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Schloss Trautenfels präsentiert alpine Sonderausstellung

Foto: N. Lackner

Seit jeher fasziniert der Mythos Mount Everest die Menschen. Steirische Alpinisten erinnern sich an ihre Abenteuer auf den höchsten Gipfeln der Welt. Mit spektakulären Bildern und originalen Ausrüstungsgegenständen werden ihre einzigartigen Geschichten lebendig.

Text: Tabea Hänsel

„Bergsteigen ist mehr als nur Sport oder das Erreichen eines Ziels. Es ist vor allem hochgradige Persönlichkeitsentwicklung, ebenso auch Emotion, Erlebnis und das Wahrnehmen der Dinge um einen. Jeder Schritt in Richtung Gipfel war niemals anstrengend, sondern eine Freude und gleichzeitig hat es mir wahnsinnig Spaß gemacht, die Natur, andere Kulturen und die Menschen vor Ort kennenzulernen“, erzählt der Gipfelstürmer und Kurator ­Robert Schauer bei der aktuellen Sonderausstellung im Schloss Trautenfels. Der gebürtige Grazer gilt als Bergsteiger-Legende: Er stand am 3. Mai 1978 mit den ersten Österreichern am Gipfel des höchsten Berges der Erde – dem Mount Everest. Die Achttausender galten jedoch lange Zeit als unbesteig- und unbesiegbar. Der Aufenthalt des Menschen an diesen unwirtlichen Orten mit Durchschnittstemperaturen von minus 20 Grad Celsius, starken Winden und geringem Luftdruck erschien schlicht unmöglich. Genau das spornte Robert Schauer und leidenschaftliche Alpinisten aus der Hochsteiermark und dem Gesäuse erst recht an, die Bergketten im Himalaya, Karakorum und Hindukush zu bezwingen. Auch Rudolf Ebner, Franz Mandl, Franz und Adi Huber sowie Adi Weissensteiner versuchten Mitte der 1950er Jahre den „Dritten Pol“ – wie der Mount Everest auch genannt wird – zu erreichen.

Robert Schauer
Foto: N. Lackner

Herausforderung Höhenbergsteigen

In Bild, Ton und Text erzählen diese Expeditionsbergsteiger von ihren spannenden Erlebnissen, von den Strapazen, den physischen und psychischen Herausforderungen und wie es war, wenn ein Freund am Berg sein Leben verlor. Bis dato starben allein am Mount Everest über 300 Bergsteiger auf dem Hin- oder Rückweg, schuld daran war zumeist das Wetter oder inadäquate Ausrüstung. Die Zusammenstellung der Kleidung und Hilfsgeräte erforderte früher oft kreatives Handeln. Robert Schauer trug 1978 – was heute undenkbar scheint – Bergschuhe aus mehreren Schichten Leder und Filz. Außerdem sicherten er und sein Team selbst den Weg mit Eisschrauben und vielen Metern Fixseilen ab. Wo heute geschulte „Icefall Doctors“ vom Volk der Sherpas für die Passierbarkeit des gefährlichen Khumbu-Eisbruchs am Mount Everest sorgen, verwendeten die Teilnehmer damals einfache Aluminiumleitern. Kein Google Earth, oft nicht einmal Landkarten gaben Auskunft darüber, was die Bergsteiger erwartete – Planung und Abschätzung des Risikos erfolgte stets in Eigenregie.

Foto: N. Lackner

Unbekanntes Terrain

Die Ausstellung widmet sich außerdem der jahrelangen Forschungsarbeit verschiedenster Alpinisten, die höchste körperliche Anstrengungen in Kauf nahmen, um Erfahrungen über unbekannte Regionen zu sammeln. Die in der Sonderausstellung gezeigten originalen Messgeräte lassen erahnen, wie schwer die Wissenschaftler von damals an zusätzlichem Gewicht in der dünnen Luft zu tragen hatten. Nicht alle Expeditionsversuche verliefen erfolgreich, doch Fehlschläge brachten oft wichtige Erkenntnisse über die Auswirkungen großer Höhen auf den Menschen sowie Informationen für Kartographen, Geologen und Glaziologen. Gipfelstürmer der Gegenwart profitieren von jenen mutigen Forschern bis heute.

V. l.: Hanns Schell (Bergsteiger), Katharina Krenn (Leiterin Schloss Trautenfels), Günter Riegler (Kulturstadtrat Graz), Robert Schauer (Kurator und Bergsteiger), Alexia Getzinger (kaufmännische Direktorin UMJ), Wolfgang Muchitsch (wissenschaftlicher Direktor UMJ) und Michi Pletz (VON-NEBENAN, Ausstellungsgestalter)
Foto: N. Lackner

Gipfelstürmen! auf Schloss Trautenfels

13.4.–31.10.2019 und 4.4.–31.10.2020

Kuratiert von Robert Schauer

Alle Informationen unter www.schloss-trautenfels.at