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Die Grazer Murinsel als Appetizer für Kunst und Kultur

Foto: Harry Schiffer

Vor gut zwei Jahren hat die Murinsel optisch und inhaltlich ihr „Facelifting“ erhalten. Seither macht sie Lust auf Kultur. „Achtzig“ sprach mit Wolfgang Skerget, City-of-Design-Koordinator und einer der beiden Graz2003-Geschäftsführer, über kulturelle Identität, ­Design und das Programm.

Text: Tabea Hänsel / Stefan Zavernik

Seit zwei Jahren wird die Murinsel mit einem eigens dafür konzipierten Programm bespielt. Das Thema Kultur spielt dabei eine zentrale Rolle. Inwieweit konnte sie sich als Kultur-Location etablieren?

Ich denke, wir haben es geschafft, die Murinsel wieder auf die kulturelle Landkarte zu bringen. Unser Ziel war es, sie als eine Art Appetizer für das Grazer Kultur­leben neu zu positionieren. Und ich meine, die Richtung stimmt, denn die Insel gibt einen guten Vorgeschmack darauf, was in Graz kulturell so alles passiert. Anfangs war es durchaus herausfordernd, neue Wege zu gehen, denn die Murinsel lag programmatisch doch lange Zeit brach. Seit Februar 2017 versuchen wir, ihr eine kulturelle Identität zu geben und ein strukturiertes Programm umzusetzen. Neben unseren eigenen Veranstaltungsreihen wie den Music-Nights oder den Kinovorführungen im Sommer versuchen wir in erster ­Linie, mit Kooperationen unser Programm zu gestalten und eine breite Zielgruppe anzusprechen. Hier sind in den letzten zwei Jahren wirklich zahlreiche tragfähige Kontakte entstanden.

Warum sind Kooperationen für die programmatische Bespielung so wichtig geworden?

Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz zu anderen Veranstaltungsstätten, sondern möchten die kulturelle Vielfalt im Designobjekt Murinsel spürbar machen. Handelt es sich um Veranstaltungen, die gut zu uns passen, stellen wir die Location, die Technik und die damit notwendige Manpower zur Verfügung. Wir geben kreativen Raum, ihre Projekte vorzustellen. Wir haben bereits zahlreiche erfolgreiche Kooperationen mit KLANGLICHT, dem Springfestival, Diagonale oder dem Lendwirbel über die Bühne gebracht, um nur einige zu nennen. Und natürlich sind Veranstaltungen im Rahmen des ­Designmonats (heuer unter anderem mit den Turkish Nights, und der Street Fashion Show von assembly) gleichsam ein thematisches Heimspiel. Schließlich ist die von Vito Acconci entworfene Murinsel nach wie vor nicht nur touristisches Fotomotiv, sondern DAS Design-Icon der Stadt.

Wolfgang Skerget
Foto: Lukas Beck

Mit den Kinovorführungen hat man in den letzten beiden Jahren viele Besucher auf die Insel bringen können. Was macht sie als Open-Air-Kino so spannend?

Für ein Sommerkino ist die Insel mit ihrem Amphitheater einfach perfekt. Aber nicht nur die Architektur überzeugt. Der freie Eintritt und das abwechslungsreiche Programm, das sich in seiner Unterschiedlichkeit hervorragend ergänzt, machen unsere Vorstellungen zu etwas Besonderem. Dienstags zeigen wir wieder experimentelle Dokumentationen und Spielfilme, die vom Grazer Visual-Arts-Kollektiv
OchoReSotto ausgewählt wurden. Die Mittwoch-Linie wurde in bewährter Weise von Beate Bachträgl vom Filmzentrum im Rechbauerkino programmiert, hier liegt der Schwerpunkt auf Kino-Klassikern, die wir im Originalton spielen.

Das Thema Genuss spielt ebenfalls eine große Rolle auf der Insel. Will man das Angebot noch ausbauen?

Genuss und Kultur passen doch wunderbar zusammen. Wir haben eine Kooperation mit Graz Tourismus und sind die Start-Location bei den sonntägigen Genusstouren. Teilnehmende verkosten auf der Insel erste Leckerbissen und brechen dann zu einer Genusstour durch Graz auf. Außerdem freut es uns, dass wir den
Kreativ-Design-Schmankerlshop s‘Fachl im Rahmen einer Kooperation in unseren Designshop integrieren konnten.

Welche Projekte im Kulturbereich sind für dieses Jahr noch in Planung?

Da wir im Rahmen des Kulturjahres 2020 die Insel als Theaterlocation erweitern möchten, planen wir für diesen Herbst quasi als Probegalopp erstmals eine kleine Indoor-Theaterproduktion. Dazu sind wir mit dem Grazer Werkraumtheater in guten  Vorbereitungsgesprächen. Aber wir wollen noch weitere neue Formate erproben, eines etwa mit dem Arbeitstitel ­Science-Talks. Dabei wollen wir Persönlichkeiten der Grazer Wissenschaftscommunity vorstellen und auch die Bereiche Kreativität, Wissenschaft und Design stärker vernetzen. Da haben wir in unserer Stadt unglaubliches Potenzial.

Wo sehen Sie die Insel in den nächsten fünf Jahren?

Über Wasser! Nein, im Ernst: mit vollem Programm, gut gehendem Café und wenn sich auch noch zusätzliche Kooperationen, etwa mit dem steirischen herbst oder mit La Strada ausgingen, wäre das fein. Das darf durchaus als freundliche Einladung verstanden werden.

Foto: Lukas Beck

Nicht nur der Außenbereich wurde vor zwei Jahren umgebaut, auch das Caféhaus wurde mit einem neuen Konzept belebt und räumlich verändert. Welche Chance bietet das für die Entwicklung der Murinsel?

Wir arbeiten mit viel Energie daran, die Insel zu einem Ort zu machen, an dem Touristen wie Einheimische gerne ihre Freizeit verbringen. Unser Ziel ist es, Besucherinnen und Besucher – an guten Tagen überqueren bis zu 3.500 Menschen die Insel – verstärkt in unser Café zu locken und zum Verweilen einzuladen. Dafür haben wir ein paar „gemütliche“ Akzente gesetzt, etwa attraktive Loungemöbel der Firma Inside Einrichtungen von Robert Eisenberger, mit dem sich eine wirklich angenehme und partnerschaftliche Kooperation entwickelt hat, ganz ähnlich wie mit dem Möbeldesigner Raimund Gamerith. Solche Kooperationen und Netzwerke zu kreieren ist schon ein Meta-Ziel all unserer Bestrebungen auf der Murinsel. Graz hat so viele kreative und helle Köpfe, die möchten wir vor den Vorhang holen und auch zusammenbringen.

Die Murinsel wurde in den letzten Jahren vor allem als Design-Objekt berühmt, nun wird sie als Kulturort gedacht. Wie gut passen Design und Kultur zusammen?

Die Insel war von Acconci immer als Kulturort gedacht. Die Murinsel, als das Design-Icon schlechthin, entstand für das Kulturhauptstadtjahr 2003 und trägt somit Design wie auch Kultur in ihrer DNA. Architektur-, Design- und auch Kulturinteressierte – alle kommen auf der Insel auf ihre Kosten. Die Idee der Murinsel ist so stark, dass sie nach wie vor inspiriert. Natürlich ist sie im Betrieb und in der Bespielung ein schwieriger Ort – aber man muss das als Preis ihrer Originalität sehen und nicht als Manko. Die Murinsel ist außergewöhnlich und fordernd – genauso wie große kreative Projekte eben sein müssen, gemütlich ist nur das Mittelmaß. Dass sie daneben auch noch ein echter Touristenmagnet ist, ist ja wunderbar. Die Bilder der Insel gehen um die Welt und vermitteln – so denke ich jedenfalls – ein durchaus sympathisches und innovatives Bild unserer Stadt. Auf den Urlaubsfotos unserer Touristen sind wir schon fixe Gäste, nun wollen wir vermehrt auch die Herzen der Grazerinnen und Grazer gewinnen. Wenn uns das gelingt, haben wir die perfekte Symbiose geschafft. Ich bin überzeugt, dass die Insel das Zeug dazu hat.

Warum sollte jede Grazerin, jeder Grazer die Insel im Sommer zumindest einmal besucht haben?

Weil jeder und jede einmal reif für die Insel ist. Und weil wir ein tolles Sommerprogramm und ein lässiges Café zu bieten haben.

Foto: Harry Schiffer