Start Featureshome A Walk in the Park

A Walk in the Park

Unterwegs im Green Park

Der späte Frühling ist eine der schönsten Jahreszeiten, um London zu besuchen. Ihre majestätischen Parkanlagen verzaubern dann glückliche Spaziergänger. Für Gäste des Lanesboroughs liegen einige der schönsten gleich vor der Haustüre.

Text: Stefan Zavernik

Es heißt, vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Großbritannien noch mehr als 30.000 Butler. An ihren Wirkungsstätten, zumeist herrschaftliche Anwesen, verwalteten sie Weinkeller, Esszimmer und Speisekammern, in erster Linie aber managten sie als Führungspersonen das restliche Hauspersonal. Ihre Herren begegneten ihnen mit Respekt. Die Kunst des Dienens fußt in Großbritannien bis heute auf würdevoller Tradition. Englische Butler gelten als die besten der Welt. Sie werden an renommierten Schulen fachkundig ausgebildet, sind im Dienst stets elegant gekleidet, zurückhaltend, immer pünktlich und wissen Geheimnisse für sich zu behalten. Doch die Zeiten, in denen Adelsfamilien und Großbürger für ihren herrschaftlichen Lebensstil ein ganzes Heer an Bediensteten unterhielten und der Butler zum guten Ton gehörte, sind Geschichte. Wer sich heute einen solchen Angestellten privat leisten kann, lebt in England entweder im Dunstkreis der britischen Königsfamilie oder ist ernstzunehmend reich.

The Lanesborough London
Hyde Park Corner
London SW1X 7TA
www.oetkercollection.com

So wurde der englische Butler zu einem ultimativen Statussymbol – noch weit vor dem Bentley oder der Hochseejacht. Das Lanesborough ­Hotel versteht sein inkludiertes Rund-um-die-Uhr-Butler-Service dennoch als eine Selbstverständlichkeit und bietet es für sämtliche Zimmerkategorien an. Es zählt zu jenen Dingen, die den Gästen das ­Gefühl vermitteln sollen, sich zu Hause fühlen zu können. Oder vielmehr an einem Ort, den man für ein ideales Zuhause als wünschenswert erachtet – wie etwa ein prächtiges Herrenhaus im Zentrum Londons, in dem keine Annehmlichkeit fehlt. Mit dieser Serviceleistung ist man in der Metropole einzigartig: Auf Wunsch werden Koffer aus- oder eingepackt, Reisekleidung aufgebügelt, Tee serviert oder auch Babywindeln besorgt. Die Gäste sollen von allen Alltäglichkeiten komplett befreit werden. Diese Rechnung geht spielend auf.

Londons sagenhafteste Hotelikone

Vermutlich ist das Lanesborough das prestigeträchtigste Luxushotel Londons, seit es 2015 nach einer zweijährigen Renovierungsphase wiedereröffnet wurde. Auch wenn die Zahlen niemals offiziell ausgegeben wurden, gilt ein Gerücht als glaubwürdig, dass mehr als 80 Millionen Pfund in das Haus investiert wurden. Dahinter stehen arabische Investoren und die Oetker Collection als Betreiber, eine weltweite Sammlung an High-End-Luxus-Hotels. Der Großteil seiner Räumlichkeiten erinnert in seiner Pracht an den Edelflügel des Buckingham Palace. Die komplette Inneneinrichtung ist eine Hommage an den Regency-Stil und wurde von Alberto Pinto entworfen. Viel Marmor, mächtige Säulen, jede Menge Samt, edle Teppiche, pastellfarbene Tapeten, an den Wänden unzählige Alte Meister aus der hoteleigenen Sammlung, gigantische Kristallluster und antike, wertvolle Möbel wohin das Auge blickt. Hätte George IV. dieses Hotel zur Verfügung gehabt, wäre es vermutlich fraglich gewesen, ob er wirklich in den Buckingham Palace gezogen wäre und sich den Umbau des damals noch bescheidenen Regierungssitzes angetan hätte.

Luxuriöser und annehmlicher kann eine Ausstattung auch mit viel Fantasie nicht mehr werden. Die Superlative beginnen bereits im Kellergeschoß. Durch einen eigenen Aufzug erhalten Club-Mitglieder und Hotelgäste Zugang zum Lanesborough Club & Spa, einem auf etwa 2.000 m2 angelegten Fitness- und Wellness-Palast, der in Großbritannien als einzigartig gilt. Modernste Fitnessgeräte, bestens geschulte Trainer und seit Neuestem weltberühmte Spitzensportler, die man für private Trainingseinheiten buchen kann. Nach dem Sport stehen unterschiedliche Saunen, Erlebnisduschen und ein hochmoderner Hydro-Pool als Regenerationsoptionen bereit. Ein Besuch des Clubs in den frühen Morgenstunden weckt den Appetit und schürt die Vorfreude auf das prächtige À-la-Carte-Frühstück im prunkvollen Céleste, das mittags und abends Sterneküche von Darcio Henriques offeriert. In den Morgenstunden serviert man traditionelle englische Frühstückskultur und tischt auf Wunsch Full Englisch Breakfast aus der Sterneküche auf.

Celeste

Eine schöne Gelegenheit, diese imposanten Räumlichkeiten auf sich wirken zu lassen, ist auch der Five-O‘-Clock-Tea mit kunstvoll zubereiteten Sandwiches, erlesenem Tee und allerhand Süßem. Die Krone setzt dem Haus aber zweifellos seine Royal ­Suite auf. Nahezu 500 m2 groß mit sieben Schlafzimmern und einem gigantischen Speisezimmer, in dem bis zu 12 Personen tafeln können. Vom Wohnzimmer aus hat man klare Sicht auf die Gärten des Buckingham Palace. Bis zu 30.000 Euro kann sie in der Hochsaison pro Nacht kosten, das Frühstück ist im Zimmerpreis nicht inkludiert, dafür ein Rolls Royce Phantom mit Chauffeur. Wer selbst fahren möchte, hat die Qual der Wahl, im Fuhrpark des Hotels finden sich auch ein sportlicher Ferrari GTC 4 Lusso, ein McLaren 570s oder ein schnittiger Lamborghini Urus. Gäste anderer Zimmerkategorien werden von diesem Angebot nicht ausgeschlossen, müssen dafür aber extra bezahlen. Die Mietpreise für die exquisiten Wägen beginnen bei ca. 800 Euro pro Tag. Bei allem ausufernden Luxus bleibt das Lanesborough letzten Endes aber einfach ein elegantes Gesamtkunstwerk.

From the Photography for The Lanesborough, Oetker Collection., , , , , on September 17, 2015. © Dominic James | www.dominic-james.com

Nichts wirkt aufgesetzt, alles ist stimmig, authentisch und vor allem wahnsinnig gemütlich. Bei einem Drink in der stylishen Library Bar stellt sich auf Anhieb Wohnzimmeratmosphäre ein. Seine ganze Klasse blitzt oftmals schon in kleinen Details auf, etwa bei den herrlich duftenden Badezimmerprodukten, der Art, wie die Betten gemacht werden, oder dem schweren Silberbesteck am Frühstückstisch. Logischerweise kommt dem Service in solchem Rahmen eine besondere Bedeutung zu, von den Doormen über die Rezeption, den Kellnern und Barkeepern bis zu den Butlern wird er als Kunstform betrieben.

Das Wohnzimmer in der Royal Suite

Die königlichen Parks

Gründe, um nach London zu reisen, gibt es unzählige. Weltberühmte Museen voller Kunstschätze und spannender Geschichte, Mode, Musik, einige der mondänsten Einkaufsstraßen der Welt, das Zuwinken der Queen oder schlicht das glitzernde Lebensgefühl der Stadt. Und dann sind da noch ihre Parks. Sie zählen zu den beeindruckendsten der Welt. Die berühmtesten von ihnen sind die acht königlichen Gärten, die einst alleinig dem Adel vorbehalten waren und ihnen als Erholungsgebiete dienten. Heute steht es jedem frei, seine Zeit in ihnen zu verbringen und sich von ihrer Schönheit inspirieren zu lassen. Zu ihnen zählen der Bushy Park, der St. James Park, der Greenwich Park, der Hyde Park, die Kensington Gardens, der Regent’s Park, der Richmond Park und last but not least der schmucke Green Park. An einem milden Frühlingstag, mit etwas Glück bei blauem Himmel und wohligem Sonnenschein, kann schon ein vormittäglicher, lockerer Spaziergang durch diese überschaubare, im Verhältnis regelrecht klein wirkende Anlage zu jenen Erlebnissen werden, für die man London lange Zeit dankbar in Erinnerung behält.

Hyde Park

Speziell wenn man ihn über den Hyde Park Corner hindurch durch den Wellington Arch, vorbei an den Memorial Gates betritt. Er präsentiert sich dann wie ein verträumtes Landschaftsgemälde mit Blumenwiesen, sanften Hügeln und riesigen alten schattenspendenden Platanen. Nach nur wenigen Schritten befindet man sich in einer anderen Welt, das laute London scheint fern – die Welt wirkt so friedlich, als wäre man im Auenland aus Herr der Ringe angekommen. Der Green Park liegt zwischen dem Hydepark und dem St. James Park. Gemeinsam mit den Kensington Gardens bilden diese vier Meisterleistungen der Gartenkunst eine über vier Kilometer lange, nur durch wenige Straßen unterbrochene grüne Oase im Zentrum Londons. Ideal für einen ausgedehnten Spaziergang oder eine Joggingeinheit. Die hohe Kunst, die Natur in Szene zu setzen, ohne dabei künstlich zu wirken, findet in ihnen ihren perfekten Ausdruck. Diese zu genießen ist für sich eine Reise wert.       

Kunst in London: Ausstellungs-Highlights im Frühling 2020

Titian – Love, Desire, Death

Titian (Italian, 1488-1576), Rape of Europa, 1562. Oil on canvas, 178 x 205 cm (70 1/16 x 80 11/16 in.) Isabella Stewart Gardner Museum, Boston

Titians sinnliche Interpretation von klassischen Mythen der Liebe, Versuchung und Bestrafung, die er 1551, beauftragt vom späteren König Philip II., angelehnt an Ovids Metamorphosen anfertigte, werden in dieser einzigartigen Schau erstmals seit 40 Jahren gemeinsam gezeigt werden und bezeugen das bemerkenswerte Talent dieses großen Künstlers sowohl als Maler als auch Geschichten­erzähler. Die Szenen bilden großes Drama ab und Titian selbst bezeichnete seine Arbeiten als grafische Poesie.

Zu sehen von 16. März bis 14. Juni 2020 in der National Gallery

www.nationalgallery.org.uk

Steve McQueen

Steve McQueen, 2aSHES2

Die Tate Modern widmet dem Künstler (Turner-Preis 1999) und Filmemacher (Oscar 2013 für 12 Years a Slave) Steve McQueen die erste große Schau seit 20 Jahren. Zu sehen sind großformatige ­Videoinstallationen sowie neue Arbeiten dieses Künstlers, der die Art, mit dem Medium Film Kunst zu schaffen, nachhaltig veränderte und den Weg für bewegte Bilder in die Galerien ebnete. Seine Arbeiten sind ergreifende und provozierende Portraits von Zeit und Raum mit unerschütterlichem Blick auf aktuelle Themen.

Zu sehen bis 11. Mai 2020 in der Tate Modern

www.tate.org.uk

Picasso and Paper

Pablo Picasso hat Papier nicht nur bemalt, er hat es zerrissen, verbrannt oder dreidimensionale Skulpturen daraus geschaffen. Er experimentierte mit Zeitungspapier und Servietten, verbesserte über die Jahrzehnte seine Drucktechnik und sammelte wertvolle Papierarten aus aller Welt. Diese Schau zeigt nun 300 Arbeiten auf und aus Papier und spannt einen Bogen über die gesamte Karriere dieses Ausnahmekünstlers, in dessen Schaffensprozess man durch weiterführendes Archiv- und Dokumentarmaterial tief eintaucht.

Zu sehen bis 13. April 2020 in der Royal Academy of Arts

www.royalacademy.org.uk