Alfred Haidacher inszeniert im Theater im Keller eine Tragikomödie des slowenischen Erfolgsautors, der mit gewohnt sicherer Theaterpranke große Weltprobleme im Mikrokosmos paraphrasiert.
Evald Flisar – Romancier, Dramatiker, Essayist und Herausgeber des ältesten slowenischen Literaturjournals – zählt zu den meistübersetzten Autoren unseres Nachbarlandes. Der vielfach preisgekrönte Dichterstar, der auch Hörspiele für die BBC verfasste, ist dem Grazer Publikum kein Unbekannter. Denn das Theater im Keller hat sich mit dem 1999 gestarteten Projekt Flisar komplett das ambitionierte Ziel gesetzt, alle Stücke des Erfolgsautors zu zeigen. Von den mittlerweile 17 Bühnenwerken wird das TiK mit der deutschsprachigen Uraufführung von Künstlich intelligentes Stück 15 ins Deutsche übertragen und aufgeführt haben. Lediglich zwei weitere Werke fehlen und das TiK wird das erste Theater weltweit sein, das Flisars dramatisches Werk, das von den USA, über Großbritannien, Indien, Malaysia, Japan, Weißrussland bis zum arabischen Raum gezeigt wird, in seiner Gesamtheit zur Aufführung gebracht hat.

Unzulänglichkeiten und Lebenslügen
In der neuesten Produktion flieht eine Familie aufs Land, da man sich vor der Machtübernahme durch die künstliche Intelligenz fürchtet. Ohne Telefon, Computer, aber auch ohne Arbeit richtet man sich in einem Refugium ein, das für die jüngsten Familienmitglieder mehr und mehr zum Gefängnis wird. Als auch noch ein lang verschollen gewesener Onkel eintrifft, gerät die ohnehin wackelige Balance des neuen, scheinbar so sicheren Familienlebens gehörig aus dem Gleichgewicht. Alfred Haidacher, Kopf des Theaters im Keller: „Wieder einmal hat Evald Flisar alles versammelt, was für seine Versuchsanordnungen typisch ist, und hier ein patriarchalisches System aufgebaut, in dem die Neurosen nur so blühen.“ Dass es zur Bedrohung eines gedeihlichen menschlichen Zusammenlebens gar nicht unbedingt der künstlichen Intelligenz oder auch eines allgegenwärtigen Orwell’schen „großen Bruders“ bedarf, erweist sich in Flisars Tragikomödie überdeutlich. Der Mensch braucht zur Zerstörung der gemeinsamen Welt nichts – außer sich selbst.
Premiere: 21. Februar, 20 Uhr
Weitere Vorstellungen: 25., 26., 27. Februar & 4., 5., 11., 12., 14. 18., 19., 20., 21., 22. März, jeweils 20 Uhr (außer 22. März, 17 Uhr)
Theater im Keller
Münzgrabenstraße 35, 8010 Graz
www.tik-graz.at













