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Graz Kulturjahr 2020: Der Call ist eröffnet!

Foto: Manfred Eibl

Wie steht es um die urbane Zukunft unserer Stadt? Im Rahmen des „Graz Kulturjahr 2020“ sollen visionäre Projekte aus Kunst, Kultur und Wissenschaft dieser Frage nachspüren. Im November wurde der mit Spannung erwartete Fördercall präsentiert.

Text: Pia Moser

Es ist ein klares Bekenntnis für Kunst und Kultur in Graz: Mit dem Kulturjahr 2020 hat der Gemeinderat einen Schwerpunkt beschlossen, der Projekte aus Kunst und Wissenschaft mit einem Extrabudget von 5 Millionen Euro fördert. Für Akteurinnen und Akteure der Grazer Kultur und Wissenschaft ist das nun anstehende kulturelle Großereignis von höchster Bedeutung, was auch der große Publikumsandrang beim zweiten „Kulturdialog“ im November zeigte. Als öffentliche Sitzung des Grazer Kulturbeirates wurde in Anwesenheit von Stadtrat Günter Riegler sowie der Mitglieder des Kulturjahr-Programmbeirates der langersehnte Fördercall präsentiert. Und damit der offizielle Startschuss für das „Graz Kulturjahr 2020“ gegeben. „Im Kulturjahr möchten wir sowohl mit der Grazer Bevölkerung als auch mit der hiesigen Kulturszene in Dialog treten“, so Kulturstadtrat Riegler bei der Veranstaltung. Was in den vergangenen Wochen der Vorbereitung bereits deutlich wurde: Das Kulturjahr legt den thematischen Fokus auf die urbanistische Komponente. Denn: Graz ist mit einem Bevölkerungsdurchschnittsalter von 41 Jahren eine vergleichbar „junge“ Stadt, deren Bevölkerungszuwachs in den kommenden 20 Jahren voraussichtlich mehr als 20 Prozent betragen wird. „Die Ansprüche an die Stadt steigen“, so Riegler. „Gleichzeitig ist Graz mit einer unglaublich vitalen und reichhaltigen Kulturszene gesegnet.“ Im Schwerpunktjahr gilt es, diese beiden Aspekte zu verbinden. Der Fördercall, der bis zum 18. März 2019 offen ist, wurde vom achtköpfigen, interdisziplinär ausgerichteten Programmbeirat in Zusammenarbeit mit dem Grazer Kulturamt konzipiert. Christian Mayer, Projektleiter und Mitglied des Programmbeirats: „Unter dem Motto ‚Kultur schafft urbane Zukunft’ möchte der Call Kunst und Wissenschaft dazu einladen, die Grazer Bevölkerung durch relevante Projekte in vielfältiger Weise für Zukunftsthemen zu sensibilisieren und dadurch ihre Handlungsmacht zu stärken.“

„Im Kulturjahr möchten wir sowohl mit der Grazer Bevölkerung als auch mit der hiesigen Kulturszene in Dialog treten“, so Kulturstadtrat Riegler.
Foto: Manfred Eibl

Programmatischer Fokus

Für das Kulturjahr 2020 werden innovative, interdisziplinäre und/oder partizipative Projekte aus Kunst und Wissenschaft gesucht, die neue Wege beschreiten. Die Frage, welche urbane Zukunft für Graz in den nächsten zwanzig Jahren wünschenswert ist und wie Kunst und Wissenschaft dazu beitragen können, steht dabei im Mittelpunkt: „Es geht uns um ganzheitliche, visionäre Ansätze. Dabei sollen Fragen aufgegriffen werden, die vielleicht noch nie gestellt wurden und mit Blick auf ein zukünftiges Graz als brennend erscheinen“, so Mayer. Der Call gibt weniger konkrete Themen vor, sondern setzt viel eher Impulse in Richtung der potenziellen Förderwerbenden. Der programmatische Ausgangspunkt: Mit vielen anderen europäischen Städten teilt Graz ähnliche, virulente Fragen eines urbanen Lebens, in dem sich spezifische lokale Gegebenheiten mit globalen Entwicklungen gegenseitig bedingen – von Migration und Diversität bis hin zu den Auswirkungen der Digitalisierung im privaten wie öffentlichen Bereich. Im Sinne der urbanistischen Ausrichtung soll das Kulturjahr 2020 bis an die äußersten Grenzen der Stadt reichen, womit man vor allem auf unbekannte oder neue öffentliche Räume, außergewöhnliche Formate sowie Veranstaltungen mit niederschwelligem Zugang anspricht, die zur nachhaltigen Stärkung des kulturellen Austauschs in der Stadt beitragen können.

Foto: Mandfred Eibl

Die Zielgruppe

Der Call richtet sich an Akteurinnen und Akteure sowie Einrichtungen aus Kunst und Wissenschaft aller Sparten. Der Reichhaltigkeit der Grazer Kulturlandschaft entsprechend, ist die gesamte Bandbreite von Sparten, Formaten und Konstellationen der Förderwerbenden zur Einreichung willkommen: beispielsweise unterschiedliche Vermittlungsformate, spekulative Ansätze, Community-Arbeit oder Aktivitäten im öffentlichen oder digitalen Raum. Einreichen können Einzelpersonen, Initiativen aus der freien Szene, Institutionen oder universitäre Einrichtungen. Besonders erwünscht sind Kooperationen mit Partnerinnen und Partnern aus Graz sowie aus dem In- oder Ausland. Ein zentraler Punkt betrifft hier den Graz-Schwerpunkt: Kooperationen mit dem weiteren In- und Ausland sollten in der inhaltlichen Auseinandersetzung jedenfalls „auf Augenhöhe“ mit den Grazer Förderwerbenden angelegt sein. Für die Suche nach und Vernetzung mit möglichen Kooperationspartnern wird eine eigene Online-Plattform eingerichtet.

Foto: Manfred Eibl

Was wird finanziert?

Zum Budget: Die reine Fördersumme beträgt insgesamt 5 Millionen Euro, was einer zehnprozentigen Steigerung des üblichen Grazer Kulturbudgets entspricht. Vom Gemeinderat wurde eine Gesamtsumme von 5,7 Millionen Euro beschlossen, aus der auch weitere anfallende Kosten zu Marketingzwecken o. Ä. bestritten werden. Die Förderkriterien orientieren sich an jenen des Grazer Kulturförderungsmodells sowie an den am Kulturserver einzusehenden Spartenkriterien. Eine Fördervergabe erfolgt nach Aspekten der inhaltlichen Relevanz, Qualität, Innovation und gemäß der thematischen Schwerpunktsetzung. Aufgrund der Breite der Fragestellung und der Vielzahl an angesprochenen Förderwerbenden wird es grundsätzlich kein Limit einer Einzelfördersumme geben. Christian Mayer dazu: „Wir streben jedoch ein vielfältiges Jahr an. Es sollen möglichst viele Projekte realisiert werden.“ Die Einreichung von Großprojekten stehe jedenfalls allen offen. Ein angemessener Ko- und Eigenfinanzierungsgrad, der öffentliche Gelder aus Bund und Land oder Sponsoring miteinschließt, erhöht dabei die Chance einer Mittelzuteilung. Für alle Einreichungen müssen konkrete Angaben für etwaige Folgekosten angeführt sein. Vorarbeiten, Materialkosten o. Ä. für Projekte können auch im Jahr 2019 finanziert werden, sofern sie mit Rechnungen belegt werden können. Dementsprechend ist es auch möglich, für Projektideen, die bereits in die Mehrjahresförderung der Stadt Graz eingebracht wurden, zusätzlich um Förderung aus dem Kulturjahr-2020-Budget anzusuchen, sofern es sich um eine tatsächliche Erweiterung des ursprünglichen Projektes handelt. Auch können einzelne Förderwerbende mehrere Projekte einreichen. Explizit sind zudem Akteurinnen und Akteure eingeladen, die keine Fördernehmenden im Rahmen des 2020-Calls sind: Auch relevante, eigenfinanzierte Projekte können auf Empfehlung des Kulturjahrmanagers in das Gesamtprogramm aufgenommen und durch gemeinsame Bewerbung sichtbar gemacht werden.

CHristian Mayer, Projektleiter und Mitglied des Programmbeirats.
Foto: Manfred Eibl

Der Zeitplan

Die Bewerbungsfrist für das Graz Kulturjahr 2020 endet am 18. März 2019 um 12 Uhr. Danach wird die Anzahl der eingereichten Anträge für den weiteren Zeitplan entscheidend sein. Alle Projekte werden in den Sitzungen des Programmbeirats – bestehend aus dem Vorsitzenden Christian Mayer sowie den weiteren Mitgliedern Mark Blaschitz, Annette Knoch, Günter Koberg, Monika Pessler, Bettina Steindl, Christoph Thun-Hohenstein und Darrel Toulon – eingehend besprochen und bewertet. Nach der Auswahl der zu fördernden Projektanträge erfolgt die Genehmigung zur Freigabe der Fördergelder auf Antrag des Kulturreferenten durch den Stadtsenat bzw. den Gemeinderat in der Gemeinderatssitzung im Juli 2019. Der Kulturjahr-Auftakt soll idealerweise gleich zu Jahresbeginn stattfinden. „Wir streben eine ausgeglichene jahreszeitliche sowie städteräumliche Dramaturgie des Gesamtprogramms an: Das Kulturjahr soll im ganzen Jahr und nicht nur am Grazer Hauptplatz stattfinden“, so Christian Mayer.

Wie kann ich einreichen?

Mit folgenden Unterlagen können Förderwerbende ihre Projektideen einreichen:

Subventionsformular Kultur bzw. Subventionsformular Wissenschaft der Stadt Graz

Projektbeschreibung (kurze Zusammenfassung, ca. 1.500 Zeichen)

Detaillierte Beschreibung auf max. zwei DIN-A 4 Seiten

Skizze als visuelle Darstellung und örtliche Anforderungen (optional)

Zeitplan

Kooperationspartnerinnen und -partner

Kontaktperson, Verantwortliche und Webseiten

Kurzbiografie aller voraussichtlich involvierten Personen

Der detaillierte Fördercall sowie die notwendigen Subventionsformulare sind online unter www.kultur.graz.at/2020 zum Download erhältlich.

Projekteinreichungen können per Post oder per E-Mail erfolgen:

Kulturamt der Stadt Graz/Kulturjahr 2020, Stigergasse 2 8020 Graz Österreich

kulturjahr.2020@stadt.graz.at