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Ein Leben für den Fortschritt

Erzherzog Johann war eine Schlüsselfigur in der Entwicklung der Steiermark – nun ist ihm auf Schloss Stainz ein eigenes Museum gewidmet

Mit dem neuen Erzherzog Johann Museum erweitert das Universalmuseum Joanneum sein Angebot auf 20 Museen und setzt sich auf rund 650 Quadratmeter mit dem Leben und Wirken seines Stifters auseinander.

Kuratiert von Karlheinz Wirnsberger mit Barbara Müller und Maria Zengerer beleuchtet das neue, multimediale Museum die vielen Facetten im Leben des „Steirischen Prinzen“ und setzt dem volksverbundenen Reformer und Förderer des Fortschritts und seinem Vermächtnis ein weiteres Denkmal. Sein umfassender Einfluss auf die steirische Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft wird in sieben thematisch gegliederten Räumen – gestaltet von Werner Schrempf und Diana Brus – präsentiert. Der Gang, als verbindendes Element, illustriert die Ausgangslage im 19. Jahrhundert und bildet Zeitgenossen des Kaisersohns ab.

Erzherzog Johann – hier portraitiert in Öl auf Leinwand von Leopold Kupelwieser im Jahr 1828 – wurde am 20. Januar 1782 in Florenz als 13. Kind von Leopold II. und Maria Ludovica von Bourbon geboren

Der Erzherzog und Stainz

Zu Beginn der Ausstellung werden die Besucher*innen in die Beziehung des Erzherzogs zu Stainz eingeführt. Jenem Ort, den er liebte und maßgeblich prägte und wo er Schloss Stainz erwarb, um ein landwirtschaftliches Mustergut zu errichten. Historische Dokumente und Fotografien veranschaulichen seinen Einfluss auf die Landwirtschaft, den Weinbau und die Entwässerung von Ackerland in der Region. Weiters widmet man sich der Erziehung und frühen Prägung in seiner Geburtsstadt Florenz sowie seiner durch Standesunterschiede erschwerten, doch letztlich erfüllten Liebe zu Anna Plochl, die im Hintergrund einen Großteil seiner Geschäfte führte, während der Erzherzog auf Reisen war. Gezeigt werden auch Porträts und Gemälde, die seine Beziehung zu seiner Familie und seine Rolle im kaiserlichen Hof illustrieren. Ein besonderes Highlight der Schau stellt das originalgetreu geschneiderte „Steirerfrackl“ dar, das vom Steirischen Heimatwerk nach historischen Schnittmustern angefertigt wurde.

Im Jahre 1840 kaufte Erzherzog Johann die Herrschaft Stainz – heute finden sich im Schloss drei Museen: das Landwirtschaftsmuseum, das Jagdmuseum und das Erzherzog Johann Museum
Foto: Alexander Rauch/studio brighten

Militärische & politische Karriere

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt konzentriert sich auf Erzherzog Johanns Karriere, der nach der Flucht von Kaiser Ferdinand I. zu seinem Stellvertreter ernannt und 1848 von der Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt zum deutschen Reichsverweser gewählt wurde. Damit stand er als provisorisches Staatsoberhaupt an der Spitze des Deutschen Reiches. Ein besonderes Ausstellungsstück ist ein im Original erhaltener historischer Zeigertelegraf mit Selbstunterbrechung. Dieser wurde einst verwendet, um Wahlergebnisse von Frankfurt nach Berlin zu übermitteln – was rund drei Stunden dauerte. Umfassend beleuchtet werden auch Johanns Visionen und realisierte Projekte zur Modernisierung und wirtschaftlichen Förderung der Steiermark. Von der Etablierung der Südbahn über die Förderung der Landwirtschaft bis hin zu wissenschaftlichen Unternehmungen wie der Brasilien-Expedition wird sein Bestreben, Fortschritt und Wissenschaft zu vereinen, deutlich. Wie stark sein Wirken bis heute nachhallt, machen zahlreiche Beispiele deutlich. So gründete Erzherzog Johann neben dem Universalmuseum Joanneum unter anderem die Grazer Wechselseitige Versicherung oder die Steiermärkische Sparkasse.

Durch interaktive Stationen haben Besucher*innen die Möglichkeit, tiefer in die Geschichte von Erzherzog Johann einzutauchen
Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Mythos des „Steirischen Prinzen“

Im Fokus steht auch die Betrachtung des Mythos Erzherzog Johann, der in vielfältiger Weise in der Volkskultur, in musikalischen und literarischen Werken sowie in seiner posthumen Rezeption als Symbolfigur für Fortschritt und Volksnähe weiterlebt. Sein Lebensweg wird als Spiegelbild eines Jahrhunderts dargestellt, das von tiefgreifenden Veränderungen und der Suche nach neuen Wegen geprägt war. Das Museum integriert hierfür moderne Medien in das historische Setting von Schloss Stainz und ermöglicht ein innovatives Erlebnis, in dem mittels interaktiver Stationen tiefer in die Geschichte von Erzherzog Johann und seiner Zeit eingetaucht werden kann. 3D-Figuren schaffen eine lebendige Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, darüber hinaus blickt man in Details der Restaurierungsarbeiten und somit in Museumsarbeit hinter den Kulissen.            

Elias Hütter; Erzherzog Johann von Österreich Porzellan in Gips & Gold von Elias Hütter, 1814
Foto: Universalmuseum Joanneum

Erzherzog Johann Museum
Ein Leben für den Fortschritt
Seit 11.5.2024, Fixführungen durch die Museen in Schloss Stainz finden sonntags statt.
Schloss Stainz
Schlossplatz 1, 8510 Stainz
www.museen-schloss-stainz.at