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Mein Traumhaus sind Luftschlösser

Eine medienübergreifende Ausstellung legt den Fokus auf die Wohnbausiedlung Gerlitzgründe des innovativen Architekten Eilfried Huth. Die Steirische Kulturinitiative kooperiert mit dem Forum Stadtpark im Rahmen seines 60. Bestandsjahres.

Der österreichische Architekt Eilfried Huth (*1930 in Pengalengan/Indonesien) war von der humanen Vision inspiriert, dass erst ein persönlicher Bezug zu Objekten deren ästhetische Erfahrung ermögliche. Daraus entwickelte er einen emanzipativen Planungs- und Bauprozess für den Wohnsiedlungsbau, der ArchitektInnen und künftige BewohnerInnen auf Augenhöhe begegnen lassen sollte. In der Eschensiedlung (Deutschlandsberg/Öster­reich) wurde sein Konzept gemeinsamer Planung ab 1972 erstmals im Maßstab 1:1 mit dem damaligen Bürgermeister und späteren Langzeit-Landesrat Christoph Klauser erprobt. Zeitgleich mit der zweiten Bauphase der Eschensiedlung begann Huth im Jahr 1975 mit seinem zweiten partizipativen Wohnprojekt, den Gerlitzgründen in Graz-Puntigam. Hier sollte in der ersten Bauphase (30 Häuser) vor allem ökonomisch schwachen Familien die Möglichkeit gegeben werden, am Projekt teilzunehmen.

Kunst an sozialen Schnittstellen

Die Grazer Künstlerin Julia Gaisbacher, selbst aufgewachsen in der Terrassenhaussiedlung St. Peter der Werkgruppe Graz, beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit sozialen Schnittstellen und Kontexten innerhalb der gebauten Umwelt. Ihr Interesse liegt dabei auch in der Rezeption und heutigen Nutzung architektonischer Modelle ab den 1960er Jahren. Seit 2016 widmet sie sich in diesem Kontext gemeinschaftlichen Wohnbauprojekten des österreichischen Architekten Eilfried Huth. Über die Eschensiedlung entstand im Auftrag des Kunsthaus Graz 2017 für die Ausstellung Graz-Architektur und im Austausch mit Eilfried Huth eine umfangreiche künstlerische Analyse des Siedlungsprojekts und seiner Bewohner.

Teilhabe ist mehr als Besitz

In drei Zugängen betrachtet die international tätige Künstlerin den damaligen partizipativen Planungsprozess sowie das Verhältnis der Bewohnerinnen und Bewohner zu der Siedlung in Graz-Puntigam im Lauf der Zeit: Eine Fotoserie analysiert auf formalästhetischer Ebene die Vielfalt der individuellen Gestaltung der Gebäude, ein arrangiertes Materialarchiv gibt Einblick in die Perspektive der Bewohner und des Architekten. Und im Rahmen vertiefender Gespräche zwischen Eilfried Huth und ­Doris Pollet-Kammerlander entstand ein filmisches Portrait des Architekten in Zusammenarbeit mit Julia Gaisbacher und dem Filmemacher Ulrich A. Reiterer. An drei Abenden wird mit Gästen unterschiedlicher Zugänge zum Thema partizipatives Wohnen von innen und außen, im Blick auf Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges diskutiert.

Mein Traumhaus sind Luftschlösser (zit.: Eilfried Huth)

Ausstellung von Julia Gaisbacher

Produktion: Steirische Kulturinitiative, Begleitende Dokumente von Eilfried Huth und den Bewohnerinnen der Gerlitzgründe

Vernissage: 22. August, 19 Uhr

zu sehen bis 6. September, Forum Stadtpark

Varietäten I/II/III
Gespräche über partizipativen Wohnbau

 

Filmscreening „Mein Traumhaus sind Luftschlösser“, Julia Gaisbacher und Ulrich A. Reiterer

Das Wohnprojekt Gerlitzgründe, Graz-Puntigam, und frühe Bemühungen für einen partizipativen Wohnbau

Julia Gaisbacher (Fotografin, Wien), Eilfried Huth (Architekt), Ulrich A. Reiterer (Filmemacher, Wien), Barbara Steiner (Kunsthaus Graz), Irmfried Windbichler (Architekt); Moderation: Heidrun Primas (Forum Stadtpark)

23. August, 19 Uhr, Forum Stadtpark

Partizipativer Wohnbau damals/heute – Eschensiedlung (Deutschlandsberg), Gerlitzgründe (Graz-Puntigam), Modell Steiermark u. a.

Wolfdieter Dreibholz (Architekt, Modell Steiermark), Werner Hollomey (Architekt), Eilfried Huth (Architekt), Lotte Schreiber (Filmemacherin, Wien), Iris Zechner (Bewohnerin Wohnprojekt Wien); Moderation: Ida Pirstinger (IG Architektur Österreich)

30. August, 19 Uhr, Forum Stadtpark

Zukunft des partizipativen Wohnbaus

Alexander Daum (angefragt, ENW), Jezko Fezer (Architekt, Hamburg), Julia Fröhlich (Wohnlabor), Doris Pollet-Kammerlander (Initiative für ein unverwechselbares Graz), Julia Wohlfahrt (Stadtteilmanagement Reininghaus); Moderation: Markus Bogensberger (HDA Graz)

6. September, 19 Uhr, Forum Stadtpark