Nach Monaten des Stillstands sind die Kulturförderungen in der Steiermark wieder angelaufen. Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl spricht über Budgetdruck, anstehende Reformen – und klare Erwartungen an den Koalitionspartner.
Interview: Stefan Zavernik
Ende 2025 konnten über Monate hinweg keine Anträge für Kulturförderungen eingereicht werden. Mittlerweile ist der Förderstopp aufgehoben, Jahres- und Projektförderungen wurden beschlossen. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?
Man ist in der Politik nie ganz zufrieden – und das sollte man auch nicht sein. Aber ich bin froh, dass wir die Förderungen wieder auf Schiene gebracht haben und Gelder ausbezahlt werden konnten. Die Verzögerung hatte einen technischen Hintergrund: Durch Änderungen auf Bundesebene beim ORF-Gesetz mussten wir landesgesetzlich nachziehen. Diese Voraussetzung schaffen wir jetzt, damit wieder Planungssicherheit entsteht.
Die mehrjährigen Förderungen wurden bereits 2025 beschlossen, große Kürzungen sind ausgeblieben. Der neu besetzte Landeskulturbeirat, der anfangs stark in der Kritik stand, hat seine Aufgabe hier offensichtlich im Sinne der Kulturszene geleistet. Wie lange wird dieses Gremium seine Arbeit weiterführen?
In Anbetracht der schwierigen budgetären Situation ist speziell bei den mehrjährigen Förderungen alles ganz gut gelungen. Ich bin sämtlichen Beteiligten dankbar. Aus meiner Sicht hat das Kulturkuratorium sehr besonnen gearbeitet und war im Wesentlichen auf einer Linie mit den Empfehlungen der Fachbeiräte. Die aktuelle Funktionsperiode des Kulturkuratoriums läuft regulär bis Jahresende. Wie es danach weitergeht, hängt stark von der geplanten Novellierung des Kulturförderungsgesetzes ab. Dort wird auch die zukünftige Struktur der Gremien mitentschieden. Ich möchte hier nichts vorwegnehmen.
Warum braucht es die Novellierung des Kulturfördergesetztes?
Eine Novellierung ist notwendig, um Strukturen zu modernisieren. Wichtig ist mir, die Szene einzubinden und Transparenz zu stärken. Es geht nicht darum, alles neu zu erfinden, sondern bestehende Systeme weiterzuentwickeln und gerechter zu gestalten.
Gibt es in Österreich ein Bundesland, das hier als Vorbild dienen kann?
Die Systeme sind extrem unterschiedlich. Die Bandbreite reicht von rein administrativen Entscheidungen bis zu vollständig unabhängigen Gremien. Ein klares Vorbild gibt es daher nicht. Unser Anspruch ist, ein modernes Modell zu entwickeln, das Transparenz, Qualität und Verantwortlichkeit vereint.
Viele Kulturschaffende wünschen sich eine stärkere Abstimmung zwischen Stadt und Land – etwa durch einen gemeinsamen Förderantrag. Ist das realistisch?
Der Wunsch ist absolut nachvollziehbar. Künstlerinnen und Künstler sollen sich auf ihre Arbeit konzentrieren können. Es gibt bereits Annäherungen, aber unterschiedliche Einreichfristen und Systeme machen es komplex. Besonders bei mehrjährigen Förderungen sehe ich aber Potenzial für bessere Abstimmung.
Auch große Institutionen wie das Universalmuseum Joanneum oder die Bühnen Graz stehen unter Spardruck. Wie sehr gefährdet das die Steiermark als Kulturland?
Die Budgetlage ist angespannt – das betrifft alle Ebenen. Umso wichtiger ist Zusammenhalt. Ich kämpfe um jeden Euro für die Kultur, weil sie Teil unserer Identität ist.
Mit der Abschaffung der ORF-Haushaltsabgabe drohen ab 2027 rund 30 Millionen Euro jährlich für Kultur und Sport wegzufallen. Wie soll diese Lücke geschlossen werden?
Gleich vorweg möchte ich hier betonen: Die geplante Abschaffung der ORF Haushaltsabgabe war nicht meine Entscheidung. Und klar ist: Diese Summe ist aus dem System heraus nicht kompensierbar. Ich nehme Landeshauptmann Mario Kunasek deswegen beim Wort, dass dieses Geld ersetzt wird – und das werde ich auch einfordern.
Abseits von Budgetfragen: Welche kulturpolitischen Ziele stehen auf Ihrer Agenda?
Mein Ziel ist, dass die Szene wächst und sich weiterentwickelt. Regionalität bleibt wichtig, gleichzeitig wollen wir international stärker präsent sein. Beispiele wie Ausstellungen im Ausland zeigen, welches Potenzial in der steirischen Kultur steckt. Dieses wollen wir weiter ausbauen – durch Kooperationen, Austauschprogramme, Stipendien und neue Impulse.













