Start Kunst & Kultur Kunst mit Signalwirkung: Emmerich Weissenberger im Steiermarkhof

Kunst mit Signalwirkung: Emmerich Weissenberger im Steiermarkhof

Foto: Pachernegg

Liebe, Freiheit, Menschenwürde. In seinen Werken spürt Emmerich Weissenberger vor allem sozialen und spirituellen Themen nach. Eine Personale in der Hofgalerie präsentiert nun Momentaufnahmen aus dem Œuvre des vielseitigen Künstlers.

Text: Pia Moser

Figuren in Aktion, wilde Striche, starke Farben und Strophen vereinen sich zu einem bildgewaltigen Ganzen. Ob in seinen Mischtechniken auf Ölpapier, den großformatigen Skizzen in Grafit und Rötel oder kleineren Grafiken, verfeinert mit Blattgold oder Metallelementen: Emmerich Weissenbergers künstlerischer Ausdruck ist alles andere als subtil. Bei der Betrachtung seiner Bilder ist die Kraft des Künstlers direkt spürbar. Es ist eine Anziehungskraft der besonderen Art, sodass man hineinsteigen möchte in diese Bilder, die in der näheren Auseinandersetzung tatsächlich eine Signalwirkung entfalten. Emmerich Weissenberger wurde in den wilden 60er-Jahren in Graz geboren, bereits in seiner Jugend setzte er sich intensiv mit der Malerei auseinander. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien Bildhauerei und war Mitbegründer des Rosasturm Kunstlabors für nachhaltige Entwicklung. Gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin und Filmemacherin Nora Ruzsics, führt er das Kollektiv ArtEmbassy. Sein internationales Format in der bildenden Kunst spiegelt sich in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland wider, von Wien bis London, Brüssel oder New York. Mit seiner aktuellen Ausstellung Signale in der Hofgalerie macht Emmerich Weissenberger nun gewohnt ausdrucksstark auf sich aufmerksam.

Foto: Pachernegg

Meditative Kunst

„Weissenberger verfügt über eine ausgeprägte Handschrift, mit der er seine persönliche Haltung eindrucksvoll zum Ausdruck bringt. Der besondere Blick, die Farbgebung sowie Unschärfen und Fehlstellungen dienen zum Bewusstmachen des Erlebten“, sagt Johann Baumgartner, Kulturreferent des Bildungszentrums Steiermarkhof und Kurator der Schau. Mit der großangelegten Personale ermöglicht die Hofgalerie erneut einen niederschwelligen Kunstzugang: Die Präsentation der Kunstwerke erlaubt es Menschen im Bildungsalltag, unverhofft in eine neue Welt einzutauchen. „Meine Kunst entsteht in einer Art Meditation“, sagt Emmerich ­Weissenberger, der die Schau Mitte Oktober mit einer Kunstaktion eröffnete. Die Ausstellung ist thematisch in verschiedene Bilderzyklen gegliedert. Für Kurator Johann Baumgartner galt es als Herausforderung, aus 100 Werken eine strenge Auswahl von 35 Exponaten vorzunehmen, um in der Präsentation der Vielseitigkeit des Künstlers gerecht zu werden. Die Zusammenstellung erfolgte mit Unterstützung der Grazer Galeristin Ursula Stross, die als Weissenberger-Spezialistin gilt. Was den gezeigten Arbeiten gemein ist: Liebe und Leidenschaft, aber auch die Achtung vor dem Gegenüber stellen starke Bezugspunkte dar. Der Künstler widmet sich den Gefühlen der Menschen und eröffnet einen breiten Raum für die persönliche Interpretation: „Intuitiv erkennt und spürt man die Spannung, die seinen Kunstwerken innewohnt, nimmt doch sein künstlerisches Schaffen nach eigenen Angaben das volle Leben mit all seinen dichotomen Bestandteilen in sich auf“, so Johann Baumgartner. Kontrapunkte mit farbintensiven Akzenten verweisen nicht nur auf sein Temperament, sondern markieren ebenso seinen eigenständigen Weg in der Kunst. Vor allem ist es das konstante Ausreizen der Grenzen der Akzeptanz, das Weissenberger zu einem Künstler macht, der sich in seinem Werk stets selbst treu geblieben ist.

Johann Baumgartner, Emmerich Weissenberger, Josef Riegler (Vizekanzler a.D.).
Foto: Pachernegg

Nachhaltige Wirkung

„Stofflich-organisch wie thematisch-­inhaltlich bleibt Weissenberger in seinen Zeichnungen und Malereien seinem ‚Credo der nachhaltigen Entwicklung’ treu“, erklärt Alfred W. Strigl, Direktor des Österreichischen Instituts für Nachhaltige Entwicklung der Universität für Bodenkultur Wien. Als langjähriger Wegbegleiter des Künstlers steuerte Strigl die Texte zum umfangreichen Kunstkatalog im Rahmen der Ausstellung bei. Die transluziden Ölpapiere Weissenbergers, die unter anderem in der Hofgalerie zu sehen sind, gelten als seine Eigenkreation. Schon in seinem Universitätsstudium entwickelte der Künstler diese spezielle Form der Bildbearbeitung, Haltbarmachung und Veredelung. „Aus den Anweisungen der alten Meister – in welchen organische Mittel wie Eiklar und Leinöl mit Steinmehlen, ionischem Salz und metallischen Pigmenten gemischt werden – hat sich Weissenberger seinen eigenen Präsentations-, Mal- und Zeichengrund erschaffen“, so Strigl. Ganze Räume – sogenannte „Ölpapierhäuser“ – lässt er daraus erstehen, halbtransparente Papierwände, die farbig von ockergelb über knallorange bis pimentrot das Licht von außen nach innen und von innen nach außen transzendieren.

Foto: Pachernegg

Weissenbergers künstlerische Grundideen münden in universelle Themen wie Nachhaltigkeit, Liebe, Menschenwürde oder Freiheit. „Als Aktionist, Bildhauer, Maler und Zeichner stelle ich den Menschen immer in den Mittelpunkt“, sagt er selbst. Durch seinen humanistischen und aktionistischen Zugang besitzt die Präsentation seiner Exponate auch über die aktuelle Personale hinaus Signalwirkung, indem sie zum Nachdenken über die Welt anregt.

SIGNALE – Emmerich Weissenberger

Bis 15. Dezember 2018 in der Hofgalerie im Steiermarkhof, Ekkehard-Hauer-Straße 33, 8052 Graz

www.steiermarkhof.at/hofgalerie