Theatermacher Peter Faßhuber über die neuen Produktionen am THEO, einen brandaktuellen Text von Ingeborg Bachmann und eine alte Liebe zu Dario Fo.
Das THEO im steirischen Pölstal ist eines der größten freien Theaterhäuser Österreichs. Sechs Eigenproduktionen werden pro Jahr auf die Bühne gebracht, inhaltlich wird von großer Literatur bis zum familientauglichen Stück für jeden Geschmack etwas geboten. Wir trafen Intendant Peter Faßhuber, um einen Ausblick auf die Spielzeit zu geben, in die traditionell mit einer Komödie gestartet wird. „Gutes Unterhaltungstheater gibt einer Spielzeit einen gewissen Drive“, so Faßhuber, der betont, dass es sich stets um österreichische Erstaufführungen handelt. „Darauf muss sich das Publikum natürlich einlassen. Aber wenn wir zeitgenössische Komödien zeigen, dann nur ganz neue im deutschsprachigen Raum.“
Gewagte Spiele: Strip Poker
In der aktuellen Spielzeit ist diese Komödie Gewagte Spiele: Strip Poker des französischen Autors Jean-Pierre Martinez. Darin lädt ein Pariser Ehepaar seine neuen Nachbarn zum Essen ein. Was als höfliche Geste beginnt, eskaliert zu einem provokativen Spiel. „Es geht um Wahrhaftigkeit, Macht und Entlarvung“, so Faßhuber über die erste Produktion eines breit aufgestellten Spielplans: „Wir sehen uns als das Schauspielhaus der Obersteiermark und sind auch im Umkreis von rund 100 Kilometern das einzige Theater mit einem Ensemble, das professionell arbeitet und das ganze Jahr Programm bietet. Wir haben 400 Abonnenten, was vier ausverkaufte Vorstellungen pro gespieltem Stück bedeutet – noch bevor wir in die Proben starten. Das ist ein großer Luxus, und für dieses Vertrauen des Publikums bin ich sehr dankbar.“
Nächster Termin: 14. März, 20 Uhr

Foto: Michael Traussnigg
Der gute Gott von Manhattan
„Neben zeitgenössischen Themen wollen wir aber auch immer große Literatur bieten – nach Maria Stuart 2025 folgt heuer Ingeborg Bachmann“, erklärt Faßhuber. In Der gute Gott von Manhattan findet eine leidenschaftliche Liebesbeziehung in einem New Yorker Hotel ihren tragischen Höhepunkt. In einer poetisch-philosophischen Sprache wirft Bachmann Fragen nach Schuld, Freiheit und der Macht der Liebe auf. Faßhuber: „Der Text wurde 1958 geschrieben und ist unglaublich aktuell. Denn es geht um das Moralisierende unserer Gesellschaft. Bachmann beleuchtet ein radikal-republikanisches Amerika, das es ja auch heute wieder gibt.“
Premiere: 11. Februar, 20 Uhr
Neues vom Pumuckl
Gezeigt wird immer auch eine Produktion für junges Publikum. Aktuell ein Stück frei nach Ellis Kaut, der Schöpferin des legendären Pumuckl. In Neues vom Pumuckl erleben der rothaarige Kobold und sein junges Publikum herzerwärmende Abenteuer mit viel Charme und Magie. „Ich war erst skeptisch, so ein prominentes Stück aus dem Fernsehen auf die Bühne zu bringen. Ein Stück, bei dem man auch die filmischen Mittel braucht. Wie spielt man beispielsweise Unsichtbarkeit? Aber es funktioniert fantastisch und mittels größtmöglicher Einfachheit ist es gelungen, einen riesigen Effekt zu erzielen“, so Faßhuber.
Nächster Termin: 17. Februar, 17 Uhr

Foto: Michael Traussnigg
Offene Zweierbeziehung
Es folgt der zeitlose Klassiker unter den Beziehungskomödien von Franca Rame und Dario Fo – am THEO in einer Neuinterpretation mit zwei Frauen als sich duellierendes Ehepaar. „Eine turbulente Komödie voller Sprachwitz, Tempo und Slapstick“, so Faßhuber, der eine alte Liebe zu Dario Fos höchst politischem, aber nie moralisierendem Theater eingesteht. „Wir haben diesen Text, der in den 1970er Jahren entstanden ist, auf das Jahr 2026 umgemünzt und ich bin überzeugt, dass Offene Zweierbeziehung mit Ninja Reichert und Sigrid Sattler in den Hauptrollen ein großer Erfolg wird.“
Premiere: 8. April, 20 Uhr
I killed my ex
Mit der österreichischen Uraufführung von I killled my ex von Autorin Emilie Biason folgt eine tiefschwarze britische Komödie: „Das Stück wurde von Regisseur Holger Schober auf einem Festival in Edinburgh entdeckt. Eine unglaublich schräge Geschichte, in der sich zwei junge Frauen in einen Mordfall verwickeln und eine Nacht erleben, die ihr Leben verändern wird. Es geht um Vertrauen und Misstrauen in einer Freundschaft und wie diese auf die Probe gestellt wird“, so Faßhuber.
Premiere: 13. Mai, 20 Uhr

Foto: Ainerdinger
Die Nacht der Kannibalen
Das letzte Stück der Spielzeit, ebenfalls eine österreichische Erstaufführung, stammt von Stephan Eckel und spielt in einem Dorf irgendwo in der Alpenrepublik. Die Jury des Wettbewerbes Unser schönstes Dorf hat sich zur Bewertung angekündigt, und alles ist tadellos und akkurat in Form. Jetzt kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. „Absurdes und bösartiges Theater in einer Region, in der nur wenige Kilometer entfernt tatsächlich ein Dorf existiert, das kürzlich zum schönsten Blumendorf Österreichs gekürt wurde. Das wird Diskussionen aufwerfen und darauf freue ich mich schon.
Premiere: 22. Juli, 20 Uhr
THEO – Theater Oberzeiring
Hauptstraße 7a, 8762 Pölstal
www.theo.at













