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How to become undone?

Lain Iwakura Foto: Clara WIldberger

In Lain Iwakuras „Social Noise“ wird der soziale Raum als Perfomance-Feld begriffen. Und das Ich als Konstruktion, über die wir miteinander reden wollen. Eine partizipative Veranstaltung als soziale Komposition, über die Möglichkeit, sich aufzulösen.

Veranstaltungen organisiert Lain Iwakura schon in früher Jugend. Die finden aufgrund ihres (damals noch seines) Hintergrunds in Punk und Dadaismus auf Outdoor-Raves oder in den besetzten Häusern Frankfurts statt. Dort erhält Lain auch erste Einblicke in Licht-, Ton- und Veranstaltungstechnik. Als technische Hilfskraft arbeitet sie am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik und vertieft so auch ihr Studium der Musikwissenschaft, Philosophie und Soziologie. In der Stadt am Main knüpft dieses naturgemäß an die Tradition Adornos und der kritischen Theorie an.

Als Stagehand des Ensemble Modern wird Lain motiviert, ihrer erfolglosen Klavierschülervergangenheit zu trotzen und Musik zu studieren. So kommt sie nach Graz und zur Computermusik, ins Forum Stadtpark, ins SUB und zur Gründung des Institute for Sonic Welfare. All das prägt Lains Kunst, die sich bei Techniken der elektronischen Komposition bedient und dabei als eine Übertragung von Philosophie in Klangkunst versteht.

Entscheidend wird aber auch hier Biografisches: Als Lain sich zur Transition entscheidet, muss ein Fragebogen beantwortet werden, der zur Offenlegung teils intimster Informationen nötigt. Lain baut daraus eine Performance, die offensiv das Publikum einbindet, befragt, konfrontiert. Das Format wird von ihr permanent weiterentwickelt, auf eine breitere Ebene gestellt. Wichtig bleibt, den sozialen Raum als Performance-Feld zu begreifen. Und die – auch einer künstlerischen – Performance innewohnenden Vorgänge als sozial hierarchische. So wird das Ich als Konstruktion begreifbar, über die wir miteinander reden wollen. Wie können wir diese auflösen? How to become undone?       

Social Noise
Projektleitung: Lain Iwakura
Projektbetreuung: Daniel Rademacher und Marko Ciciliani
Fr 10.4., 18 Uhr
MUMUTH, György-Ligeti-Saal