Start Kunst & Kultur „Erlaubent, Schas, sehr heiß bitte!“

„Erlaubent, Schas, sehr heiß bitte!“

Eva Weutz

Nach dem erfolgreichen Gedankenkarrussel „Siedende Gehirne“ verfolgt das TiK 2020 eine neue Mission und holt H. C. Artmann zurück auf die Bühne.

Text: Bettina Leitner

Nachdem das skurrile, aber äußerst sehenswerte Stück „Siedende Gehirne“ von Günter Eichberger eine sehr erfolgreiche Produktion war, kann das Grazer Theater in Keller zufrieden auf das ausklingende Jahr zurückblicken. Eichbergers Werk präsentierte sich als eine Collage aus klassischen Shakespeare-Elementen, deren Parodie und sinnlichen Gedanken, die sich schlussendlich um die alles-entscheidende Frage drehten: Und wenn da niemand wäre? Das Stück endete mit einem Ineinanderfließen aller dargestellten Welten und einer Fusion von Realität und Traum. Das TiK wird im nächsten Jahr ebenso von Träumen erzählen, jedoch von welchen, mit ganz anderen Phantasien.

TiK „[S]pielt Artmann!“

Um zu verhindern, das H.C. Artmann – einer der größten österreichischen Dichter der Moderne – zu Unrecht auf ein Abstellgleis geschoben wird, hat das Theater im Keller beschlossen, Artmann wieder ins Gedächtnis der Menschen zu rufen, weshalb in den nächsten Jahren in loser Folge einzelne Produktionen auch diesem literarischen Giganten gewidmet werden sollen. Den Anfang macht dabei „Erlaubent, Schas, sehr heiß bitte!“, das als ursprünglich geplanter Einakter in einer feinen Umdeutung des TiK zu einem abendfüllenden Stück wird. Das Setting liegt „in einem Wiener Kaffeehaus, einer Mischung aus Vorstadt und Surrealismus, einer Idylle, in der Träume genauso beschworen werden wie Horrorvisionen“. Dieses Kaffeehaus bevölkern die unterschiedlichsten Charaktere – Archetypen, die wie artifizielle Figurenkonstrukte anmuten und die oft Menschen aus dem „wahren Leben“ zum Verwechseln ähnlich sehen. Diesem Fundament entwachsen Handlungsstränge, die durchaus nicht immer unproblematische Züge der österreichischen Geschichte wie des damaligen Nationalcharakters aufweisen, ohne dabei veraltet zu wirken. Zutrage tritt außerdem eine besorgniserregende Neigung zum Rechtsradikalismus einiger Protagonisten; ein Thema, welches zunehmend wieder an Aktualität gewinnt und zu einem Gesamtproblem des „Westens“ geworden ist.

„Die Vertriebenen“

… von Martin G. Wanko werden als zweite große Produktion des TiK im Frühjahr 2020 zu sehen sein. Bei diesem Stück handelt es sich um ein Projekt, welches im Rahmen des Grazer Kulturjahres 2020 mit Unterstützung der Stadt Graz ermöglicht wurde: Die beiden Protagonisten Herbert und Agnes hielten sich eigentlich für tolerante, bildungsbürgerliche und aufgeschlossene Menschen mit sozialem Bewusstsein – bis über ihrer Wohnung Flüchtlingsfamilien einquartiert werden. Anfangs geht noch alles gut, doch mit der Zeit spitzt sich die Lage durch eine mehrköpfige Familie, die nun einmal mehr Lärm macht, drastisch zu. Die einzige Lösung für Agnes und Herbert stellt das Verlassen der Wohnung dar. „Die Vertriebenen“ fühlen sich zu dieser Entscheidung gezwungen und sehen die Situation eindeutig. Doch dieses Stück wertet nicht; es ist ein Dampfkessel; es stellt Fragen: Wie sieht man politische Entscheidungen, wenn sie einen persönlich treffen? Wie geht man mit neuen Situationen um und vor allem was darf gedacht werden?“         

„Erlaubent, Schas, sehr heiß bitte!“

Premiere: Mi. 12.2.2020

Tickets unter: 0664 973 31 84 oder auf www.tik-graz.at