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Die Sichtbarmachung des Unsichtbaren

Ausstellungsansicht

Die Ausstellung „Expanded Shadows“ der steirischen Künstlerin Anna Jocham in der Leibnitzer Galerie Marenzi gibt Einblicke in verschiedene mediale Bildwelten und hinterfragt die Mechanismen vi­sueller Repräsentation.

In ihren Arbeiten beschäftigt sich die 1997 im steirischen Voitsberg geborene Künstlerin Anna Jocham mit der Frage, wie fotografische Bilder Realität erzeugen und beeinflussen. Dafür hinterfragt sie den vermeintlichen Wahrheitsanspruch der Fotografie und untersucht, welche Auswirkungen die Bilderflut auf die Gesellschaft hat. Gezeigt werden Jochams Arbeiten, die aktuell an der Kunstakademie Düsseldorf studiert, in der von Klaus-Dieter Hartl kuratierten Ausstellung mit dem Titel Expanded Shadows. Der Bogen spannt sich von manipulierten Film- und Werbeaufnahmen aus den 1990er- und 2000er-Jahren über die endlose Bilderflut in sozialen Netzwerken bis zum aktuellen Phänomen des sogenannten „Doomscrolling“, das zwanghaftes und übermäßiges Konsumieren negativer Nachrichten beschreibt. Im Mittelpunkt der Schau steht der Einfluss medialen Konsums auf soziale Beziehungen, Körperbilder, Konsumverhalten und Vorstellungen von Intimität. „In ihren Arbeiten hinterfragt Anna Jocham den Realitätsanspruch der Foto­grafie. Bildet Fotografie wirklich die Realität ab und welche Auswirkungen hat eine Bilderflut auf die Wahrnehmung, Identität und Erinnerung?“, fragt Kurator Hartl.

Die Ausstellung Expanded Shadows in der Leibnitzer Galerie Marenzi zeigt Arbeiten von Anna Jocham und untersucht, welche Auswirkungen die Bilderflut auf die Gesellschaft hat

Was ist die Wirklichkeit?

Antworten gibt die Ausstellung, an deren Beginn die Werkgruppe Through The Looking Glass I steht. Die hier gezeigten großformatigen und analogen Fotografien basieren auf Bildmaterial aus der Werbe- und Filmindustrie. Durch Langzeitbelichtung werden die Motive verfremdet und in einen neuen Zusammenhang gestellt. „Die Serie setzt sich kritisch mit der Darstellung von Frauen sowie mit den Machtverhältnissen innerhalb dieser Branche auseinander“, so Hartl. Ergänzt werden diese Arbeiten durch weitere fotografische Werke, die unterschiedliche Konsumsituationen zeigen – wie eine ältere Frau beim Einkaufen oder eine Person am Smartphone beim Betrachten von ­Kriegsberichtserstattung. Den Abschluss bildet die Videoarbeit Through The Looking Glass II. Klaus-Dieter Hartl: „Für diese Arbeit trainierte Jocham im Jahr 2022 gezielt einen Algorithmus auf einer Social-Media-Plattform. Durch das bewusste Suchen und Interagieren mit frauenfeindlichen Inhalten veränderte sich der Empfehlungsalgorithmus innerhalb weniger Minuten und die sogenannte For-You-Page war fast ausschließlich von misogynem Content geprägt.“ Die während dieses Prozesses entstandene Bildschirmaufnahme wird in der Videoarbeit zu einer Bilderflut verdichtet, die an das endlose Scrollen in sozialen Netzwerken erinnert.               

Anna Jocham „Expanded Shadows“
Bis 7.3.2026, Sa 10–14 Uhr

Vorschau: Elisabeth Czihak
(Fotografie, Installation)
8.5.–13.6.2026

Galerie Marenzi
Bahnhofstraße 14, 8430 Leibnitz
www.galeriemarenzi.at