Mit einem Abend in memoriam Gerhard Dienes, gefolgt von einer Bestandsaufnahme junger steirischer Kunst, startet die Steirische Kulturinitiative ihr Programm.
Seit 2021 beschäftigt sich die Steirische Kulturinitiative mit dem Nachlass des Historikers und Kurators Gerhard Dienes (1953–2020), der so umfangreich ist wie sein Schaffen es war. Seine wichtigsten Themen sind nun in sechs Lesebüchern der Öffentlichkeit zugänglich. Das von Elke Murlasits konzipierte Projekt Die Boxen des Gerhard Dienes umfasst unveröffentlichte Texte, Bilder und kontextualisierende Texte von Weggefährtinnen wie Gundi Jungmeier, Karin Schmidlechner, Bettina Habsburg-Lothringen oder Michaela Reichart. Sie kommen in den Publikationen genauso zu Wort wie der Politikwissenschafter Thomas Schmidinger, der zum Themenkreis Orient/Hammer-Purgstall gearbeitet hat. Unveröffentlichtes Material und Regieanweisungen seiner legendären Performances finden sich ebenfalls in den thematisch sortierten reklamheftgroßen Büchern, die auch käuflich erwerbbar sind. Präsentiert werden sie am 7. Februar (18 Uhr) im Museum für Geschichte des Universalmuseums mit Lesungen von Bettina Habsburg-Lothringen und Thomas Schmidinger. Wegbegleiter Peter Kunsek, Hannes Galter und Gerhard Balluch werden Dienes’ Werke performativ mit Musik aufführen.

Eine Bestandsaufnahme
Das Generalthema 2026 widmet sich den Kunstschaffenden und ihren Ideen, die Utopien und Visionen für ein konstruktives Miteinander ins Zentrum ihrer Arbeit stell(t)en. Innerhalb dieses Kanons startet am 11. Februar die erste Ausstellung: eine junge Bestandsaufnahme. Kuratiert von Nicole Pruckermayr, zeigt die Schau in Kooperation mit dem Verein Stadtteil Graz Reininghaus Werke von Raphael Daum, Anna Donat, Florian Perl und Peter Rieser und hinterfragt auch die Herausforderung, die eigene Kunst und das dazugehörige Leben zu finanzieren. Die vier jungen steirischen Künstlerinnen und Künstler arbeiten in der Fotografie, der Malerei und innerhalb medienkünstlerischer Raum-Experimente, die Schau zeigt ihr aktuelles Schaffen. Daum etwa experimentiert mit Infrarot und Laser-Technologie und überführt die sichtbare Realität in neue Ansichten; Perl malt und arbeitet seit etlichen Jahren nicht nur bevorzugt auf Fassaden im öffentlichen Raum, sondern auch auf Planen/Karton und zeigt seine Fähigkeit, Räumen Mehrfachbedeutungen zu geben. Die Ausstellung ist wieder ein Zwischennutzungsprojekt im EG des Mirror der ÖSW Wohnbauträger GmbH in Reininghaus. Gleich drei Ausstellungen finden hier dieses Jahr statt, dabei wird es auch Workshops zu zeitgenössischen, ökologischen Produktionsweisen in Kooperation mit der AHS Reininghaus und dem Institut für Architektur und Medien/TU Graz geben.
Lebendige Gedenkkultur
Die Auseinandersetzung rund um irritierende Inszenierungen im Hier und Jetzt und innerhalb des Nationalsozialismus in der Steiermark ist heuer ebenso Thema und steht im Fokus einer Gruppenausstellung im April/Mai. Ein weiteres Projekt – Die, die da sind – schließt hier an. Seit vielen Jahren setzt der Verein für Gedenkkultur das Projekt Stolpersteine um, welches in der Steiermark und in Graz präsent ist. Nach der Idee des Künstlers Gunter Demnig finden sich in Graz, Bruck a. d. Mur, Frohnleiten, Kindberg, Köflach, Leoben, Ramsau am Dachstein, Sankt Ruprecht a. d. Raab und in Schladming Gedenksteine, die an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden, erinnern. Drei Künstlerinnen – Reni Hofmüller, Christina Lederhaas und Clara Oppel – beschäftigen sich mit ausgewählten Personen, die sich hinter den Stolpersteinen verbergen und erarbeiten dazu Kunstwerke in den jeweiligen Nachbarschaften. Jeweils an einem Tag werden die Arbeiten öffentlich vor Ort präsentiert und können so eine lebendige Gedenkkultur mitschreiben. Innerhalb des Jahres entstehen so in Kooperation mit dem Verein für Gedenkkultur, dem Kulturquartier Leoben und dem Theaterland Steiermark temporäre Kunstprojekte in Leoben, Schladming und Graz.
Highlight im November
Schlusspunkt des Jahresprogramms ist eine Ausstellung mit Arbeiten der Künstlerin Ida Maly (1894–1941), die in Hartheim/Oberösterreich im Rahmen des „NS-Euthanasie-Programms“ ermordet wurde. Maly entwickelte in der Zwischenkriegszeit mit ihrer Bildsprache ein formal und inhaltlich einzigartiges Werk, das nicht nur als Statement zu ihrer eigenen Situation zu lesen ist, sondern auch die politischen Verhältnisse widerspiegelt. Die Steirische Kulturinitiative ist damit wieder in der Kunsthalle Graz zu Gast und widmet sich einmal mehr einer wichtigen steirischen Künstlerin und der Art Brut.

Foto: maschekS / Sammlung Neue Galerie Graz/Universalmuseum Joanneum
Gerhard Dienes und eine leichte Brise
Hommage und Buchpräsentation mit Peter Kunsek, Gerhard Balluch, Karin Schmiedlechner, Thomas Schmidinger, Elke Murlasits u. a.
Sa, 7. Februar, 17–21 Uhr
Museum für Geschichte, Sackstraße 16, 8010 Graz
eine junge bestandsaufnahme
Eine Ausstellung mit Anna Donat, Raphael Daum, Florian Perl, Peter Rieser, kuratiert von Nicole Pruckermayr, in Kooperation mit dem Verein Stadtteil Graz Reininghaus mit Dank an ÖSW Wohnbauträger GmbH
Eröffnung: Mi, 11. Februar, 18 Uhr
Zu sehen bis 26.2.2026 (Mo, Do, Fr, 16–20 Uhr & Sa, 10–14 Uhr)
Spezielle Termine: Mo, 16.2., 18–20 Uhr: Gespräch mit den Künstler*innen; Do, 26.2., 16–20 Uhr: Closing-Party
Mirror im EG, Reininghauspark 2a (neben Sparkasse), 8020 Graz













