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KUG: Eine Universität, die Türen öffnet

Lalit Worathepnitinan, hier in der Titelrolle der „OpernKurzgenuss“-Produktion Amahl (2017), war direkt danach in der Oper Graz als Barbarina in Mozarts Le nozze di Figaro zu erleben. Foto: Johannes Gellner

Kunst auf der Karriereleiter: seit zehn Jahren begleitet das Career Service Center der Kunstuniversität Graz junge Künstlerinnen und Künstler auf ihrem Weg ins Berufsleben. Der geschäftsführende Vizerektor Eike Straub sprach mit „Achtzig“ über die Relevanz der Nachwuchsförderung.

Text: Pia Moser

Als erste Musikuniversität Österreichs hat die Kunstuni Graz im Jahr 2009 ein Karriereservice für Studierende gestartet. Der Erfolg des Programms ist vor allem Ihrem persönlichen Einsatz geschuldet. Woher kommt Ihre Motivation?

„Übe Tag und Nacht – wenn du gut genug bist, wirst du es schaffen.“ Dieses Zitat meines Vaters, einem der Gründungsprofessoren der Kunstuniversität Graz, weist auf einen der größten Planungsfehler in einer künstlerischen Karriere hin. Denn künstlerisches Handwerk garantiert noch lange keinen Erfolg. Das musste ich im Laufe der Jahre schmerzlich erfahren. Der Wunsch nach der Entwicklung eines Karriereservices für Studierende kam damit bereits 2007 aus vollster Überzeugung und war die Bedingung, mein Amt des Vizerektors für Lehre an der KUG anzunehmen. Damals wie heute bin ich fest davon überzeugt, dass eine Kunstuniversität Karriereförderung leisten muss.

Mit welchen Herausforderungen sehen sich Künstlerinnen und Künstler heute am Arbeitsmarkt konfrontiert?

Wir haben es mit einer systemimmanenten Problematik zu tun, die zwar aktuell sehr virulent ist, aber prinzipiell schon zu Mozarts und Beethovens Zeiten herrschte: Das Angebot überschreitet die Nachfrage um ein Vielfaches. Im Kunstbetrieb wird es daher immer wichtiger, sich einen Namen zu machen. Zwar bietet das Internet heute immer mehr Möglichkeiten dazu, gleichzeitig steigen jedoch die Anforderungen im Umgang mit neuen Medien und diversen Plattformen. Zudem nimmt mit den neuen, innovativen Berufsfeldern im Kunstbetrieb auch die Zahl der Freelancer zu.

Wie lassen sich Kunst und unternehmerisches Denken miteinander verbinden, ohne dabei die Kunst zu vernachlässigen?

Wer seine Berufung zum Beruf machen will, muss gewisse Soft Skills erlernen und verinnerlichen. Denn nur dann bleibt genügend Zeit für das, was wirklich wichtig ist: hochwertige Kunst, die Menschen berührt. Vielen angehenden Künstlerinnen und Künstlern erscheinen der berufspraktische Hintergrund, unternehmerisches Denken oder Marketing wie eine Black Box. Mit dem Career Service Center zeigen wir unseren Studierenden die Funktionalität dieses Systems.

Eike Straub, geschäftsführender Vizerektor.
Foto: Alexander Wenzel

Inwiefern unterscheidet sich das CSC von einer klassischen Jobvermittlung?

Wir sehen unsere Studierenden als Partnerinnen und Partner und stellen ihnen vor allem zweierlei zur Verfügung. In erster Linie sind es die Netzwerke derer, die es bereits geschafft haben. In der Serie „Seite an Seite“ beispielsweise bestreiten Lehrende und Studierende gemeinsam Konzerte, wodurch sie an bestehenden Netzwerken teilhaben können. Zweitens ermöglichen wir ihnen den Erwerb ebenjener  Soft Skills, die wir erfahrungsgemäß für den künstlerischen Arbeitsmarkt als essenziell erachten. Auf unserer Website informieren wir zudem regelmäßig über Jobausschreibungen, Stipendien und Wettbewerbe.

Welche Fähigkeiten sind konkret nötig, um auf dem Arbeitsmarkt zu reüssieren?

Künstlerischer Erfolg ist nur auf Ebene allerhöchster Qualität möglich. Doch wir müssen unsere Studierenden täglich daran erinnern, dass es noch mehr braucht. Von Selbstvermarktung über rechtliche und steuerliche Aspekte bis hin zu Musik- und Kunstvermittlung: Mit einem breiten Angebot an Workshops können wir Studierenden und jungen Absolventinnen und Absolventen ein praktisches Handwerk, gewissermaßen eine Sprache, vermitteln. Ihre Geschichten müssen sie selbst erzählen. An erster Stelle steht nämlich die Frage: Wie kann ich mich zu einer eigenständigen Künstlerpersönlichkeit entwickeln? Denn Kunst funktioniert nur dann, wenn eine Identifikation mit der Künstlerin, dem Künstler stattfindet. Insbesondere ist es auch von großer Bedeutung, die Seite der potenziellen Arbeitgeber bzw. Veranstalter mitsamt ihren Programmierungsvorstellungen zu verstehen.

Ein besonderes Service für beide Seiten ist dahingehend eine eigene Plattform für die Vermittlung von Musikerinnen und Musikern.

Ja, die MusikerInnen-Vermittlung des Career Service Center ist eine wesentliche Säule des Förderprogramms. Personen aus dem privaten und öffentlichen Bereich können über unsere Website die passende Musik – sei es Pop, Jazz oder Klassik – für ihre Veranstaltungen buchen. Für Ensembles und Bands ebenso wie für Solistinnen und Solisten ist das eine großartige Möglichkeit: Wir unterstützen bei Musikaufnahmen und erledigen die PR.

Wie verhält es sich mit der Selbsteinschätzung junger Menschen zu Beginn des Studiums – wissen sie, was auf sie zukommt?

Das ist vergleichbar mit dem Besteigen eines Achttausenders: Natürlich kann man erahnen, was auf einen zukommt, aber es dann wirklich zu schaffen, ist noch einmal etwas ganz anderes. Dort, wo der Weg zu lang und der Gipfel zu hoch erscheint, wollen wir unsere Studierenden unterstützen. Sie davor zu bewahren, die wahren Tiefen zu erleben, funktioniert vor allem über die öffentliche Präsentation von berühmten Absolventinnen und Absolventen. Erfolgsgeschichten wie jene von Fedor Rudin, seit kurzem Konzertmeister der Wiener Philharmoniker, halten wir ihnen wie einen Spiegel vor.

Max Ranft und Alida Bohnen in Gespräche mit Astronauten, der aktuellen ¬Kooperation mit dem Schauspielhaus Graz. Bohnen ist dort inzwischen auch in der Clemens-Setz-Uraufführung Erinnya zu sehen.
Foto: Lupi Spuma

Die Kunstuniversität ist eng mit Grazer Kulturinstitutionen vernetzt. Welcher Mehrwert entsteht dadurch für die Studierenden?

Durch Kooperationen mit der Oper Graz, dem Schauspielhaus oder dem Musikverein wollen wir Türen öffnen und Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Die enge Zusammenarbeit mit unseren Lehrenden sowie den institutionellen Netzwerkpartnern ist ein unglaublicher Motivationsfaktor – nicht zuletzt, da es sich um Kooperationen auf Augenhöhe handelt. Erfolgreiche Beispiele sind der „OpernKurzgenuss“ oder das Orchester recreation, in dem KUG-Studierende vertreten sind. Auch im Schauspielhaus Graz sind wir jedes Jahr an einer Produktion beteiligt. Das sind allesamt Türen, die angehende Künstlerinnen und Künstler oftmals nicht selbst öffnen können. Und nicht selten werden sie dank einer Kooperation bereits während der Studienzeit von Kulturträgern engagiert. 2018 schafften es etwa vier Studierende in Arrangements an die Oper Graz.

Inwiefern fokussieren Sie dabei auch auf den internationalen Kunstbetrieb?

Kunst ist immer international. Auf der Kunstuniversität Graz finden sich hauptsächlich internationale Lehrende und Studierende. Auch unsere institutionellen Netzwerkpartner sind international ausgerichtet. Unsere Kooperationen bereichern die Kulturszene insgesamt und leisten einen gesellschafts- wie kulturpolitisch wertvollen Beitrag. Nach dem Motto: Andere bauen Mauern, wir bauen Brücken. Denn die Kunst ist unser gemeinsames, grenzüberschreitendes Ziel.

Auf der Suche nach Musik?

Die Kunstuniversität Graz versteht sich auch als Vermittlerin zwischen Studierenden und Veranstaltern oder anderen Auftraggebern. Den passenden musikalischen Rahmen für Veranstaltungen kann man unter www.csc-kug.at/musik-buchen finden: Professionelle Solistinnen und Solisten sowie Ensembles diverser Stilrichtungen stehen mit Profilen inklusive Hörproben zur Auswahl. Anfragen zu gewünschten Musik-Acts sind über ein Kontaktformular auf der Website möglich.

www.kug.ac.at