Start Featureshome 100 Jahre steirischer Pop im Museum für Geschichte

100 Jahre steirischer Pop im Museum für Geschichte

Vom steirischen Woodstock, von Klischeebildern auf Welttournee, weiblicher Power und ersten Beatbands erzählt die Ausstellung „POP 1900–2000“.

Text: Natalie Resch

„Dieser Keller stellt eine Gesundheitsgefährdung für die Jugend dar“, hieß es in einem Polizeibericht zum 1. Beatkeller in Fürstenfeld. Junge Beatfans konnten dort bereits 1965 dank des selbst ernannten Band­managers Werner Szammer heimische Bands wie Atlantis oder FBI Man hören. Der Rest der Bevölkerung empfand den ehemaligen Weinkeller als Provokation. Erst Ende der 60er gab es reine Beat- und Rockformationen, bis dahin waren die musikalischen Programme von Beat- und Tanzbands kaum zu unterscheiden – beide waren tanzbar. Nur einige Jahre später, 1971, ca. 40 km entfernt, wird von verschwundenen Hühnern und dem Geruch von verbrannten Federn an Lagerfeuern berichtet. In Poppendorf wird die Wiener Gruppe Novak’s Kapelle nach ihrer Publikumsbeschimpfung vom Festivalgelände verjagt. Peter Stangl holt 20 steirische Bands auf eine Bühne. Für die rund 3.000 Musikbegeisterten war das dreitägige Open-Air-Festival „Poppendorf“ die steirische Antwort auf Woodstock.

Eine Vielzahl solcher Schmankerln aus der Musikgeschichte, wenig Bekanntes und mitunter Vergessenes, zeigt die Ausstellung POP 1900–2000. Sie fragt nach den steirischen „Popstars“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wussten Sie, dass die von Josef Pircher gegründete Gruppe Obersteirer bereits 1904 auf Amerika-­Tournee war und bei der Weltausstellung auftrat? Die reisenden Volksmusikanten trugen mit ihren Auftritten zur Klischeebildung des Österreichischen mit Bildern einer romantischen Dorfkultur bei. POP 1900–2000 beleuchtet steirische Protagonisten und deren Musik im Wechselspiel und Kontext der (steirischen) Zeit- und Mediengeschichte sowie Alltagskultur. Die Schau widmet sich den ersten Musikerinnen im Pop-Kontext der 1970er-Jahre wie Goldie Ens aus Kapfenberg oder Joseppa, die mit Paul Musyls Rosegger-Vertonung Ein Freund ging nach Amerika großen Erfolg hatte; Stefanie Werger, die Sängerin bei der Tanzband The Strangers war, bevor sie zum weiblichen Aushängeschild der heimischen Popmusik wurde; Eva Ursprung, die in den 80ern als Bandgründerin von rosi lebt die steirische Musikszene prägte und am Sampler Zebra Graz maßgeblich beteiligt war. Das steirische Musikschaffen wird erzählt anhand einer Vielzahl an Fotografien, Film- und Video- und Audioaufnahmen, anhand technischer Geräte bzw. medienhistorischer Artefakte, Instrumente und Führungen von ExpertInnen wie Boris Bukowski, Eva ­Ursprung, Andi Beit und vielen mehr.

Ausstellung „POP 1900–2000“

15. März 2019 bis 26. Jänner 2020 im Museum für Geschichte, Sackstraße 16, 8010 Graz

museumfürgeschichte.at