Zum 100. Geburtstag des steirischen Malers Hannes Schwarz erinnert das KULTUM im Spiegelgitterhaus Gleisdorf an einen der bedeutendsten Künstler dieses Landes.
„Die Erfahrung tiefster Inhumanität in den Verbrechen der nationalsozialistischen Ideologie hat der 1926 in Anger bei Weiz geborene Hannes Schwarz ein Leben lang künstlerisch abgearbeitet“, erklärt Johannes Rauchenberger, künstlerischer Leiter des KULTUM und Kurator einer großen Ausstellung zu Ehren von Hannes Schwarz im Spiegelgitterhaus Gleisdorf. Sie zeigt ein Werk, das lange zeitlos wirkte – mittlerweile aber erschütternd aktuell ist. Dass die „Zeit meiner Bilder noch kommen wird“ hat Schwarz zeitlebens geahnt. Die gezeigten Arbeiten stammen aus der Sammlung Wolf, des Museums für Gegenwartskunst – Stift Admont und aus der Kunstsammlung der Stadt Graz. Die Schau ist Teil des Ausstellungszyklus Hannes Schwarz – GEGENWELTEN, der an mehreren Orten stattfindet und den 10. Todestag (2014) und den 100. Geburtstag (1926) zum Anlass nimmt, an diesen bedeutenden Künstler zu erinnern und ihn gebührend zu würdigen.

Ein Maler mit wachem Blick
Hannes Schwarz hat wie kaum ein anderer die inhumanen Vernichtungsideologien des 20. Jahrhunderts auf diesem Kontinent zum Thema seiner Kunst gemacht. Als junger Mensch wurde er selbst von dieser Ideologie indoktriniert und sollte folglich ein Teil davon werden. „Wir sind die betrogene Generation“, sagte er immer wieder. „Die Kriegserfahrung in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs hat seine Augen für immer geöffnet – zurück blieben Einsichten und Träume, die ihn ein Leben nicht mehr losgelassen haben“, so Rauchenberger. In seinem Streben nach geistiger Neuorientierung beschäftigt er sich unter anderem eingehend mit der Philosophie des Existentialismus, deren Einfluss auf sein Denken von großer Nachhaltigkeit sein wird. In Emil Ciorans Zitat: „Ein ‚Nein!‘ aus der unendlichen Sehnsucht nach einem ‚Ja!‘“, das der Schau als Titel dient, findet sich die Spiegelung für seinen tiefen Skeptizismus. In künstlerischer Hinsicht erfährt er wesentliche Anregungen durch seine Auseinandersetzung mit dem Werk von Anton Kolig, Franz Marc; seine eigene Bildsprache findet er in den verstörenden Körper- und Gitterbildern der späten 1960er und frühen 1970er Jahre, die den Mensch in seiner Verletztheit und Geworfenheit zeigen, wie der Autor Wilfried Skreiner in seinem Buch Botschaften eines skeptischen Humanisten über Hannes Schwarz schreibt.

Ein Zustand innerer Ruhe
Im letzten Drittel seines Lebens entwirft der Künstler „Landschaften als Botschaften menschlicher Existenz“, so Skreiner – und Rauchenberger ergänzt: „In dieser Zeit erschuf er Landschaften von subtiler Sakralität, ohne die Narben und Wunden der Vergangenheit zu verdecken.“ Der Mensch verschwindet aus dem Bild, zurück bleiben zunächst leere Opferstelen, später Epitaphe und Fahnen, schließlich wandern Zelte und später Bäume in seine Bilder ein, deren Hintergründe immer aus der Raum-Zeit-Dimension herausgenommen erscheinen. Vorausgegangen waren mehrere Spanienreisen Anfang der 1980er Jahre, die eine tiefgreifende Veränderung in seinem Schaffen bewirkten. In der Weite der andalusischen Landschaft mit ihren sanften Hügeln und vereinzelten Baumgruppen empfand er „eine fast kosmische Gelassenheit“, wie der Künstler selbst einmal sagte. Einen Zustand innerer Ruhe, den er in der Folge in sehr eigenständigen Landschaftsbildern zum Ausdruck bringt.

Inhumanität mit Kunst bewältigen
„Schwarz war ein stiller, kompromissloser, auf vielfache Weise schutzloser, aber vor allem ungemein konsequenter Mensch. Musisch gleichermaßen begabt wie belesen in allen möglichen Konzepten, der versuchte, die Inhumanität mit Philosophie, Poesie und Kunst zu bewältigen“, so Rauchenberger. Seinen Zeitgenossen, auch seiner Heimat, erschien er deshalb fremd: Die Auseinandersetzung mit der dunklen Vergangenheit schien keinen Platz im vom Fortschrittsoptimismus durchzogenen Nachkriegsösterreich zu haben. Einen Platz fanden hingegen seine Werke, wie etwa seine Opferstelen und Wimpeln in der Emmanuel-Kapelle in der Weizbergkirche. Damit wurde die tiefste Katastrophe der Menschheitsgeschichte auch in die Sakralarchitektur dieses Landes einschrieben – und so auch erinnert.

Foto: Nikola Milatovic
Eröffnung: Fr, 13. Februar, 18 Uhr
Begrüßung: Heidrun Primas, Mitinitiatorin des Zyklus „Hannes Schwarz – Gegenwelten“, zu den Bildern spricht Kurator Johannes Rauchenberger
Zu sehen bis 26. April 2026
Öffnungszeiten: Fr, 17–19 Uhr & Sa, 10–12 Uhr & persönliche Terminvereinbarung unter 0664 221 81 84
Mit, 15. April, 18 Uhr: Buchvorstellung mit Dr. Reingard Schwarz (Neuauflage): „Man denkt nur, was man sieht“
Spiegelgitterhaus
Kernstockgasse 28, 8200 Gleisdorf
www.kultum.at/spiegelgitterhaus













