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Liebe, Tod und Brüderlichkeit

Liebe über den Tod hinaus: Télaïre (Sieglinde Feldhofer) und Castor (Sébastian Monti) Foto: Werner Kmetitsch

Regisseurin und Choreografin Nanine Linning und Barockexperte Bernhard Forck bringen das französische Barockjuwel „Castor et Pollux“ in einer poetischen und multidisziplinären Kreation zur Aufführung.

Barockoper – das ist ein Garant für überbordende Emotionen! So auch in Jean-Philippe Rameaus Oper Castor et Pollux, denn: Der sterbliche Castor und der unsterbliche Pollux sowie die Schwestern Phébé und Télaïre sind durch einen schier unlösbaren Knoten der Gefühle miteinander verwickelt. Phébé liebt Castor. Castor hingegen liebt Phébés Schwester Télaïre. Diese erwidert Castors Liebe, ist jedoch Pollux versprochen. Pollux verzichtet aus Bruderliebe auf das eigene Liebesglück, doch Castor und Télaïre sind nur kurz vereint. Castor fällt im Kampf. Erneut trifft Pollux aus Zuneigung zu seinem Bruder eine folgenschwere Entscheidung: Er will den Platz Castors in der Unterwelt einnehmen, um ihm ein Leben mit Télaïre zu ermöglichen – mit tiefgreifenden Konsequenzen!

Als Rameau die Opernbühne im Frankreich des 18. Jahrhunderts betrat, sorgten seine Werke für mehr als bloßes Aufhorchen. Hitzige, öffentlich geführte Debatten begleiteten den aufsteigenden Stern am Komponistenhimmel – so neuartig, revolutionär und aufregend erschien das, was er in der Nachfolge der Gallionsfigur der französischen Oper, Jean-Baptiste Lully, erklingen ließ. Rameaus Oper Castor et Pollux basiert auf einem Stoff der antiken Mythologie, der nicht nur den berühmten Gang in die Unterwelt in den Fokus nimmt, sondern auch die Brüderlichkeit über die romantische Liebe stellt. Mit Bernhard Forck macht sich ein Spezialist für Alte Musik auf die Spuren der Klangsprache Rameaus. Ein besonderes Highlight dieser historisch informierten Aufführung: Die Grazer Philharmoniker spielen mit Barockbögen! Auf die Reise in die Unterwelt begibt sich an der Seite Forcks Regisseurin und Choreografin Nanine
Linning. Sie kehrt nach ihrer eindrucksvollen Inszenierung des Giulietta-Aktes in Hoffmanns Erzählungen an die Oper Graz zurück. Gemeinsam mit ihrem Team ergründet sie den antiken Mythos zwischen Leben und Tod und flutet mit einem atmosphärischen Amalgam aus Tanz, Musiktheaterregie, Video, Licht- und Modedesign die Bühne der Oper Graz.   

Vorstellungen bis 25. Juni