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Das kunsthaus muerz widmet sich dem Thema Boden

Still aus dem Video "Sehnsuchtsraum Boden: Visionen, Praktiken".

Die Ausstellung „bodenständig“ regt mit lokalen und globalen Kunst- und Architekturprojekten zum Nachdenken an.

Text: Wolfgang Pauker

Ob als Nahrungsspender oder als wesentliches Element unserer Umgebung. Ob brach liegend, blühend, bebaut oder unbebaut: Böden umgeben uns ganz selbstverständlich. Doch um die Bedeutung dieser essenziellen Ressource machen wir uns oftmals viel zu wenig Gedanken. Eine neue Ausstellung im kunsthaus muerz regt deshalb mit diversen Kunst- und Architekturprojekten zum gemeinsamen Sorgetragen an. Gezeigt werden Beweggründe wie auch Motive hinter scheinbaren und gerechtfertigten Bedürfnissen der Bodennutzung.

Nicht den Boden unter den Füßen verlieren

Der Boden unter den Füßen gibt Sicherheit und sein Kontakt lässt uns die Welt begreifen. Nicht zuletzt ernährt er uns. Doch fruchtbare Böden sind keine Selbstverständlichkeit – im Gegenteil, belastete und ausgelaugte Böden regenerieren sich nur äußerst langsam. Aber es gibt Mittel und Wege, sie dabei zu unterstützen. Geeignete Bepflanzungen etwa und ein achtsamer Umgang mit der Umwelt können, wie einige der versammelten Arbeiten in der Schau bodenständig in Mürzzuschlag zeigen, sehr viel leisten. Konzeptioniert und kuratiert wurde die Schau von der freischaffenden Künstlerin Nicole Pruckermayr, die nach dem Studium der Architektur, Visuellen Kultur und Kunstanthropologie bevorzugt mit sozialen und physischen Räumen, den handelnden Menschen und ihren Bedürfnissen arbeitet. „Künstlerisch-wissenschaftliche Forschung gibt einer breiten Öffentlichkeit die Möglichkeit, sich neue Reflexionsachsen anzueignen und in Kontakt mit diversen Lebensentwürfen zu kommen sowie Vorurteile und Grenzen abzubauen“, so die Kuratorin, die sich in der Ausstellung bewusst „dem erhaltenswerten Gut“ Erde widmet. Denn „Kunst kann die kompliziertesten Sachverhalte in einprägsamer Form federleicht transportieren“, so Pruckermayr. Für die Ausstellung hat sie zahlreiche Künstlerinnen und Künstler der verschiedensten Disziplinen versammelt und ihre Arbeiten – von Bildender Kunst über Installationen bis hin zu Medienkunst – in Dialog gesetzt.

„STMK v 2019“ von Richard Dank

Paradebeispiel Österreich

Österreich, das „grüne Herz Europas“, eignet sich für eine genauere Betrachtung der weltweiten Problematik ideal, ist der Bodenverbrauch hierzulande trotz moderaten Bevölkerungswachstums vergleichsweise hoch. Starke Zersiedelung, eine enorm hohe Anzahl an Einfamilienhäusern gemessen an der Einwohnerzahl oder eine starke Verbauung durch Einkaufszentren sprechen Bände. Die österreichische Landbewirtschaftung ist hingegen nach wie vor kleinteilig strukturiert und leistet, wenn sie durch sorgsames Handeln geprägt ist, einen großen Beitrag für die Gestaltung der Umwelt und für die Nahrungsmittelproduktion. Allerdings können Jahr für Jahr immer weniger Land- und Forstwirte von ihren Bauernhöfen leben. Weshalb immer mehr Höfe zunehmend verpachtet, verkauft, verbaut und versiegelt werden. Und gerade die Versiegelung – also der Verlust der Wasseraufnahmefähigkeit – belastet ökologische Kreisläufe, Naturräume und auch bestehende Infrastrukturen in hohem Maße. Schon vermeintlich kleine Eingriffe haben hier manchmal große Auswirkungen. „Mit der Ausstellung möchten wir eine intensive Auseinandersetzung anregen, wie man sensibler mit dem Boden umgeht“, so Pruckermayr.

Eröffnung: Sa, 14. September, 19 Uhr

Dauer der Ausstellung: bis So, 3. November

Mit künstlerischen Arbeiten und Beteiligungen von: Petra Buchegger, Richard Dank, Nikolaus Geyrhalter, Reni Hofmüller, Folke Köbberling, Martin Krondorfer (FAST PICHL), Nicole Pruckermayr, Robert Schabus, Andrea Seidling, SchülerInnen des Kolleg für MedienDesign/Krieglach unter Martin Osterider, studio ASYNCHROME, Studierende der Landschaftsplanung/BOKU Wien unter Maria Baumgartner, Gerlind Weber (BOKU WIEN)

Rahmenprogramm

Mittwoch, 2. Oktober, 19 Uhr: Vortrag der Raumplanerin Gerlind Weber (BOKU Wien) im Haus der Architektur (in Kooperation mit dem Haus der Architektur)

Samstag, 5. Oktober, 19.30 Uhr: Vorführung des Filmes „ERDE“ von Nikolaus Geyrhalter im Rahmen der Langen Nacht der Museen (ORF)

kunsthaus muerz, Wiener Straße 56, 8680 Mürzzuschlag

www.kunsthausmuerz.at