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Zwischen singenden Cowboys und tanzenden Kakteen

Musicaldarstellerin Frederike Haas Foto: Ingo Pertramer

Musicaldarstellerin Frederike Haas über Emmerich Kálmáns Western-Operette Arizona Lady: Der Musicalstar spielte in Berlin, Wien und am legendären Londoner West End. An der Oper Graz weiß sie sich heuer als taffe Rancherin gegen dubiose Cowboys zu behaupten.

Wann sind Sie das erste Mal mit der Musik von Emmerich Kálmán in Berührung gekommen?

Ich habe ein eigenes Programm mit Liedern und Texten emigrierter jüdischer Komponisten und Librettisten entwickelt, in dem natürlich auch Kálmán vertreten ist. Mich bewegt, wie diese Künstler vor 100 Jahren die Unterhaltungsmusik in Deutschland und Österreich maßgeblich prägten, sich dann im Exil, in Kálmáns Fall in den USA, notgedrungen zurechtfinden mussten, aber ihre musikalische Identität und ihren Sprachwitz mitnahmen und unter Einbezug neuer Impulse weitere Werke schufen. In Arizona Lady sind Kálmáns ungarische Herkunft sowie die Einflüsse amerikanischer Rhythmen besonders deutlich zu hören. Ich wurde selbst stark durch die Arbeit mit Lehrerinnen und Lehrern sowie Kreativteams aus dem amerikanischen Musiktheater geprägt, daher verbinde auch ich gerne diese verschiedenen Einflüsse in meiner Arbeit.

Welche Figur spielen Sie in „Arizona Lady“?

Lona Farrell hat die hochverschuldete Ranch ihres Vaters geerbt und ist in einer Männerdomäne zu einer Kämpferin geworden, die ein großes Herz voller Sehnsucht hat. Ich mag diese Powerfrau, die trotz aller Widrigkeiten die Hoffnung auf ein Happy End nicht aufgibt. Mich interessieren ihre Lebendigkeit und Lebenslust, der weiche Kern und ihr Humor hinter der taffen Fassade. Wenn man als Darstellerin zwischen den Zeilen liest, eröffnen sich spannende Spielräume, in die ich gerne eintauche, um Lonas ganzes Wesen zu erzählen. Natürlich macht es auch einfach Spaß, mal ein Cowgirl mit Colt in der Hand und Strohhalm im Mund zu sein – wann hat man schon mal diese Gelegenheit?

Was erwartet das Publikum?

In Arizona Lady treffen singende Cowboys auf tanzende Kakteen, es gibt Halunken und ein Vokalquintett, das an die Comedian Harmonists erinnert, es wird Thanksgiving gefeiert und Squaredance getanzt, es werden Hüte vom Kopf geschossen und Liebeswalzer gesungen, und das in einem wunderbaren Wild West-Setting zu herrlicher Musik. Das sollte man sich nicht entgehen lassen!