Das Œuvre der als Bildhauerin bekannten Künstlerin Hortensia umfasst auch ein umfangreiches graphisches Werk. Zeichnen ist für sie ein Mittel der Erkenntnis und Fundament künstlerischen Denkens.
Text: Lydia Bißmann
Das Frühwerk der Zeichnungen von Hortensia entsteht aus einer inneren Notwendigkeit. Zu Beginn verbinden sich in ihrer Bildsprache eine sinnliche Körperauffassung mit einer expressiven Linie und einer starken Kontur. Geometrisch strukturierte Kompositionen, intensive Farbigkeit sowie markante Hell-Dunkel-Kontraste verbinden sich mit gefühlsstarker Tiefe. Unbeschwerte, lustvolle Motive stehen neben dunkleren, nach innen gerichteten Stimmungen. Der Wunsch nach Freiheit und großer Offenheit prägt diese frühe Phase. Mit dem Studium in Wien vollzieht sich eine klare Zäsur. Hortensia beschäftigt sich intensiv mit alten Meistern wie auch mit Vertretern der Moderne. Sie alle werden zu Bezugspunkten in einem wachsend präzisen Vergleichssystem. Anstelle von subjektiver Expressivität haben in ihrer Zeichnung nun Form, Maß und Struktur oberste Priorität. Der Weg der Bildhauerin beginnt.

Zeichnen in reinster Form
„Zeichnen ist für mich eine Art zu sehen, die plastische Vorstellungskraft durch das geistige Auge zu bilden“, so Hortensia. Der zeichnerische Prozess folgt nun vermehrt und konzentriert den Gesetzen der dreidimensionalen Logik: Komposition, Blickdistanz, Raumstaffelung, Verkürzung und Proportion. Raumebenen sind klar gegliedert, fein abgestufte Tonwerte verleihen den Figuren plastische Präsenz. Als Bildhauerin erschließt sie sich ihren eigenen Zugang und entwickelt ein reiches und differenziertes Werk. „Beim Zeichnen stellt sich manchmal eine Unsicherheit ein, die mich zweifeln lässt. Es ist der unlösbare Widerspruch zwischen der Unvereinbarkeit der visuellen Anschauung und der geistigen Übersetzung in Form, doch oft führt ein Weg heraus in etwas Neues und Wahres.“

Ein Akt zeichnerischer Verdichtung
Bildnisse, im Sinne von Hortensia, sind ansprechende figurale zeichnerische Darstellungen. Schon diese Wortwahl verrät die Intention und Absicht ihres künstlerischen Zugangs: Die dargestellte Person wird als ganzheitliches Wesen erfasst, Bekleidung als formbildendes Element in die Gesamtkomposition eingebunden. Ineinandergreifende Grundformen strukturieren den Körper, die unterschiedlichen Richtungen sorgen für Spannung und Volumen und unterstreichen so die Präsenz im Raum. Die gewandete Figur wird zum „Bildnis“, in dem sich Beobachtung, Erfahrung und Vision offenbaren. Hier manifestiert sich das zeichnerische Denken der Künstlerin Hortensia. Es ist die klare und kraftvolle Transformation der menschlichen Erscheinung in eine Persönlichkeitsstudie.

Eigenständiges Werk – bildnerische Vielfalt
Das graphische Werk von Hortensia kann autonom und geschlossen für sich betrachtet werden. Der Reichtum an figuralen Darstellungsformen bildet ein eigenes Universum, eine Art „menschliches Dokument“. Ihre Zeichnungen stehen parallel zu ihrem bildhauerischen Werk und bilden dessen geistiges Fundament. Die strukturierte, philosophische und klar konzentrierte Zugangsweise der bildenden Künstlerin Hortensia wurde mit mehreren Auszeichnungen honoriert. Nach dem Großen Ehrenzeichen des Landes Steiermark 2014 und dem Goldenen Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich wurde ihr 2025 das Ehrenzeichen des Landes Steiermark für Wissenschaft, Forschung und Kunst verliehen.














