 bis 1950 unternahm man den Versuch einer Bestandsaufnahme und untersuchte, wie sich der Frauenanteil innerhalb der lokalen Künstlerschaft entwickelte. In einer Folgeausstellung – kuratiert von Günther Holler-Schuster und ­Gudrun Danzer – wird dieses Thema nun auf internationaler Ebene betrachtet. Grundlage hierfür sind Werke aus der hauseigenen Sammlung von den 1970er-Jahren bis zur Gegenwart. Auch mischen sich plötzlich einige Herren unter die Damen. Titel der Ausstellung: Ladies and Gentlemen. Die Popularität der Begrifflichkeit wirkt provokativ, ermöglicht aber gleichzeitig einen niederschwelligen Zugang und gibt der Schau die Möglichkeit, überraschende und verblüffende Einblicke in einen der wesentlichsten gesellschaftlichen Diskurse des letzten halben Jahrhunderts zu geben.

Andy Warhol, Ladies and Gentlemen (aus 10-teiliger Serie), 1975
UMJ/N. Lackner; The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./Licensed by Bildrecht, Wien 2021

Vorgefasste Denkweisen aufbrechen

Mit der zweiten Welle der Frauenemanzipation, die in den 1960er-Jahren entstand, begann sich auch die Kunst zunehmend der Stellung von Frauen und Männern in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft zu widmen. Diesen Aspekt greift nun die Neue Galerie Graz auf, durch deren Ausstellungs- und Sammlungshistorie sich unterschiedliche Prioritäten und inhaltliche Facetten ergeben haben. Denn eines möchte die Schau keinesfalls: enzyklopädisch und systematisch über die Entwicklung innerhalb des feministischen Diskurses referieren. Deshalb wurde Ladies and ­Gentlemen in fünf lose, offen gedachte und nicht hermetisch voneinander abgegrenzte Themenbereiche aufgeteilt. Nahezu vergessene Positionen nationaler wie internationaler Kunst wechseln dabei mit populären Arbeiten ab. Künstlerisch reflektiert wird auch die Selbstbestimmung in Bezug auf den Umgang mit dem eigenen Körper – sei es im Kontext des Hedonismus oder sei es die sexuelle Komponente, die nicht länger von männlichen Vorstellungen abhängig sein darf.     

VALIE EXPORT, Zyklus zur Zivilisation, 1972
UMJ/N. Lackner; VALIE EXPORT/Bildrecht, Wien 2021

Eröffnung: 14.10.2021, 19 Uhr
Zu sehen bis 30.10.2022

Neue Galerie Graz, Joanneumsviertel, 8010 Graz

www.neuegaleriegraz.at