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„Man will verzaubert werden!“

Hilde Dalik Foto: Elsa Okazaki

Filmkultur mit dem großen Diagonale Schauspielpreis. Wir sprachen mit ihr über das Festival, den Weg in die Branche und ihre Vorbereitung auf unterschiedliche Rollen.

Interview: Stefan Zavernik

Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie persönlich?

Ich finde, bei Preisen kommt es darauf an, von wem man sie bekommt. Dadurch, dass die Diagonale für mich einen so großen Stellenwert hat, fühle ich mich sehr geehrt.

Welche persönliche Beziehung haben Sie zur Diagonale?

Ich finde die Diagonale großartig, es ist mein Lieblingsfestival. Über die Jahre hinweg war es für mich ein Fixpunkt. Es ist ein hervorragender Ort, wo die österreichische Filmbranche gefeiert wird, man bekannte Gesichter trifft, Künstlerinnen und Künstler entdeckt. So ist das für mich ein Treffen der großen Filmfamilie.

Gab es einen Moment in Ihrem Leben, in dem Sie gespürt haben: Ich will Schauspielerin werden – oder war das ein langsamer Prozess, ein Hineinwachsen in diesen Beruf?

Es gab eine Zeit, in der ich lieber hinter der Kamera gewesen wäre, dann bin ich durch Zufall immer wieder auf eine Bühne gekommen und habe mir gedacht: „Das will ich!“ Angezogen hat mich das große Ganze, dass wir als Schauspielerinnen und Schauspieler die Möglichkeit haben, eine Welt zu erschaffen. Das finde ich wunderschön, das hat etwas Kindliches und Ehrliches. Es ist auch faszinierend, in eine Parallelwelt der anderen eintauchen zu können.

Das Jurystatement spricht von Genauigkeit, Wahrhaftigkeit, Mut und Lust am Spiel. Was ist für Sie selbst der Kern guter Schauspielerei – worauf kommt es Ihnen wirklich an?

Es hat mit Wahrhaftigkeit zu tun. Wenn ich Filme sehe, dann muss dieser Mensch das komplett verkörpern und ich muss ihm glauben. Alles, was davor passiert, die Vorbereitung, die will man nicht sehen, man will verzaubert werden, und das geht, wenn man jemandem zuschaut, der authentisch ist, der das wie ein Kind spielt.

Harald Wawrzyniak

Wann beginnt eine Rolle für Sie interessant zu werden? Was muss ein Stoff, eine Figur oder ein Projekt in Ihnen auslösen, damit Sie innerlich „Ja“ sagen?

Unterschiedliche Dinge. Wenn das Drehbuch gut ist, Menschen dabei sind, mit denen ich gerne arbeiten möchte. Und vor allem: dass man einen künstlerischen Austausch auf Augenhöhe haben kann. Ich hatte bisher auch immer das Glück, dass ich mit unterschiedlichsten Rollenangeboten überrascht wurde. Da ich in meiner bisherigen Laufbahn so unterschiedlichste Figuren gespielt habe, bin ich nie in einer Schublade gelandet. Immer nur die „brave Blonde“ zu spielen, wäre mir zu langweilig geworden.

Wie bereiten Sie sich auf Rollen vor? Und was passiert zwischen erster Lektüre und dem ersten Drehtag?

Die erste Lektüre finde ich spannend. Das ist etwas Wertvolles, weil die ersten Assoziationen kommen. Da schreibe ich sofort mit. Dann lese ich das Drehbuch immer wieder. Da ist auch jedes Projekt anders. Was gleich ist, ist, dass ich gerne gut vorbereitet bin. Ich versuche, so früh wie möglich die Texte zu lernen, die werden oft bis zum letzten Moment verändert. Wenn man sich gut vorbereitet, dann weiß man, wie die Figur in allen Situationen agieren würde.

Wenn Sie auf die diesjährige Ausgabe blicken: Auf welche Filme oder Programmpunkte freuen Sie sich besonders – und warum gerade diese?

Ich freue mich auf den Film von Markus Schleinzer – auf Rose, den Eröffnungsfilm. Sandra Hüller ist eine grandiose Schauspielerin, und was ich über den Film gelesen habe, macht mich neugierig.