Start Interviews Klaus Scheitegel: „Kunst hat etwas mit Aufmerksamkeit zu tun.“

Klaus Scheitegel: „Kunst hat etwas mit Aufmerksamkeit zu tun.“

GRAWE Generaldirektor. Klaus Scheitegel Foto: Ralph König

Die Grazer Wechselseitige Versicherung feiert ihr 190-jähriges Bestehen. Klaus Scheitegel, seit 2017 Generaldirektor des Hauses, über den joanneischen Geist und die Förderung von Kunst und Kultur.

Text: Wolfgang Pauker

Die GRAWE wurde von Erzherzog Johann persönlich gegründet. Inwiefern steht man noch in der Tradition des steirischen Landesfürsten?

Wir fühlen uns ihm sehr verpflichtet. Man kann fast von einer täglichen Präsenz unseres Gründers sprechen. Zum einen ist es Tradition, dass ein direkter Nachfahre Erzherzog Johanns unser Aufsichtsratsvorsitzender ist. Das ist derzeit Dr. ­Philipp Meran. Mit unserem Ehrenpräsidenten Dr. Harnoncourt-Unverzagt haben wir sogar zwei Nachfahren, die ständig im Haus präsent sind. Auch unser Leitspruch geht direkt auf Erzherzog Johann zurück: „In der Eintracht Vieler liegt die Kraft, die das Gute bewirkt. Dazu beizutragen ist eines Jeden Aufgabe“. Erzherzog Johann war ein Pionier, ein Vordenker, der viel anders gemacht hat als das Establishment, und er war nicht nur Förderer, sondern auch Forderer und kritischer Zeitgeist. So glaube ich, dass wir als zutiefst mit der Steiermark verwurzeltes Unternehmen mit seinen Eigenschaften nach wie vor sehr gut zusammenpassen.

Der Hauptsitz in der Grazer Herrengasse wurde 1895 von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet. Die Zeiten haben sich mittlerweile geändert. Wie hält sich die GRAWE jung?

Auf verschiedenste Art und Weise. Als großes Unternehmen haben wir den Automatismus, dass immer junge Mitarbeiter nachkommen, die frisches Blut ins Haus bringen. Auch haben wir den Generationenvertrag in unserer Genetik, denn die GRAWE wird immer von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Und ganz dem joanneischen Geist entsprechend, hält es uns jung, sich mit neuen Technologien zu beschäftigen. Wir sind zwar ein optisch altes Haus, aber sie finden bei uns Tablets, einen GRAWE-Blog, eine moderne Website, einen Facebook-Auftritt und auch eine Jugend-Linie, die vom Marketing begleitet wird. Wir sehen uns als Generationenversicherer, der in der Lage ist, von der Jugend bis ins hohe Alter Versicherungsprodukte anzubieten und Lebensbegleiter zu sein. Wir haben einen sehr starken Entwicklungsdrang und das hält automatisch jung. Gleichzeitig sind wir natürlich aber auch ungemein stolz, dass wir die Aufgabe haben, unser traditionsreiches Erbe entsprechend zu verwalten und positiv in die Zukunft zu führen.

Der Generationenwechsel manifestiert sich auch in Ihrer Person. Was wird sich ändern?

Ich bin natürlich eine andere Persönlichkeit, habe einen anderen Stil, aber alle Generationen von GRAWE-Führungskräften fühlen sich den Grundwerten verpflichtet. Das heißt, dass es von der strategischen Ausrichtung des Hauses und den Grundwerten überhaupt keinen Unterschied zur letzten Management-Generation gibt. Wir sind ein sehr stabiler Faktor in modernen Zeiten. Wir wollen uns der Zukunft stellen und Ängste vor der Zukunft nehmen. Die GRAWE ist immer schon ein gut geführtes Haus gewesen und meine Aufgabe ist es, das auch in Zukunft sicherzustellen.

Mit ihrem Engagement trägt die GRAWE maßgeblich zum Kulturland Steiermark bei. Warum ist die Förderung von Kunst & Kultur dem Unternehmen so wichtig?

Kunst und Kultur haben etwas mit Aufmerksamkeit zu tun. Eine aufmerksame Gesellschaft ist auch eine sichere und damit stabile Gesellschaft. Man muss sich mit Kunst und Kultur aktiv auseinandersetzen und daher kann man durchaus eine Verbindung zu einer Versicherung herstellen. Eine Versicherung, die wie wir 190 Jahre alt ist, bemüht sich, die Gesellschaft und die Entwicklungen darin zu begleiten. Als Versicherer wollen wir eine Gesellschaft, die investiert, die optimistisch in die Zukunft schreitet. Das ist ein entscheidendes Thema. Und ich glaube, dass Kunst und Kultur wesentliche Stabilitätsfaktoren in der Gesellschaft sind. Weil Kunst Aufmerksamkeit generiert, weil man sich damit auseinandersetzen und unter Umständen auch mit anderen in Dialog treten muss.

Vom Musikverein über das Stift Admont, dem Grazer Kindermuseum bis zur Diagonale reichen die Partnerschaften. Ist diese Vielfalt bewusst gewählt?

Ja, denn die Steiermark ist vielfältig und geht von der Volkskultur bis hin zur Hochkultur. Und genauso vielfältig sind auch unsere Kunden – und deshalb sind es auch wir, als führendes steirisches Unternehmen. Wichtig ist für uns auch immer die Nachhaltigkeit. Unsere Partner können sich darauf verlassen, dass wir nachhaltiges Wirken ermöglichen wollen, weil dadurch Dinge entstehen, mit denen man vorher oft nicht rechnet.

Gibt es Vorgaben an die Partner?

Das Wort Vorgaben passt für die GRAWE überhaupt nicht und das würden wir sicherlich nie machen. Weil wir ja in dem Bereich auch keine Expertise haben. Deshalb würden wir uns nie anmaßen, der Kunst eine Vorgabe zu machen. Von Geschmacksfragen sollte man sich im Sponsoring fernhalten, denn die sind sehr breit zu diskutieren. Wir wissen genau, in welchen Bereichen wir die Experten sind, und das sind Themen zu Prävention wie Sicherheit, Lebensbegleitung und Vermögensveranlagung, aber ich glaube nicht, dass die Kunst von uns geknebelt werden könnte. Wir sind im Gegenteil sogar offen für Neues und wollen Innovationen auch im Bereich der Kunst ermöglichen. Wir schauen uns gerne neue Projekte an, denn natürlich ist uns klar, dass wir in einem Wandel der Zeit leben. Sowohl wirtschaftlich als auch technisch und natürlich ändert sich auch die Kulturlandschaft. Und das wollen wir fördern.

So international die GRAWE in den Geschäftsfeldern aufgestellt ist, so tief verwurzelt ist sie im Kultursponsoring in der Heimat.

Die Steiermark ist für uns der Ausgangspunkt allen Wirkens. Und wir sind auch stolz, das Headquarter eines Konzerns hier in Graz zu haben. Gleichzeitig gibt es eine starke Wechselwirkung mit den 13 Ländern, in denen wir aktiv sind und durch die wir sehr viel lernen können. Wir wollen im Konzern nicht die Steiermark über alles stellen, aber historisch bedingt engagieren wir uns stark in der Heimat und wollen uns von unseren Tochtergesellschaften inspirieren lassen. Diesen Gedanken haben unsere Partner in den anderen Ländern auch.