Start Kunst & Kultur Klingender Vorgeschmack: Die Highlights der styriarte 2019

Klingender Vorgeschmack: Die Highlights der styriarte 2019

Alfredo Bernardini Foto: Werner Kmetitsch

Musik in Metamorphose: Unter dem Titel „Verwandelt“ präsentiert sich die styriarte 2019 spannender denn je. Veränderung, Variation und Verzauberung durchströmen das Festival der klassischen Musik von 21. Juni bis 21. Juli.

Text: Pia Moser

Es ist eines der bedeutendsten Kunstwerke der Geschichte, das über zweitausend Jahre bis heute immer wieder gelesen und neu erzählt wird – so auch im Rahmen der styriarte 2019: die Metamorphosen des römischen Dichters Ovid. Ovids „Verwandlungen“ haben Generationen von Musikerinnen und Musikern in ihrem Schaffen inspiriert. Als Leitfaden für das Festival der klassischen Musik scheint dieser programmatische Fokus geradezu prädestiniert. Denn damit öffnet sich die styriarte selbst dem Phänomen der „Verwandlung“: Von 21. Juni bis 21. Juli 2019 wird ein vielversprechend frisches Programm über 32 Projekte mit insgesamt 45 Vorstellungen präsentiert, das musikalische Begegnungen mit Altbekanntem in neuen Interpretationen und Formaten ermöglicht. Wir geben einen Ausblick auf die Highlights der zauberhaften Festspiele.

Foto: Birgit Mörtl

„Fux.OPERNFEST“ Vol. 2

Jagdsignale tönen durch die Helmut List Halle, wenn Diana und ihre Nymphen auf der Lauer liegen. Und Amor hat seine Liebespfeile auf Apollo abgeschossen, der nun die Nymphe Daphne heiß begehrt. Um sich seinem Zugriff zu entziehen, lässt sie sich in den Lorbeerbaum verwandeln – ein magischer Moment von tiefer Trauer in einer ansonsten taghellen Barockoper über die Liebe. Das styriarte-Motto „Verwandelt“ wurde von diesem Highlight des Festivals abgeleitet: die Oper Dafne in Lauro des bedeutendsten österreichischen Barockmeisters Johann Joseph Fux, mit der das Festival in die zweite Ausgabe des „Fux.OPERNFEST“ geht. In der Helmut List Halle wird die prachtvolle kleine Oper auf die Bühne gebracht, die Hofcompositeur und Hofkapellmeister Fux Kaiser Karl VI. aus Anlass eines Festes zum 29. Geburtstag anno 1714 zu Füßen legte. Die Aufführungen am 21., 22. und 24. Juni werden dem Werk den ihm gebührenden Rahmen verleihen: spektakulärer Gesang, melodische Erfindungsgabe und ungemein farbenreiche Instrumentation. Alfredo Bernardini und seine Zefiro-Musici entfachen ein Originalklang-Feuerwerk voller Italianità. Zum exquisiten Sänger-Ensemble des Opernfestes 2018 kommt der „Primo uomo“ Countertenor Raffaele Pe hinzu. Wolfgang Atzenhofer setzt die Oper in Szene.

„Eroica.SOAP“

Feurige Inspiration kommt 2019 erneut vom kolumbianisch-österreichischen Dirigenten Andrés Orozco-Estrada, der gemeinsam mit der styriarte das „SOAP“-Format weiterentwickelt. In der Eroica.SOAP am 3. Juli wird im Austausch mit dem Publikum eine Version der 3. Symphonie von Beethoven erarbeitet, die sogleich in der zuvor gefundenen Fassung zur Aufführung kommen wird. Am Pult des Festspiel-­Orchesters stellt der mitreißende Maestro und geniale Kommunikator verschiedene Interpretationsansätze der Eroica zur Diskussion – eine Art offene Probe mit vielen Hintergrundinformationen über Beet­hovens heroische Sinfonie. Das Publikum soll dann selbst entscheiden, was ihm am besten gefällt. Am Ende steht die Gesamtaufführung von Beethovens Dritter, von der am Anfang des Konzertes noch keiner der Beteiligten weiß, wie sie ausgehen wird. Kameras begleiten das Konzert und gewähren tiefe Einblicke in die Arbeit des styriarte Festspiel-Orchesters.

Trio Kirchner, Birsak, Hayer
Foto: Maria Frodl

„All you need is Bach“

„Der Mann, der die verstaubten Kirchenorgeln endlich wachküsst.“ So nannte ein deutsches TV-Magazin den Amerikaner ­Cameron Carpenter. In der Ofenfabrik seines Vaters in Pennsylvania spielte er als Kind Bach an der Hammond-Orgel, mit dem Hämmern der Arbeiter im Ohr. „Das war viel inspirierender für mich als eine Kirche, wo auf vielen Ebenen im Wesentlichen gar nichts passierte.“ Auch Workout und Stepptanz sind seine Inspirationsquellen für einen Bach des 21. Jahrhunderts. Bei All you need is Bach wird das ­Enfant terrible der Orgelspieler am 25. Juni in der Helmut List Halle Bachs Orgel­meisterwerke zum Leben erwecken. So leichtfüßig und farbenfroh hat man die Orgelwerke des Thomaskantors zuvor noch nie gehört.

Cameron Carpenter
Foto: Heiko Laschitzki

Neue Formate: „Salon“ und „Morphing“

Zwei Formate ruft die styriarte 2019 wieder neu ins Leben. Erstmals präsentiert sie in ganz intimem, exquisitem Rahmen im Palais Attems Kammermusik als Gesprächs- und Salonkonzert, inspiriert von den Salons des 18. und 19. Jahrhunderts. Der erste „styriarte.Salon“ am 30. Juni ist der Kammermusik Mozarts gewidmet: Tetjana Miyus singt die Abendempfindung und andere Mozart-Lieder, die nie zu einer Aufführung im großen Konzertsaal bestimmt waren – so wenig wie Mozarts Klavierstücke. Erst am Hammerflügel im Rokoko-Zimmer entfalten sie ihren ganzen Zauber. Haydn trifft man im „Salon“ am 7. Juli gemeinsam mit dem Trio Fritz Kircher, Isolde Hayer und Florian Birsak. Hier kann man ungestört lauschen und tief in Haydns Kompositionskunst eintauchen. Zwischen Heiterkeit und Tiefe, Unterhaltung und Information.

Arianna Venditelli
Foto: Werner Kmetitsch

Bei Morphing Mozart am 15. und Morphing Ligeti am 18. Juli im Palais Attems kann das Publikum mitverfolgen, wie heutige Komponistinnen und Komponisten Ideen aus Stücken großer Vorbilder einer Verwandlung unterziehen. Das Kreisler Trio Wien gestaltet ein Programm rund um Mozarts Divertimento KV 563, aufgegriffen von Hannes Kerschbaumer und Julia Purgina. Ein Bläserensemble rund um Christian Binde macht Selbiges mit Ligetis Bagatellen für Bläserquintett, weitergesponnen von Elisabeth Harnik und Christof Ressi. Alle neuen Stücke sind Auftragswerke der styriarte und werden auch im Gespräch präsentiert. Gastgeber und Moderator ist jeweils Intendant Mathis ­Huber.

Das detaillierte Programm der styriarte 2019 gibt es online unter www.styriarte.com

Karten und Informationen: styriarte Kartenbüro, Sackstraße 17, 8010 Graz, Tel. 0316 825 000