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Die neue Komödie Graz: Erster Programm-Vorgeschmack

Neu im Team: Michael Rast (Mitte) – hier mit Birgit Spuller und Urs Harnik

Die Renaissance der Komödie: Lachen verbindet – das Ensemble der neuen „Komödie Graz“ weiß das nur zu gut. Und läutet ab Herbst 2019 in der Landeshauptstadt eine neue Ära in diesem Genre ein.

Text: Pia Moser

„Wir nehmen die leichte Muse ernst“, sagt Urs Harnik. Nach der Schließung der Kleinen Komödie im Februar 2019 war es für das Darsteller-Team des traditionsreichen Theaters in der Münzgrabenstraße schnell klar, den Entschluss zu fassen, die Grazer Komödien-Tradition im Rahmen einer Theater-Neugründung wieder frisch zu beleben. Die Basis: rund 18 Jahre gemeinsame Bühnenerfahrung als führendes Komödien-­Ensemble. Urs Harnik, der nun zusammen mit Stefan Moser die Geschäftsführung der neuen Komödie Graz übernommen hat, ist Teil dieses eingespielten und spielfreudigen Teams, das ab Herbst 2019 neue Wege beschreitet.

Gute Unterhaltung

Mit einem der turbulentesten Stücke der Komödienliteratur nimmt die Komödie Graz am 12. Oktober ihren Spielbetrieb auf. ­Michael Cooneys Verwechslungs- und Verwandlungskomödie Cash – Einer zahlt immer erzählt aberwitzig von Sozialbetrug und ist mitten aus dem Leben gegriffen. Bereits mit diesem Auftakt sind Situationskomik und schlagfertige Wortspiele auf hohem Niveau garantiert. Mit zwei Stücken bzw. rund 60 Vorstellungen jährlich sieht der neu ausgerichtete Spielbetrieb der Komödie Graz auch ein Rahmenprogramm vor, das über den Tellerrand blickt – ohne die Tradition des Genres aus den Augen zu verlieren. „Wir wollen das Segment der Komödie mit einer Publikums-Begegnung verbinden und in Zeiten zunehmender Anonymisierung eine Kommunikationsplattform bieten“, betont Harnik. Gastvorstellungen in den Bereichen Musik oder Literatur werden ergänzt durch ein musikalisches Programm der ­Schauspieler nach jeder Vorstellung. Auch das Ensemble wird vergrößert: So freut man sich auf Neuzugänge wie den bekannten Kabarettisten Franz Gollner, TV-Star Michael Rast (Love Machine, Schnell ermittelt, Letzte Spur ­Berlin), Gerd A. Wildbacher oder Georg Gröchenig. Die beliebten Ensemble-Mitglieder Birgit Spuller, Michaela Haselbacher, Carola Gartl­gruber und das gesamte Technik- und Bühnenteam ist ohne Ausnahme zum neugegründeten Theater gewechselt. Regie wird Robert Persché führen, bekannt unter anderem durch seine Produktionen an der Oper Graz (zuletzt Der Zauberlehrling) und zahlreiche Musiktheater-Projekte im Stadttheater Klagenfurt und in Baden. Das Theater mit rund 210 Sitzplätzen gilt seit den 1990er Jahren als einzigartiger Ort der pointenreichen Kultur. Aktuell wird der Standort in der Münzgrabenstraße durch die Neueröffnung umliegender Lokale aufgewertet. So muss der heitere Theaterabend nach der Vorstellung nicht enden.

Humor mit Kultur

Ein Ziel wird es in den nächsten Jahren sein, auch neuere Komödienliteratur sowie musikalische Stücke auf die Bühne zu bringen. Damit sind schon jetzt Autorinnen und Autoren angesprochen, sich mit ihren Werken vorzustellen. Die Vernetzung mit der Grazer Szene strebt die Komödie Graz auch auf institutioneller Ebene an. Harnik: „Wir sind offen für Kooperationen und Austausch mit anderen Theaterbetrieben. Denn wir glauben, dass sinnvolle Partnerschaften zu einer Stärkung der Grazer Theaterszene führen können.“ Dass das Format der Komödie jedenfalls den Zeitgeist trifft, zeige aktuell der Zulauf zu Literatur, die sich mit Boulevardtheater auseinandersetzt. Eine zunehmende Komplexität der Welt und Ernsthaftigkeit im Alltag sind für den neuen Geschäftsführer der Komödie Graz wesentliche Marker für die aktuelle Renaissance des Genres. Gleich­zeitig werde im klassischen Kulturbetrieb das ­Lachen vielfach unter seinem Wert geschlagen, Komödienliteratur werde daher oftmals gegen ihre alltagsnahe und humorvolle Grundintention inszeniert. Für Harnik steht fest: „Die Komödie ist Unterhaltung. Aber nicht nur. Wenn sie ernst genommen wird, ist sie zeitkritisch, hat Zwischentöne und reflektiert durch Unterhaltung echte Haltung.“

Stefan Moser und Urs Harnik

„Cash – Einer zahlt immer“

Premiere: Sa, 12.10.2019, 19.30 Uhr

Theater der Komödie Graz, Münzgrabenstraße 36, 8010 Graz

Informationen, Spieltermine und Tickets: Tel. 0664/5369770, www.komoedie-graz.at