Nach einer Bestandsaufnahme junger Kunst zeigt die Steirische Kulturinitiative die Ausstellung „INSZENIERUNG UND DIE STIMME AUS DEM OFF“ und öffnet darin ein zeitlich wie inhaltlich weites Feld.
So weit das Auge reicht, einseitig beleuchtete Inszenierungen, konstruierte Bilder, idealisierte Weichzeichner und Glattmacher. Was es tagtäglich zu dechiffrieren gilt, ist keine Neuheit des 21. Jahrhunderts. „Abseits großer Propagandamaschinen, wie der des Nationalsozialismus, gab es immer besondere In-Szene-Setzungen, die die Wirkung auf etwas oder jemanden legen soll(t)en. Nicht nur Inszenierungen innerhalb totalitärer Gesellschaften schaffen es, eine bestimmte Wirkung bei den Betrachterinnen und Betrachtern zu erzielen. Im Schlaglicht sieht es anders aus als knapp daneben“, so Nicole Pruckermayr, Geschäftsführerin der Steirischen Kulturinitiative und Kuratorin der Ausstellung INSZENIERUNG UND DIE STIMME AUS DEM OFF (Eröffnung am 29. April, 19 Uhr). Innerhalb dieser Schau, die im Stadtteil Graz Reininghaus zu sehen sein wird, legen die ausgestellten Kunstwerke sowohl zeitlich als auch inhaltlich ein weites Feld offen.
Erinnerungen werden strapaziert
Die ukrainische Künstlerin mit Sitz in Österreich Olia Federova etwa beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit den physisch real erlebbaren Veränderungen durch den Angriffskrieg Russlands in der Ukraine. Landstriche verändern sich, Erinnerungen werden strapaziert. Das tatsächlich Greifbare wird durch Federovas Arbeiten in abstrahierter Form und mit sinnlichen Übersetzungen auch für andere wahrnehmbar. Die jüdische Geschichte Judenburgs und die Perspektive von Frauen wiederum stehen im Zentrum des dokumentarischen Filmes Eigensinn und Ansichtssachen von Mir* Raggam-Alji und Barbara Wilding aus dem Jahr 2015. Die Gedanken der zu Wort kommenden Frauen und die Auseinandersetzungen über die jüdische Geschichte Judenburgs, die Kontinuitäten von Antisemitismus, ihr Widerstand gegen faschistische Regime gehen weit über ihre eigene Involviertheit hinaus. Eine ganz andere Thematik greift die österreichisch-deutsche bildende Künstlerin und Filmemacherin Nathalie Koger auf. Ihre Arbeit versteht Film als soziale Praxis und verbindet kollaborative Produktionsweisen mit offenen dramaturgischen Strukturen. „In ihren Projekten entwickelt sie prozessorientierte Arbeiten, die multiple Perspektiven einbinden und sich mit kollektiven Infrastrukturen und Formen der Begegnung auseinandersetzen“, so Pruckermayr.

Koger, der am 11. Mai im Rahmen der Ausstellung INSZENIERUNG UND DIE STIMME AUS DEM OFF im EG des Mirror in Graz Reininghaus gezeigt wird
Foto: Natalie Koger/ Bildrecht, 2025
Erich Kästner neu betrachtet
Nathalie Kogers Film Die Videokonferenz der Tiere, revisited. aus dem Jahr 2024 wird am 11. Mai (18 Uhr) in der Ausstellung gezeigt. Dabei repräsentieren Kinder bzw. Jugendliche, die als Grenzfiguren im vermeintlich universellen politischen Raum menschlicher Organisationen auftreten, Tiere. Als Figuren der Zukunft – gerade in reaktionären Politiken, die in ihrem Namen argumentieren – verkörpern sie zugleich das reale „Zukunftsversprechen“, das jedoch angesichts globaler Herausforderungen möglicherweise nicht mehr eingelöst werden kann. Der Film ist eine 21-minütige Doku-Fiktion, die Erich Kästners Kinderbuch „Die Konferenz der Tiere“ (1949) adaptiert und in der vom Anthropozän geprägten Gegenwart verortet. Kuratorin Nicole Pruckermayr über die Ausstellung: „Angesichts der Breite an Herausforderungen eben gerade nicht die Inszenierung als alleingegeben und ohne Nebenschauplatz wahrzunehmen, wird ein breiter Gedankenraum aufgemacht, der aber immer auch die Kraft aus dem Off zu Wort kommen lässt.“ Auch diese Schau ist wieder in Kooperation mit dem Verein Stadtteil Graz Reininghaus und in der Zwischennutzung im EG des Mirror der ÖSW Wohnbauträger GmbH zu finden.
Ein Blick zurück
Innerhalb der vergangenen Ausstellung im Reininghaus-Zwischennutzungs-Off-space, mit dem Titel eine junge bestandsaufnahme, konnten unter anderem die raumirritierenden, medienkünstlerischen Arbeiten von Florian Perl erfahren werden, und die raumerweiternden Foto-Arbeiten von Peter Rieser schlugen einen Konnex zwischen innen und außen. Raphael Daum konzentrierte sich auf die sichtbare und unsichtbare Raumrealität und Anna Donat legte mit ihren Keramiken und Malereien einen Schwerpunkt auf Tiere. „Alle Arbeiten konnten ein aktuelles Spotlight auf das Schaffen dieser jungen Künstlerinnen und Künstler, die ganz bestimmt noch mehr produzieren werden, legen!“, so Pruckermayr.

Foto: Nikolaos Zachariadis
INSZENIERUNG UND DIE STIMME AUS DEM OFF
Eine Ausstellung der Steirischen Kulturinitiative in Kooperation mit dem Verein Stadtteil Graz Reininghaus mit Dank an ÖSW Wohnbauträger GmbH
Mit Werken von: Adina Camhy, Olia Federova, Martin Grabner, Vera Hagemann, Nathalie Koger, Mir* Raggam-Alji/Barbara Wilding, Isa Riedl
Kuratorin: Nicole Pruckermayr
Eröffnung: Mi, 29. April, 19 Uhr
Zu sehen bis 18.5. (Mo, Do, Fr, jeweils 16–20 Uhr, Sa 10–14 Uhr)
Spezielle Termine:
Mo, 4.5., 18–20 Uhr: Gespräch mit Künstlerinnen und Künstlern sowie Führung durch die Ausstellung
Mo, 11.5., 18 Uhr: Filmabend mit „Die Videokonferenz der Tiere“, Nathalie Koger
Mo, 18.5., 18 Uhr: Vortrag von Prof. Anke Strüver, Humangeographie / Universität Graz
Mirror im EG
Reininghauspark 2a (neben Sparkasse), 8020 Graz
www.kulturinitiative.at













