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Kunstuni Graz: Das Cello singen lassen

Foto: schubiduquartet.com

Premiere! Mit der ersten Ausgabe des neuen Cello-Wettbewerbs „Anna Kull“ bringt die KUG den internationalen Cello-Nachwuchs nach Graz. „Suonare cantante“ – zu Deutsch „singend spielen“ – lautet das Motto.

Ein „schöner, weicher Ton, elegante Spielweise, namentlich ein herzenswarmes Cantabile“ wurden vom Kritiker der Neuen Zeitschrift für Musik am 6. April 1860 voll Bewunderung hervorgehoben. Die schwärmerischen Worte galten dem Spiel einer jungen Schweizer Cellistin. Ihr Name: Anna Kull. Frauen am Cello galten zu jener Zeit als große Seltenheit, Anna Kull war als eine der ersten bekannten Cellistinnen der Musikgeschichte Pionierin – und zudem ein „Wunderkind“. Als Anna Ludwika Kull am 21. Oktober 1841 in Klausenburg (damals Siebenbürgen, heute Cluj-Napoca in Rumänien) geboren, wuchs sie in einer adeligen und musikalischen Familie in der Schweiz auf. Ihr Talent wurde früh entdeckt. Außergewöhnlich für diese Zeit war auch, dass sie – als Frau im öffentlichen Konzertleben – bald in ganz Europa präsent war. Unter anderem gab Kull Konzerte in Deutschland, England, Frankreich, Österreich und der Schweiz, in London hatte sie für kurze Zeit auch ihren Wohnsitz.

Foto: Johannes Gellner

Ab ca. 1860 stand die Musikerin jedoch nur mehr selten auf der Bühne – vermutlich aus Angst der Eltern um ihre Gesundheit. Umso interessanter erscheint es, dass sie eines ihrer raren Konzerte, eine Wohltätigkeitsveranstaltung, in Graz gab: am 6. Dezember 1877 gemeinsam mit Richard Sahla, Violine, und Pianistin „Frl. Piersch“. Anna Kull starb 1923, im Alter von 82 Jahren, in Trient (Italien). Ihr Instrument vererbte sie der Stadt Graz, was den persönlichen Bezug der Cellistin zur Murstadt unterstreicht und auch zum Anlass für die Namensgebung dieses Wettbewerbs wurde. Dessen Motto „suonare cantante“ ist der eingangs erwähnten Konzertkritik entlehnt.

Cello Duello

95 Cellistinnen und Cellisten

Beim ersten Internationalen Cello-Wett­bewerb „Anna Kull“ an der Kunstuniversität Graz stellen sich von 10. bis 22. Februar 95 junge Cellistinnen und Cellisten aus 30 Nationen einer hochkarätig besetzten Jury. „Wir haben unter den Anmeldungen auch sehr viele österreichische Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesehen“, freut sich Anke Schittenhelm. „Das ist genau, was wir erreichen wollten. Und sie haben sich tatsächlich angesprochen gefühlt von unserer Aussage, dass wir das singende Spiel unterstützen möchten.“ Schittenhelm, selbst Geigerin, ist Vorständin des Instituts für Saiteninstrumente an der Kunstuniversität Graz und hat den Wettbewerb initiiert. Geboren wurde die Idee nicht zuletzt aus dem Bedürfnis heraus, jene Leerstelle zu füllen, die der Liezener Cello-Wettbewerb vor einigen Jahren durch sein Ende nach mehr als 20 erfolgreichen Ausgaben hinterlassen hatte.

Oper Graz

Der Internationale Cello-Wettbewerb „Anna Kull“ positioniert sich als Jugendwettbewerb und wird für drei Altersgruppen (2020 die Jahrgänge 2000-2006) an der KUG ausgetragen. In drei öffentlich zugänglichen Durchgängen stellen sich in diesen 12 Tagen die jungen Cellistinnen und Cellisten der Jury, die mit Julian Arp, David Geringas, Monika Leskovar, Milos Mlejnik, Gergely Mohl, Ditta Rohmann, Wen-Sinn Yang und Anke Schittenhelm (Vorsitz) prominent besetzt ist.

Jeder Auftritt ist öffentlich

„Wir haben den tollen Florentinersaal für die erste Runde, das TiP für die zweite und dritte Runde und dann die Oper“, betont Anke Schittenhelm. „Jeder Auftritt ist öffentlich“, es gibt jeweils ein Tagesprogramm, dem man genau entnehmen kann, wer wo auftritt. Wir würden uns wirklich freuen, wenn es eine Unterstützung von Publikumsseite gäbe, weil dann die Atmosphäre konzertähnlicher ist. Wenn niemand da sitzt, gibt das eher eine Prüfungsatmosphäre – und das sollte nicht sein.“ Zudem umrahmen zwei Konzerte mit namhaften Cellisten den Wettbewerb: Jens Peter Maintz und Wolfgang Emanuel Schmidt sind als Cello Duello am 13.2. im MUMUTH zu erleben, David Geringas tritt mit seinem Programm Bach plus am 16.2. im Florentinersaal auf. Zum krönenden Abschluss geben die Preisträger des Wettbewerbs am 22. Februar 2020 gemeinsam mit den Grazer Philharmonikern unter Ingo Ingensand ein Gala­konzert in der Oper Graz. (Tickets unter www.ticketzentrum.at) Gewinnen werden bei diesem Wettbewerb alle Teilnehmenden. Neben Coachings für ausgeschiedene Teilnehmer und dem Feedback der Juroren erwartet sie auch die Karriereberatung von Andreas Vierziger. Den Gewinnern winken darüber hinaus zahlreiche Sonderpreise und Auftrittsmöglichkeiten – u. a. Konzerte bei der Jeunesse, mit den LGT Young Soloists im Musikverein Graz im Musikverein Graz oder bei der styriarte.

David Geringas
Foto: Kaupo Kikkas

Alle Infos und Zeitpläne unter stringcompetition-kug.at, cellocompetition@kug.ac.at, 0316 389 1900

Alle Wettbewerbs-Durchgänge bei freiem Eintritt zugänglich!

Eintrittskarten Rahmenprogramm:

Tickets für Cello Duello (13.2.2020) im Zentralkartenbüro (0316 830 255) und an der Abendkasse

Zählkarten für David Geringas (16.2.2020) unter tickets@kug.ac.at

Tickets für das Galakonzert in der Oper Graz (22.2.2020) unter www.ticketzentrum.at