Start Kunst & Kultur Ausstellung „Stadtgeflüster“ Teil II: Umbruch – Aufschwung – Fortschritt

Ausstellung „Stadtgeflüster“ Teil II: Umbruch – Aufschwung – Fortschritt

Anlässlich 100 Jahre Stadterhebung widmet sich Gleisdorf seiner Geschichte und beleuchtet in Teil II einer Ausstellungstrilogie im Museum im Rathaus den Aufschwung vom kleinen Markt zum florierenden Verkehrsknotenpunkt.

Text: Wolfgang Pauker

Im Juni 2020 wird Gleisdorf 100 Jahre alt – Grund genug, um die Entstehung und Entwicklung der Stadt östlich von Graz einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Und da die wechselvolle Geschichte nicht in wenigen Worten zu fassen ist, hat man sich entschlossen, drei Ausstellungen in drei Jahren dem Werden der heutigen Solarstadt zu widmen. Wandelte man im ersten Teil vergangenes Jahr noch auf den Spuren der Römer bis ins Jahr 1848, widmet sich der zweite Teil der Trilogie nun dem wirtschaftlichen Aufschwung von einem kleinen Markt zu einem Verkehrsknotenpunkt mit florierender Wirtschaft. Unter dem Titel STADTGEFLÜSTER. Umbruch. Aufschwung. Fortschritt. Die Geschichte Gleisdorfs von 1848−1920 erfahren die Besucher nicht nur, welche Errungenschaften des 19. Jahrhunderts den Markt Gleisdorf geprägt und zum wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen haben, sondern auch welche Persönlichkeiten und Einrichtungen bis in die heutige Zeit ihre Spuren im Stadtbild hinterlassen haben. Ausgangspunkt der Reise durch die Zeit ist der kleine Markt Gleisdorf und seine bürgerlich-ländliche Bevölkerung mit meist landwirtschaftlichen Betrieben, in der das gesellschaftliche Leben, deren Herzstück die Vereine bildeten, eine wichtige Rolle spielte. Aber auch die zunehmende Mobilität und Technisierung, die Wachstumsphase mit dem Anschluss an das Strom- und Eisenbahnnetz sowie städtebauliche Veränderungen werden anschaulich thematisiert.

Die Ausstellungsmacher (v. l.): Gerwald Hierzi (Kultur- & Marketing-Leiter), Mag. Sigrid Hörzer (Leitung MiR), Alois Reisenhofer (Kulturreferent).
Foto: TIP

Eine Trilogie zum Jubiläum

Wie sich der Weg hin zu dem Gleisdorf, wie wir es heute kennen, in drei unterschiedlichen Schauen nachzeichnen lässt, darüber sprachen wir mit Sigrid Hörzer, die für die Kuratierung verantwortlich zeichnet.

Wieso entschied man sich, die Entwicklung Gleisdorfs im Rahmen einer Ausstellungstrilogie aufzuarbeiten?

Um die Gegenwart verstehen zu können, muss man die Vergangenheit kennen. Daher war und ist es uns wichtig, die Geschichte der Stadt von ihren Anfängen her zu erzählen. Um den verschiedenen ­Bereichen genügend Raum zu bieten, entschieden wir uns für die Gestaltung einer Trilogie.

Teil I beleuchtete auch die zweitgrößte Römersiedlung der Steiermark, die sich hier einst befand. Welche Besonderheit beleuchtet Teil II?

Kernthemen sind, wie der Titel schon sagt, Umbruch, Aufschwung und Fortschritt. Gesellschaftlich hat sich im damaligen Markt sehr viel getan, die Gründung von heute noch aktiven Vereinen fällt in diese Zeit. Sie sind nach wie vor Eckpfeiler unserer Gesellschaft. Auch auf wirtschaftlicher Ebene hat der Geist der Industrialisierung und Gründerzeit, wie in vielen anderen Orten auch, seine Spuren hinterlassen. So kam es zum Beispiel zum Bau der Eisenbahn und der Gründung der Elektrizitätswerke „Feistritzwerke“. Man kann durchaus sagen, dass dies einen Grundstein für den heutigen Wirtschaftsstandort Gleisdorf bildet.

EIn Exponat der Ausstellung

Haben sich die Vereine an der Aufbereitung der Schau beteiligt?

Alle Vereine, deren Gründung und/oder Wirken in die Zeit zwischen 1848 und 1920 fällt – wie der Turnverein, die Feuerwehr, der ÖKB, die Lumnichen, die heutige Stadtkapelle, der Gesangs- und Fahrradverein – haben einen großen Beitrag geleistet. Zusammengefasst in eine audio-visuelle-Darstellung kann sich jeder Besucher, jede Besucherin die Vereinsgeschichten von deren „Gründervätern“ erzählen lassen.

Verglichen mit dem Zeitraum der ersten Schau widmet sich Teil II einem eher kurzen Abschnitt der Stadtentwicklung. Waren die Jahre 1848 bis 1920 die prägendsten der Stadt?

Was den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung betrifft, wurden hier die Weichen gelegt. Das zeigt sich zum Beispiel in der 1. Oststeirischen Handwerksausstellung, die zur Jahrhundertwende in Gleisdorf stattfand. Man könnte sie beinahe mit der Grazer Messe vergleichen, wurden doch mit zahlreichen Sonderzügen tausende Menschen aus der Region nach Gleisdorf gebracht. Auch der Wohnbau hat seine Wurzeln in dieser Zeit und ist bis heute ein prägender Teil des Stadtbildes. Die Ortsbildveränderung ist gut abzulesen: Waren um 1900 noch vorwiegend Ackerbürger und Bauern in Gleisdorf beheimatet, deren Felder direkt an den Ortskern angrenzten, so zeigt sich heute ein städtisches Bild. Wohnungen, Geschäfte, Büros und Industrie prägen das Stadtbild.

Was ist Ihr Lieblingsexponat der aktuellen Ausstellung?

Schwer zu sagen, da mir alle ans Herz gewachsen sind. Ich habe zwei Lieblingsexponate: ein Hochrad und das Werkzeug, mit dem Kaiser Franz Josef den Schlussstein des Armenhauses gesetzt hat. Beide sind wichtige Zeugen der Stadtgeschichte.

Werkzeug, mit dem Franz Josef den Schlussstein des Armenhauses setzte.

Erst vor kurzem wurde österreichweit über die Vorreiterrolle von Gleisdorf auf dem Gebiet des Solarstroms berichtet. Ist die Stadt bereits in der Zukunft angekommen?

Das ist eine schwierige und beinahe philosophische Frage. Ob wir schon angekommen sind, kann ich nicht beurteilen. Ankommen bedeutet für mich in gewisser Weise Stillstand. Das wäre für die weitere Entwicklung aber nicht gut, eher kontraproduktiv. Die Stadt ist ein innovativer und pulsierender Ort, der ständig Wandlungen und Entwicklungen unterworfen ist. Helle Köpfe waren und sind hier ansässig und das wird sich in Zukunft auch nicht ändern. Gleisdorf ist ein lebenswerter und nachhaltiger Ort, der den Umweltgedanken in allen seinen Facetten lebt.

Stadtgeflüster Teil II: Umbruch. Aufschwung. Fortschritt.

Ausstellungsdauer: bis 15. Dezember 2019
Öffnungszeiten: Fr, 13–17 Uhr, Sa/So, 10–14 Uhr

MiR-Museum im Rathaus, Rathausplatz 1, 8200 Gleisdorf

Foto: TIP

Begleitprogramm zur Ausstellung

Bestimmungsabend: Wertvoll oder wertlos?

Eine besondere Münze gefunden oder geerbt?
Im Dachboden historisches Fotomaterial entdeckt?
Wer mehr über die Herkunft und Geschichte von Fundgegenständen erfahren möchte, kommt zum Bestimmungsabend ins MiR-Museum im Rathaus mit Mag. Peitler (Archäologie & Münzkabinett – Universalmuseum Joanneum) und Mag. Feldbacher (Multimediale Sammlung – Universalmuseum Joanneum) und lässt die Schätze von zwei Profis unter die Lupe nehmen. Eintritt: € 3,–
Do, 24. Oktober, 19 Uhr; Museum im Rathaus

 

„Spezialführung – ein exklusiver Blick hinter die Kulissen“

Wer die Ausstellung mit den Augen der Ausstellungsmacher sehen und mehr über die Konzeption, Organisation und Planung erfahren will, dem bietet sich mit dieser Kuratoren-Führung die Gelegenheit. Was wurde wann, wie und wo ausgewählt? Wer hat mitgewirkt? Warum gerade diese Teile der Geschichte beleuchtet wurden und vieles mehr kann an diesem Abend beantwortet werden. Eintritt: € 3,–

Do, 7. November, 19 Uhr; Museum im Rathaus

Spezialführung mit Kuratorin Sigrid Hörzer.

Konzert im Advent – Sinfonie „Aus der Neuen Welt“

Als der tschechische Komponist Antonin Dvorák 1892 amerikanischen Boden betrat, war er von dieser neuen Welt so inspiriert, dass er eine Sinfonie schuf. Das Kammerorchester Gleisdorf präsentiert dieses fulminante Werk nun unter der Leitung von Gunter Schabl. Musikalisch eröffnet wird der Abend mit der Einleitung aus „Also sprach Zarathustra“ von ­Richard Strauss. Das Orchester feiert mit diesem Konzert sein 60-jähriges Bestehen und lässt den Abend mit vielen musikalischen Überraschungen ausklingen.

So, 1. Dezember, 17 Uhr; forumKLOSTER Gleisdorf

Das Kammerorchester Gleisdorf führt die Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ auf.

www.gleisdorf.at