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Sein Ding in Grado machen

Martin G. Wanko Foto: Clarissa Berner

Ende November erschien mit „GRADO – Der ins Meer hineingerufene Ort“ das neueste Buch des Grazer Autors Martin G. Wanko, das er gemeinsam mit Mike Markart verfasst hat. Wir sprachen mit dem Grazer Autor über Reiseliteratur, Italien-Feeling und seine neuen Projekte. 

Was bedeutet der Ort Grado für Sie und wie kam es zur Idee des Buches?

Na ja, nach unserem wirklich erfolgreichen Triest-Buch haben wir uns zu Unerwartetem hinreißen lassen. Wer erwartet von einem Grado- & Friaul-Buch Literatur? Ich schätze alle Kolleginnen und Kollegen, die Reiseführer schreiben, aber ich finde in Norditalien auch den 17. Kreisverkehr im Regen und dazu ein Hochhaus mit Klimaanlagen wie Pickeln sehr literarisch und berichtenswert.

Wie oft haben Sie Grado für das Buch besucht? Was macht die Essenz des Ortes für Sie aus? Wie viel Recherche und wie viel Erleben steckt im Buch?

Tatsächlich war ich als Kind nie dort, meine Eltern waren eher „Fraktion Jesolo“. Aber vier- bis fünfmal muss man schon hin, sonst begreift man die Tiefe nicht. Mit einem Mal ist es nie getan, da läuft man ja wie ein Waschl herum und hat nix begriffen! Grado ist ein Kleinod an der Küste mit historischem Potenzial, das es sonst nicht gibt. Von Napoleon bis zu Kaiser Franz Josef sind hier die Spuren zu finden. Im Vorfeld habe ich so ziemlich alles zusammengelesen, was es so in der Buchhandlung Moser gibt. Schlussendlich fährt man dann mit allen Gedanken runter und muss dann sein Ding daraus machen und das haben Mike und ich gemacht.

Das Buch beginnt aber nicht erst in Grado, oder?

Also am besten folgt ihr meinen Beschreibungen. Und das tatsächlich: Von Graz runter, zuerst nach San Daniele, weil man diese Städte an der Autobahn oft vernachlässigt und sich immer denkt „das nächste Mal!“ und danach Aquileia, weil dort die Ausgrabungen sehr lässig sind und uns im Positiven an unsere Schulzeit erinnern, aber auch weil dort bereits diese Sumpflandschaft beginnt, die Grado ausmacht, Grado wurde ja in den Sumpf gebaut.

Können Sie unseren Leserinnen und Lesern Empfehlungen für einen perfekten Sommertag in Grado geben?

In Grado selbst würde ich zur Begrüßung einmal ein oder zwei Achterln am Alten Hafen nehmen, Koffer in der Pension unterbringen und dann ungeschaut in die nächste „Windn“ gehen und eine Runde „Il fritto misto di pesce“, im Idealfall mit einem Rifosco oder einem Pinot Grigio delle Venezie, Aperol oder weiß Gott was, genießen, kann auch Antialkoholisches  sein – wichtig ist auch, dass man die Standards ohne Sterne, also ohne Haubenküche wieder schätzen lernt. Danach würde ich die Insel – wir dürfen nicht vergessen, Grado ist eine Insel – einfach an den Rändern abgehen. Dann ergibt das eine das andere und jeder fühlt sich dort wohl, wo er landet. Und nochmals: Wer Grado wirklich kennenlernen will, der sollte außerhalb der touristischen Hochkonjunktur hin, dann wird es beschaulich, manchmal einladend und manchmal auch unheimlich.

Reiseliteratur ist für Sie als Autor kein Neuland. Mit „Triest“ haben Sie gemeinsam mit Mike Markart schon einmal ein Buch über eine italienische Stadt produziert. Was macht für Sie gute Reiseliteratur aus? Was kann Reiseliteratur, was ein klassischer Reiseführer nicht kann.

Wie ich schon eingangs erwähnt habe: Schick einen Autor wo hin und der „wuzelt“ dir was raus, was der klassische Reiseführer nicht machen darf, nämlich schwer subjektiv durchs Land trollen und dementsprechende Werturteile abgeben. Ich finde es hierbei auch wunderbar, eine Sehnsucht entwickeln zu dürfen, die nicht abgenützt ist. Die Menschen kaufen sich hier in Österreich unser Buch, reißen dazu eine Flasche Prosecco auf, lesen einige Seiten, tratschen, essen Antipasti,  freuen sich auf das, was kommen wird, und haben dazu Literatur im Kopf, die Schwingungen überträgt. Und los geht die Reise im Kopf! Besser geht’s nicht. 

Sind nach „Triest“ und „Grado“ noch weitere Bücher in diesem Format geplant?

Dieses Format lässt sich natürlich fortsetzen, aber man darf jetzt nicht beliebig werden. Venetien oder Istrien würden sich sehr gut anbieten. Wir schauen uns das gut an.

An welchem Buch arbeitest du aktuell?

Ein Kurzgeschichtenband. Hat jetzt einmal den Arbeitstitel Die Welt in zwei Jahren! und kommt in der Edition Keiper heraus. Ein Roman mit dem Arbeitstitel Der letzte Zug scharrt bereits in den Startlöchern.

Mike Markart und Martin G. Wanko

Im Herbst wird es im Theater im Keller eine Uraufführung von Ihnen geben. Um was geht es im neuen Stück?

Das Stück heißt Schnapsen und ist in einer Ferienhütte im Wald angesiedelt, wo sonderbare Dinge vor sich gehen. Ein österreichischer Alptraum kündigt sich an.

Mit dem TiK verbindet Sie schon eine sehr lange Partnerschaft. Welche Rolle spielt das älteste Theater der Stadt aus Ihrer Sicht für das Kulturprofil von Graz?

Das ist tatsächlich das einzige Autorentheater, ein Theater also, das sich vornehmlich um Stücke von Autoren kümmert und keine selbst schreibt. So gesehen ist das TiK unheimlich wichtig für die Stadt, auch mit dem Hintergrund, dass das Schauspielhaus Graz nicht seinen Pflichten nachkommt. Man sollte in den nächsten Schauspielhaus-Ausschreibungen wirklich darauf achten, was denn eine Intendanz mit den Autoren unserer Stadt so vorhat.