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3. styrianARTtalk: Kunst sichtbar machen

Die Künstlerin Tanja Prusnik beim Live-Painting im Zuge des ARTtalks. Foto: Jorj Konstantinov

Die styrianARTfoundation lud zum ARTtalk und förderte damit einmal mehr den Dialog zwischen Kunstschaffenden und Investoren.

„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern Kunst macht sichtbar“, meinte schon Paul Klee. Das gilt längst auch für die öffentliche Wahrnehmung von Städten. Dabei sind es nicht mehr nur die großen Ballungszentren, in denen Kultur zum täglichen Alltag gehört, vielmehr machen die unterschiedlichen Disziplinen der Kunst auch zu einem wesentlichen Teil die Lebensqualität in den Gemeinden aus. Dort bereichern sie nicht nur die ansässige Bevölkerung, sie sorgen auch für beträchtliche wirtschaftliche Impulse. Doch was investieren Städte und Gemeinden in die Kulturinfrastruktur? Und welche Wertschöpfung kann daraus lukriert werden? Mit dem Kunstexperten Otto Hans Ressler diskutierte diese und andere Fragen unter der Leitung von Gernot Rath (ORF) eine hochkarätige Runde im ECOPORT der Firma Saubermacher und beleuchtete das vielschichtige Thema „Kunst und Politik“ aus verschiedenen Blickwinkeln.

„Die Fähigkeit, Kunst zu schaffen, ist die einzige Fähigkeit, die uns von anderen Lebewesen unterscheidet.“
Otto Hans Ressler
Foto: Jorj Konstantinov

Jede Kunst ist Kultur, aber nicht jede Kultur ist Kunst
An das Politpodium richtete Ressler in seiner Eröffnung eindringliche Worte und stellte klar, dass die seit 1982 in der österreichischen Verfassung festgeschriebene Freiheit der Kunst zweierlei bedeutet: „Nämlich dass die Republik verspricht, sich nicht mittels Zensur in die Kunst einzumischen, und – was in diesem Zusammenhang genauso wichtig erscheint – sich daraus die Verpflichtung ergibt, dass Staat, Länder und Gemeinden Kunst fördern.“ Wert sei auch darauf zu legen, das Begriffspaar Kunst und Kultur nicht zu vermischen, ist es doch vielmehr eines der stärksten Gegensätze.

Gernot Rath (ORF) moderierte die Diskussionsrunde im ECOPORT der Firma Saubermacher.
Foto: Jorj Konstantinov

„Denn die Aufgabe der Kunst ist es, Kultur zu überwinden und ad absurdum zu führen“, so der renommierte Auktionator. Die anwesenden Entscheidungsträger nahm er in die Pflicht, den Mut zu haben, in unbequeme Kunst zu investieren und Raum für Entwicklung zu geben, denn Quote und Umwegrentabilität seien keineswegs die einzigen Kriterien für aus öffentlicher Hand geförderte  Kunst. Nur mit Kunst, die im Widerspruch zur Gesellschaft steht, lasse sich nachhaltige Wahrnehmung generieren, wie sich am Beispiel des Wiener Aktionismus zeige. Und Kunst, die weh tut, braucht Zeit. Meist Jahrzehnte. Wurden die Protagonisten einst allesamt verurteilt, ist der Aktionismus heute die wichtigste international relevante Strömung aus Österreich nach 1945.

V.l.: Tanja Prusnik, Gernot Rath, Hausherr Hans Roth.
Foto: Jorj Konstantinov

Live-Painting von Tanja Prušnik
Für das traditionelle und die ARTtalk-Abende abrundende Live-Painting zeichnete diesmal die 1971 in Wolfsberg geborene Tanja Prušnik verantwortlich. Die Frauenkunstpreisträgerin des Landes Kärnten ist Vorstandsmitglied der Gesellschaft bildender KünstlerInnen Österreich (Künstlerhaus Wien) und betreibt seit 2009 mit „den blick öffnen“ ein österreichweites Ausstellungsprojekt für Prävention und gegen Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Die Arbeiten der in Wien und Kärnten als Architektin und freischaffende, bildende Künstlerin lebenden Malerin sind meist konzeptionell und im Rahmen von Serien angefertigt, im ECOPORT konnten die Zuseher verfolgen, wie sie ein Triptychon mit verschiedenen Materialien auf Leinwand gestaltete.

Foto: Jorj Konstantinov

styrianARTfoundation
Mit den styrianARTtalks hat die styrian­ARTfoundation (SAF) erfolgreich ein neues Format etabliert, in dem renommierte Persönlichkeiten aus den Sparten Kunst, Wirtschaft und Politik zu relevanten Themen der Zeit in Diskussion treten und der Dialog zwischen Kunstschaffenden und Investoren gefördert wird. Die SAF stellt eine wertvolle Vertiefung der steirischen Kunstlandschaft dar und veranstaltete über 10 Jahre hindurch KünstlerInnen-Klausuren auf Stift Rein. Sie fördert über Ausstellungen, Publikationen und Veranstaltungen junge steirische Künstlerinnen und Künstler und verleiht den Kunstschaffenden durch ihre Aktivitäten Stimme und Ausdruck. Weiters werden im „Showroom“, dem 1. Steirischen Kunst-Atlas, online alle 102 steirischen KünstlerInnen, die an den Klausuren teilgenommen haben, präsentiert.

v.l.: Gernot Rath, Johannes Gsaxner (Kulturreferent Leoben), Tanja Prušnik, Otto Hans Ressler, Helga Sams (VzBgm. Leibnitz), SAF-Obfrau Margret Roth, Kulturstadtrat Günter Riegler, Marcus Martschitsch (Bgm. Hartberg), SAF-Obfrau Edith Temmel, Josef Wallner (Bgm. Deutschlandsberg), Hans Roth.
Foto: Jorj Konstantinov

www.styrianart.at